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Bilk
Durch den Botanischen Garten bei Nacht

Bilk: Durch den Botanischen Garten bei Nacht
In den Keschern verfangen sich an diesem Abend nur einige Libellenlarven. FOTO: Andreas Bretz
Bilk. Ausgestattet mit Taschenlampen, Keschern und festem Schuhwerk können Erwachsene und Kinder an einer Führung teilnehmen. Sie können dort auf Molche und Fledermäuse treffen und Bienen, die auch nachts summen. Von Maximilian Krone

Die letzten Autos verlassen die Parkplätze rund um die weitläufigen Gebäude der Universität. Die Straßenlaternen auf dem Gelände sind längst angeschaltet und spenden schwaches Licht. Hier und dort ist ein Fußgänger mit Kopfhörern unterwegs. Von der fast schon gespenstischen Stille rund um den Botanischen Garten bekommt er nichts mit. Anders als rund 30 Menschen, die sich kurz nach der Dämmerung am Eingang des Gartens versammeln. Ausgestattet mit Taschenlampen, Keschern und festem Schuhwerk wollen sie in dieser Nacht die Flora und Fauna des Botanischen Gartens erleben.

Geführt werden sie von Jona Galle. Zu Beginn erklärt der Biologiestudent, dass die Teilnehmer auf den Wegen bleiben sollen, damit sich in dem weitläufigen Gelände niemand verirrt. Dann geht es los. Das Licht der Straßenlaternen ist schon nach wenigen Metern keine Hilfe mehr. Lediglich der schwache Schein des Mondes lässt erahnen, wo man sich befindet. Bald schon werden die ersten Taschenlampen gezückt. Die Teilnehmer sollen sich aber nicht nur auf ihren Sehsinn verlassen, sagt Jona Galle. "Halten Sie nicht nur die Augen, sondern besonders auch die Ohren offen."

Den ersten Halt macht die Gruppe an einem großgewachsenen Baum, in dessen Krone sich kugelförmige Gebilde finden. "Das sind Misteln", weiß einer der Teilnehmer. Für die mythologische Bedeutung dieser Pflanzen hat Jona Galle allerdings wenig übrig. "Aus biologischer Sicht sind das Schmarotzer", erklärt er trocken. Also Pflanzen, die einen Wirt benötigen, um überleben zu können. "Sie entziehen dem Baum Wasser und Mineralien". Kurze Zeit später befindet sich die Gruppe im nordamerikanischen Teil der Anlage. Dort versammeln sich die Teilnehmer um einen kleinen Teich.

Zum ersten Mal kommen nun die Kescher zum Einsatz, an denen besonders die Kinder großen Spaß haben. Das Ergebnis fällt fürs erste aber ernüchternd aus. Lediglich ein paar Libellenlarven verfangen sich in den kleinen Netzen. "Vermutlich sind die meisten Lebewesen abgetaucht, als wir mit den Lampen in das Gewässer geleuchtet haben", sagt Galle. Normalerweise fänden sich dort viele Molch-Arten, Frösche und Schnecken.

Danach geht es in den asiatischen Bereich. Dort lenkt Galle die Aufmerksamkeit der Gruppe auf die umliegenden Bäume. "Wenn Sie diese ganz vorsichtig anleuchten, entdecken sie vielleicht ein Fledermausnest." Diese nisten, so erklärt er, in Höhlen, die einst von Spechten als Brutstätte genutzt wurden. Bis zu 200 Fledermaus-Junge passten in eine solche, sogenannte Wochenstube.

Während die Fledermäuse nachtaktiv sind, bevorzugen Bienen für ihre Flüge den Tag. Wer jedoch seine Ohren nah an das Bienenhaus im Zentrum des Botanischen Gartens hält, der hört auch in der Dunkelheit ein Summen und Krabbeln. Nicht verfangen sollte man sich dabei aber im Netz der Spaltenkreuzspinne. Diese hat sich auf Flug-Insekten spezialisiert und spinnt in der Nähe von Bienenstöcken große Netze, in denen sich die Tiere verfangen, erklärt der Student.

Im Anschluss geht es zum größeren Teich der Anlage. Wegen brütender Kanadagänse kann die Gruppe die kleine Insel nicht betreten. Erfolg haben sie dieses Mal trotzdem. Denn im Kescher eines Teilnehmers verfängt sich ein Krebs. "Das ist ein Roter Amerikanischer Sumpfkrebs. Er ist hier nicht heimisch, sondern wurde eingeschleppt und vermehrt sich sehr schnell", sagt Jona Galle. Für heimische Krustentiere sei er sehr gefährlich, denn er verbreite die Krebspest, einen Pilz, der die Gelenke der Krebse auflöst. Zudem bewirke er eine verstärkte Tagaktivität, was die Krebstiere für Vögel und andere Fressfeinde zur leichten Beute mache.

Wenig später endet der Spaziergang. Viele der Teilnehmer wollen auf jeden Fall wiederkommen. Vielleicht fangen sie ja doch noch einen Molch.

Quelle: RP
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