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Bilk/Gerresheim
Ein Sportfest ohne Unterschiede

Bilk/Gerresheim: Ein Sportfest ohne Unterschiede
Weitsprung mag Riccardo etwas lieber. Aber wenn es sein muss, wirft der Zehnjährige von der Rudolf-Hildebrand-Schule auch Medizinbälle. FOTO: Andreas Bretz
Bilk/Gerresheim. Zum vierten Mal trafen sich Düsseldorfer Schulen auf dem Postsportplatz in Gerresheim. Eine bunt gemischte Gruppe von Mädchen und Jungen kämpft bei inklusivem Sport für die Gemeinschaft. Handicaps spielen dabei keine Rolle. Von Henning Rasche

Jetzt geht es zum Weitwurf. Der Medizinball, den Riccardo mit beiden Händen stemmt, ist um einiges größer als sein Kopf. Auf der Brille des blonden Wuschelkopfes bleiben Regentropfen kleben. Es regnet ohne Unterlass. Aber Riccardo ist das nicht so wichtig, er will Sport machen. Weitsprung macht ihm besonders viel Freude. 3,10 Meter ist er gesprungen, erzählt der zehnjährige Schüler der Bilker Rudolf-Hildebrand-Förderschule mit Stolz. Aber nun ist Weitwurf angesagt. Riccardo hat den Medizinball in der Hand und schmeißt ihn weg, so weit es geht.

Es ist das vierte inklusive Sportfest verschiedener Düsseldorfer Schulen. Aus jeweils zehn Schulen sind zehn Schüler gekommen, die bunt gemischt in Teams antreten, alles nach Farben sortiert. Weitwurf, Torwandschießen, Parcours laufen, Dosenwerfen - all das sind Aufgaben des Fests, bei dem es nicht um höher, schneller, weiter geht, sondern um die Gemeinschaft. Alle treten zusammen an, Zeiten und Weiten werden addiert. Am Ende ist es so, dass an jeder Station eine Schule gewonnen hat. "Das entspricht aber auch meistens der Realität", erzählt Silke Winkelsträter.

Sie ist Inklusionskoordinatorin für die Grundschulen und selbst an der Schule Flurstraße tätig. Das Sportfest begleitet sie seit den Anfangstagen vor vier Jahren. Sie freut sich, dass trotz des fiesen Nieselregens alle zehn Schulen angetreten sind. Die Mädchen und Jungen, die Grund-, Gesamt-, Haupt- oder Förderschulen besuchen, werden bunt durchgemischt, so dass sich die Gruppenmitglieder noch gar nicht kennen. Durch verschiedenfarbige T-Shirts erkennt man die Zugehörigkeit des Teams. Nacheinander arbeiten die Gruppen Stationen des Sportfestes ab.

An allen teilnehmenden Schulen unterrichten die Lehrer inklusiv. Das heißt, dass Regel- und Förderschüler dieselben Klassen besuchen, denselben Unterricht haben und gemeinsam lernen. Mädchen und Jungen, die einen besonderen Förderbedarf haben, etwa weil sie eine Lernschwäche oder eine geistiger Behinderung haben, stehen besonders im Fokus der Lehrer. Doch was unter dem Stichwort Inklusion seit ein paar Jahren Schullandschaft und Politik aufwirbelt, ist für Kinder unerheblich.

Birgit Planken, Schulleiterin der Grundschule Lindenstraße und Gründerin von Flingern Inklusive, erzählt, wie ein Mädchen sie fragte: "Wann kommen denn die Neuen?" Das Mädchen meinte die Förderschüler und hatte gar nicht gemerkt, dass die schon seit Wochen bei ihr im Klassenzimmer saßen. "Wenn man gar nicht mehr darüber redet, dann ist das Inklusion", ergänzt Silke Winkelsträter.

Elena ist neun Jahre alt und besucht die Brehmschule. "Ich bin froh, dass ich da bin", sagt das forsche Mädchen. Der Wurf mit dem Medizinball, der bereitet ihr großen Spaß. Ob ihr Unterschiede zwischen den Schülern aufgefallen sind, will man von Elena wissen. "Es sind alle nett", sagt sie. "Manche sind schneller, manche sind langsamer. Das ist ein besonderes Sportfest."

Die Inklusion funktioniert an den unterschiedlichen Schulen natürlich unterschiedlich gut. An Silke Winkelsträters Grundschule Flurstraße ist das fast kein Thema mehr, so geübt ist die Einrichtung im Umgang mit Förderschülern. "Beim Sport geht es um die Begegnung, um die Freude", sagt Winkelsträter. Deswegen eigne sich gerade das Fest wunderbar für die Inklusion. Bei einer gemeinsamen Mathestunde würde das wieder schwerer.

Quelle: RP
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