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Bilk
Herr Oberbürgermeister, was ist Heimat?

Bilk. Wann ist ein Ort Zuhause? Wie identifiziert man sich mit Düsseldorf? Um Fragen wie diese ging es gestern im Stadtteilzentrum Bilk. Das Haus hatte mit dem Jugendrat und dem Verein Düssel-Buntu zur Diskussion eingeladen. Von Laura Ihme

Heimat ist ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt, findet Elizabeth Drews. Aber wann fühlt man sich zu Hause? Mit dieser Frage stiegen sie als Vorsitzende des Vereins Düssel-Buntu und die anderen Podiumsgäste gestern Abend in ihre Diskussion zum Thema "Das ist meine Heimat!" ein - und erhielten dabei ganz verschiedene Antworten, die auch deutlich machten, wie schwer es manchmal fällt, sich in Düsseldorf heimisch zu fühlen.

Sie habe ihr Zuhause immer bei sich, antwortete zum Beispiel Düsseldorfs Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch auf die Frage. Zusammen mit Politikern aus dem Stadtbezirk 3 wie Walter Schmidt, dem Bezirksvorsteher, engagierten Bürgern und Oberbürgermeister Thomas Geisel war sie von Düssel-Buntu und dem Jugendrat in das Stadtteilzentrum Bilk eingeladen worden. Schmidt befand derweil das Zuhause immer dort, wo es einem gut gehe. Und der Oberbürgermeister? "Für mich ist Heimat, ist mein Zuhause der Ort, an dem ich glücklich werden würde, wenn ich ein hohes Alter erreichen dürfte", antwortete das Stadtoberhaupt.

So weit, so harmonisch. Dass es jedoch zuweilen auch schwierig ist, sich in Düsseldorf heimisch zu fühlen, stellten die Jugendlichen unter den Gästen, viele von ihnen mit ausländischen Wurzeln, anschließend eindrucksvoll dar: Oft würden sie nämlich, obwohl sie in Düsseldorf geboren sind und ihr ganzes Leben dort verbracht haben, aufgrund ihrer Hautfarbe oder weil sie ein Kopftuch tragen, gefragt, wo sie wirklich herkommen. Ist die Antwort dann Düsseldorf, schauen sie in verdutzte Gesichter. "Du sprichst aber gut Deutsch", sei auch die Antwort. Das ist Ausgrenzung, waren sich die Jugendlichen einig.

Doch ganz so einfach ist es nicht, befand das Podium. "Ich werde, weil ich einen anderen Akzent habe, ständig gefragt, wo ich herkomme. Ich würde das nicht unbedingt als Ausgrenzung betrachten, sondern als Interesse an meiner Person", sagte Geisel. Dietmar Wolf von den Grünen sah das ähnlich. Auch er würde Menschen mit einem anderen Aussehen durchaus Fragen, wo ihre Wurzeln liegen - um mehr über die Menschen ihm gegenüber zu erfahren. "Mit solchen Fragen konzentriert man sich aber viel mehr auf die Unterschiede, dabei sollte man sich viel mehr auf die Gemeinsamkeiten, die wir alle haben, konzentrieren", sagte Yousra El Makrini vom Jugendrat.

Ob es nun in Ordnung ist, jemanden, der anders aussieht, zu fragen, wo er herkommt oder nicht, darauf fand das Podium am Ende keine klare Antwort. Entscheidend sei wohl, wie sich jeder persönlich fühle, dem diese Frage gestellt wird. Einig war man sich aber darüber, die Bikulturalität in Düsseldorf, also das Leben mit zwei Kulturen, weiter zu fördern. Damit die Frage nach der Herkunft irgendwann überflüssig wird.

Quelle: RP
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