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Bilk
Düsseldorf feiert seine Büdchen

Bilk: Düsseldorf feiert seine Büdchen
Christian Düchtel, Tom Miller, Bedri Ponik, Sascha Matesic und Christoph Dohmen (v.l.) wollen die Büdchenkultur stärken. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Bilk. Am 20. August soll der erste Düsseldorfer Büdchentag einer rheinischen Institution huldigen. Vor allem aus der Off-Szene beteiligen sich Künstler und Musiker an der Aktion in den Stadtteilen. Von Torsten Thissen

Das Büdchen übernimmt ja eine soziale Aufgabe im Stadtteil, sagt Christian Düchtel. Vor dem Verkaufstresen seien eben alle gleich, sagt Christoph Dohmen und Tom Miller fügt hinzu, dass jeder in Düsseldorf ja etwas mit dem Büdchen verbinde. Sascha Matesic wiederum sieht beim Büdchen vor allem die soziale Komponente im Vordergrund. Sie sind die Initiatoren des ersten Düsseldorfer Büdchentages, der stadtweit am 20. August begangen werden soll. Viel Zuspruch hätten sie für die Idee bekommen, sagen sie. Büdchen seien lokale Kultur, einzigartig, unverwechselbar.

Bedri Ponak serviert ihnen Kaffee und Mate-Tee. Seit fünf Jahren arbeitet er 13 Stunden am Tag in seinem Büdchen an der Bachstraße, das vorher von seinen Eltern betrieben wurde. Am Anfang hatte er bis 24 Uhr auf, jetzt aber nur noch bis 22 Uhr, weil er die letzten zwei Stunden eher alleine verbrachte. Ponak freut sich natürlich, wenn seine Bemühungen gewürdigt werden, er hängt die Plakate zum Büdchentag auf, so dass sie jeder gleich sieht.

Büdchen in Düsseldorf stellen sich vor FOTO: Hans-Juergen Bauer

Düchtel ist von Haus aus DJ, jemand, der sich in der Szene umtreibt, dessen Begeisterung so ansteckend ist, dass es sogar gelungen ist, die Stadt zum Büdchentag mit ins Boot zu holen. Bisher machen 15 Büdchen mit. Es können aber noch mehr werden, es gehe bei der Aktion ja auch darum, die Eigeninitiative der Büdchen-Betreiber zu fördern. Nun wollen Düchtel und Co. nicht überall die große Aktion, den Rave, die Party, es geht eher darum, kleine Akzente zu setzen. Und wenn ein Büdchen-Besitzer lediglich die von verschiedenen DJs gemixten Songa abspielen will, sei das "kein Problem", so die Initiatoren. Auf Soundcloud kann sich jeder die Lieder zur Büdchenkultur bereits jetzt anhören (www.soundcloud.com/trinkhallestehcafe). Das komplette Programm steht zwar noch nicht, doch soll an allen teilnehmenden Büdchen irgendetwas geboten werden. Viele Künstler und Veranstalter aus der lokalen Szene beteiligen sich bereits. Angedacht sind beispielsweise ein Büdchen-Bingo, Theaterperformances, Poetry Slam, Lesungen, diverse Ausstellungen und ein Chor. Auch über eine Büdchenführung wurde gesprochen und eine Schnitzeljagd auf Fahrrädern entlang der Büdchen geplant. Die Einbindung von Kunst-, und Kulturvereinen in die Aktion ist Teil des Konzepts. Es wurden bisher Vorgespräche mit den Initiativen am Friedensplatz, der Bürgerinitiative Lessingplatz, Königinnen und Helden und Fingern mobil geführt. Tom Miller meint, dass sich die Büdchen auch verändert haben, offener sind als früher. Auch hier finde derzeit ein Generationenwechsel statt. Junge Leute übernehmen die Büdchen ihrer Eltern oder machen neue auf. Sie wollen und müssen den Kunden mehr bieten als Zigaretten und Flaschenbier. Kunst, Kultur, fair gehandelter Kaffee.

Auch Bedri Ponak hatte diese Erkenntnis. Am meisten verkauft er Zigaretten, doch allzu viel kommt dabei nicht in die Kasse. Er hat die Stadt immerhin dazu gebracht, den Platz vor seinem Büdchen neu zu plattieren. Nun verkauft er Milchkaffee und demnächst wohl auch Brötchen.

Quelle: RP
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