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Schrauberhalle im Boui Boui Bilk
Ein Ort für Menschen, die ihr Auto wirklich lieben

Schrauberhalle im Boui Boui Bilk: Ein Ort für Menschen, die ihr Auto wirklich lieben
Mediziner Stephan Bierschock gehört zu den Mietern der Schrauberhalle auf dem Gelände des Boui Boui. FOTO: Andreas Bretz
Bilk. Bastler wie Stephan Bierschock fühlen sich im Boui Boui Bilk wie im siebten Himmel. In der Schrauberhalle können sie ihren Autos das schenken, was sie brauchen: ganz viel Zeit und ganz viel Liebe. Von Alessa Brings

Jede Veranstaltung auf dem Gelände des Boui Boui in Bilk hat durch die Räumlichkeiten ein eigenes Flair. Denn diese sind alte Fabrikhallen der Schraubenfirma Max Mothes.

Gerade in der dritten Halle, die über einen Eingang ganz hinten auf dem Gelände zu erreichen ist, kommt seit dem 1. April eine Stimmung auf, die den Besucher an Filmszenen erinnert, zum Beispiel aus "The Great Gatsby". Denn er betritt die vor knapp vier Monaten angelegte Schrauberhalle. Mauern aus Backstein, ein altes Rolltor als Einfahrt, hohe Decken. Wie New York City der Zwanziger Jahre, als die Autos gehegt und gepflegt und von ölverschmierten Mechanikern in Muskelshirt repariert wurden. Man erwartet eine Jukebox. Die gibt es aber nicht. Stattdessen eine neue Hebebühne, die bis zu 4000 Kilogramm tragen kann.

Zehn Plätze sind in der Halle angelegt. Neun sind vermietet, doch nur fünf belegt. "Hier haben auch Leute einen Platz gemietet, die an ihrem Alltagsauto arbeiten. Das steht tagsüber natürlich nicht hier", sagt Florian Liss, Chef der Event-Agentur "0049 Events", die das Boui Boui betreibt.

Die Idee, in der leeren Halle auf dem Gelände eine Schrauberhalle anzulegen, kam Stefan Lindemann. Der Düsseldorfer restaurierte in der Nachbarhalle, die heute von Künstlern belegt ist, vier Jahre lang seinen alten Porsche, den er heute fährt. "Als ich kam, war die Halle leer", sagt er. Daher konnte er sich frei ausbreiten. Doch nach und nach bauten die Künstler ihre Ateliers auf. "Rausfahren konnte ich, als ich mit der Restaurierung fertig war", sagt er. Doch seinen Wagen nach Belieben rein und raus manövrieren, so wie es die Mieter in der Schrauberhalle teilweise machen, sei dort nicht möglich, so Lindemann. Also stand für ihn und Florian Liss fest: Eine eigene Halle muss her.

15.000 Euro hat "0049 Events" in die Halle investiert. Unter der Hebebühne musste Beton gegossen und versiegelt werden, Werkbänke zugeschnitten werden und Startstrom verlegt werden. Freie Mitarbeiter, die Schreiner und Bauunternehmer sind, erfüllten diese Aufgaben.

Stephan Bierschock ist fast von Beginn an Mieter. Er bastelt leidenschaftlich gerne an seinem Landrover Defender 110 SW 300 TDI. "Das Auto hat für mich einen sehr hohen emotionalen Wert", sagt er. Den Wagen hat er im Jahr 2000 gekauft und ist seitdem mit ihm durch ganz Europa und Island gefahren. Und dann kommt es, neben den schönen Erinnerungen, natürlich zu anfallenden Reparaturen. "Bei Landrovern ist das so: Sie laufen immer, aber es gibt auch immer etwas zu warten", sagt der 36-Jährige und lacht.

Dass er selber alle Arbeiten übernimmt, hat mehrere Gründe. Zum einen spart er dadurch jede Menge Geld. "Ich muss Ersatzteile kaufen, klar. Aber die sind nicht so teuer und zum Glück noch alle zu beziehen", sagt er. Zum anderen wuchs der Mediziner in einem handwerklichen Betrieb auf und hat sich jede Menge abschauen können. "Ich wusste auch, wie viel Verantwortung ich übernehme, wenn ich mir so ein Auto kaufe", sagt er. Dass es ein Landrover werden soll, stand für ihn schon mit 18 Jahren fest. Da war er in Afrika mit solch einem Wagen unterwegs. "Der Wagen fährt einfach super. Und man hat alles dabei", sagt er und geht sichtlich begeistert um sein Auto herum. Dabei zeigt er auf das Dachzelt und den eingebauten Campingkühlschrank, samt Tisch und Sitzgelegenheit. Sein Landrover ist nicht nur ein Auto, sondern kann auch gleichzeitig sein Schlafplatz sein.

Bis vor Kurzem war der Wagen sein Alltagsfahrzeug. "Er ist mir aber für die Strecke zwischen Köln und Düsseldorf zu schade", sagt Bierschock. Er ist eigentlich Kölner und arbeitet immer noch in der Domstadt, als Anästhesist und Notarzt bei der Feuerwehr. Der Liebe wegen zog er nach Düsseldorf und wohnt ganz in der Nähe des Boui Boui. "Das ist natürlich optimal. Ich kann bis spät abends schrauben und gehe anschließend einfach zu Fuß", sagt er. Die 220 Euro Miete pro Monat nimmt er daher mehr oder weniger gerne in Kauf: "Man bezahlt die Lage hier natürlich mit. Aber es lohnt sich für mich sehr."

Stephan Bierschock träumt von zwei großen Routen, die er gerne mit seinem Auto befahren würde: Nord- und Südamerika und die Seidenstraße. "Dafür brauche ich aber viel Urlaub. Fest geplant ist noch nichts", sagt er. Bis es soweit ist, wird der leidenschaftliche Hobbyschrauber weiter an seinem Auto arbeiten. Sein nächstes Ziel ist erst einmal der Tüv. Danach wird er weiter planen.

Quelle: RP
 
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