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Bilk
Ein Oberst trägt kein Grün

Bilk. Michael Kohn organisiert als Oberst der Bilker St.-Sebastianus-Schützen die Festumzüge, Kapellen und Straßenfeste.Im Vorstand ist er das Bindeglied zum einfachen Schützen, ist fleißiger Organisator, Event-Manager und Fortuna-Fan. Von Oliver Burwig

Eine Reitpeitsche in den weißbehandschuhten Händen haltend sitzt Michael Kohn im Sattel. Vor dem Festumzug nimmt er das Regiment ab, eine repräsentative Aufgabe, die nur widerspiegelt, was das Schützenfest auch im wirklichen Leben für ihn bedeutet. Kohn, der eigentlich aus Hamm kommt, ist seit fünf Jahren Vorstandsmitglied des Bilker Schützenvereins, seit 45 Jahren Schütze, seit 28 Jahren im Offizierskorps und trägt an seinem wichtigsten Tag doch kein Grün - das muss aber so.

"Ich kümmere mich um alles, was auf der Straße stattfindet", sagt Kohn nicht ohne Stolz. Am Revers seiner schwarzen Anzugsjacke prangen die üblichen Abzeichen, Ehrungen und Anstecker. Was ihn aber vor allen anderen auszeichnet, ist die Oberstkette aus dem Jahr 1877, das älteste Schmuckstück des Regiments. Sie zeigt, dass Kohn im Vorstand ist und bei allen Fragen, die das Schützenfest betreffen, "den Hut aufhat", wie er sagt. Das merkt jeder, der am Festtag auch nur einige Minuten in seiner Gesellschaft verbringt. "Also nur die drei Märsche?", brüllt Oberst Leutnant Wolfgang Hintzen über die schon ansetzende Kapelle beim Platzkonzert vor der Bilker Kirche in seine Richtung. Kohn bedeutet ein "Ja", lächelt und erzählt weiter.

Er sei Ansprechpartner für alles und jeden - und in der Führungsriege der Schützen auch etwas Besonderes. "Ich trage als einziges Vorstandsmitglied keine grüne Krawatte", erklärt der Oberst. Das würde auf dem Pferd irgendwie komisch aussehen, außerdem trage Kohn als Mitglied des Grenadier-Battallions schon von Haus aus Schwarz auf Weiß. Und natürlich seine Brille mit der kleinen Fortuna-Düsseldorf-Prägung am Bügel, die zu all dieser Feierlichkeit nicht so recht passen möchte.

Doch Schützentum, das ist für den 49-Jährigen immer auch eine Brücke ins Soziale, die Gesellschaft. "Wir sind natürlich ein historischer Schützenverein", sagt Kohn. Dennoch käme "Schützen" bei ihm immer noch vor "Schießen", sein Verein wolle die Jugend abholen und ein offenes Ohr und offene Türen für den Stadtteil haben. Das Schützenfest sei dabei nur ein Teil des Vereinslebens, wenngleich der, den die Öffentlichkeit am meisten wahrnähme. "Wir müssen uns als Verein interessant machen", sagt Kohn. Was Jugendliche bei den Schützen lernen könnten? "Miteinander zusprechen, füreinander da sein und Streitigkeiten nicht nur über Facebook oder Twitter auszutragen." Obwohl "Glaube, Sitte, Heimat" auch bei den Bilker Schützen auf der Fahne stehe, will Kohn diese Werte nicht als rein religiös verstanden wissen: "Die Kirche gehört natürlich mit dazu. Es geht uns aber vor allem um Verbindlichkeit." Die könne man in der Kirche beim ökumenischen Gottesdienst erleben oder im Vereinsleben, das für die Jugend mit Fahrten in Freizeitparks, Bowlingtreffs und Musikkorps Möglichkeiten bieten soll, sich auszuleben und besser kennenzulernen.

Quelle: RP
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