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Bilk/Flehe
Die Chronik des Aachener Platzes

Bilk/Flehe: Die Chronik des Aachener Platzes
Beim OB-Dialog im Februar fackelte Erika Worbs nicht lang und sprach Thomas Geisel gleich auf den Aachener Platz an. FOTO: andreas endermann
Bilk/Flehe. Seit 17 Jahren setzt sich Erika Worbs von der SPD für den Umbau des Platzes ein. Passiert ist aber nicht viel seitdem. Von Nicole Kampe

Zum ersten Mal bildete die Bundeswehr Frauen an der Waffe aus, Klaus Wowereit wurde Bürgermeister in Berlin, und untrennbar verbunden ist mit dem Jahr 2001 der 11. September, bei dem mehr als 3000 Menschen Opfer der Terroranschläge in den USA wurden. Große Ereignisse, an die sich wohl die meisten Menschen noch erinnern können, 17 Jahre her, eine lange Zeit. Und genau so lange ist es her, als sich die Bezirksvertretung 3 zum ersten Mal mit dem Aachener Platz beschäftigte. Wahrlich kein Ereignis, das in die Geschichtsbücher eingehen wird, dachten sich die Anwohner damals. Inzwischen aber fast schon würdig für einen Eintrag, denn seit 17 Jahren kämpft Erika Worbs von der SPD an vorderster Front für die Umgestaltung des Platzes - unermüdlich. "In der Kommunalpolitik wird man automatisch geduldig", sagt sie.

Wieso der Aachener Platz überhaupt Thema geworden ist in der BV, daran kann sich Worbs nicht mehr erinnern. Einen Gestaltungswettbewerb hatte es mal gegeben, mit Architekturstudenten aus Aachen, "das passte so gut", sagt Worbs. Geworden ist daraus nichts. Nie. Bald schalteten sich Bürger ein, eine Gruppe, sagt Worbs, "Initiativen sind ja meist gegen etwas". Die Bürgergruppe jedenfalls hatte Pläne, dachte an zwei Kreisverkehre an den Kreuzungen Aachener/Ulenbergstraße und Aachener/Fleher Straße. Wenig intuitiv ist die Verkehrsführung im Moment, wenig selbsterklärend war sie auch damals schon, lange bevor die Haltestellen im Zuge der Wehrhahnlinie versetzt wurden. Aufenthaltsqualität sollten die Kreisverkehre schaffen, einen Treffpunkt für die Menschen im Viertel. Ein Grundsatzbeschluss wurde im Ordnungs- und Verkehrsausschuss, im Haupt- und Finanzausschuss und im Rat 2005 gefasst, "verschiedene Modelle arbeitete die Verwaltung aus", sagt Erika Worbs und kramt in ihrem Ordner, der unzählige Zettel beinhaltet, viele davon in kleine Päckchen geheftet, damit sie nicht den Überblick verliert.

Mit dem Grundsatzbeschluss hatten sich die Gremien bereits für eine Variante entschieden, 2,85 Millionen sollte der Umbau kosten. Dann passierte drei Jahre nichts mehr. 2008 wurde die Umgestaltung anhand von konkreten Plänen in der Bezirksvertretung und im Ordnungs- und Verkehrsausschuss beschlossen. Ein Jahr später bekam Worbs auf Anfrage die Info aus dem Amt für Verkehrsmanagement, dass die Planungen abgeschlossen seien und für Frühjahr 2011 ein Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss geplant sei, "Baubeginn sollte im Anfang 2012 sein", sagt Worbs. Zum ersten Mal hatte man ihr ein konkretes Datum genannt, acht Jahre, nachdem die BV mit der Ideensammlung begann.

"2010 war die Verwaltung gezwungen, etwas zu tun" sagt Worbs, "die Wehrhahnlinie" - als erste Ausbaustufe wurde die Verlagerung und Verlängerung des Haltestellenbereichs für die künftige U 72 von der Rheinbahn umgesetzt - Kosten 1,7 Millionen Euro. Die Bürger waren inzwischen ruhiger geworden, nur eine blieb dran: Erika Worbs. Auch als der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss nicht wie versprochen 2011 beschlossen wurde. "Im aktuellen Haushaltsplan sind die Mittel dafür nicht vorgesehen", hieß es, im April 2014 wagte Worbs die nächste offizielle Anfrage - bezog sich auf Elbers' Ansage im Wahlkampf: "Der Platz wird 2015 umgebaut". Die Entscheidung liege beim Rat, hieß es wieder bei der Verwaltung, zur Herbeiführung eines Ausführungs- und Finanzierungsbeschlusses seien zudem umfangreiche Unterlagen zu erstellen. Unterlagen, die es alle schon einmal gegeben hat. "Nach so langer Zeit stimmt ja nichts mehr", sagt Worbs. In den Haushalt versucht die Bezirksvertretung seit Oktober 2014 den Umbau zu bringen, "das ist immer abgelehnt worden, weil ein Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss fehlt", sagt Worbs. Die Kosten für den Umbau für die zweite Ausbaustufe sind mit der Zeit um fast zwei Millionen gestiegen "Man wollte uns Anfang dieses Jahres mitteilen, wann der Beschluss in die Gremien kommt", sagt Erika Worbs, das ist nicht passiert. Wieder hat sie Mails geschickt, jetzt wartet sie auf die Sitzung im April.

Ein Ass im Ärmel hat Worbs noch, das wird sie ausspielen, wenn es nicht bald eine positive Rückmeldung gibt. Im Februar versprach Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Da machen wir jetzt mal Schluss, jetzt wird der Platz gemacht, wir können die Leute nicht immer hinhalten." Darauf will Worbs ihn festnageln und hofft, dass noch in diesem Jahr mit dem Umbau zumindest begonnen werden kann.

Quelle: RP
 
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