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Bilk
Hier ist der Wurm drin

Bilk. Durch tierische Kompostierung werden ungenutzte Küchenabfälle zu Humus verarbeitet. In Workshops zeigen die "Wurmkistenfreunde", wie man die Arbeit der kleinen Kriecher schätzen lernt. Von Sven-André Dreyer

Manch einem mag es bei dem Gedanken an Tausende neuer Untermieter in der eigenen Küche mulmig werden. Erst recht skurril wird es, wenn es sich bei den neuen Mitbewohnern um Würmer handelt. Adelheid Meisen hingegen sieht die sprunghaft angestiegene Zahl ihrer neuen Untermieter gelassen: "Die Scheu vor den Würmern ist weg. Ich beginne, sie zu lieben", erzählt die 59-Jährige aus Unterbilk.

Seit vielen Jahren interessiert sich die Krankenschwester für Naturschutz und beschäftigt sich mit Bodenqualität. Sie stellte sich der Aufgabe, wie sie sich, trotz ihres urban geprägten Lebensraumes, nachhaltig für den Umweltschutz einsetzen kann. In den Fokus ihrer Recherche gerieten der im Haushalt anfallende Küchenabfall und die sogenannte Wurmkompostierung. "Insbesondere Küchenabfälle stellen eine wichtige, bislang ungenutzte Ressource dar", sagt Meisen, die ehrenamtlich als Kompostberaterin für die Awista arbeitet. Denn weil in der Innenstadt kaum Biotonnen aufgestellt werden, wird der organische Küchenabfall meist mit dem restlichen Müll entsorgt.

Kleine Wurmkompostierer, auch Wurmkisten genannt, hingegen dienen der Verwertung der organischen Küchenreste. Die darin lebende Bewohnergemeinschaft entspricht etwa der eines Komposthaufens. Dazu gehören Bakterien und Pilze genau wie verschiedene Einzeller und Springschwänze. Entscheidend sind aber die Kompostwürmer. Und auch wenn sie sich ähnlichsehen: "Mit gewöhnlichen Regenwürmern hat der Kompostwurm wenig gemeinsam." Der Kompostwurm, den man zum Beispiel im Internet bestellen kann, wird bis zu neun Zentimeter lang, ist im Vergleich zu anderen Regenwürmern sehr beweglich, flüchtet aber bei Störung sofort. Dies führt auch dazu, dass die Tiere, insbesondere die Würmer, ihre Kiste nie verlassen. Und auch eine befürchtete Geruchsbelastung bleibt aus: Da die Wurmkompostierung völlig aerobisch abläuft, entstehen keine störenden Fäulnisgerüche. Und weil in einer Küche das ganze Jahr hindurch optimale Lebensbedingungen, etwa eine konstante Temperatur von rund 20 Grad, herrschen, ist die Zahl der Bodentiere in einer Wurmkiste pro Kubikmeter um ein Vielfaches höher als einem Komposthaufen im Garten. "Ein Vorteil dieser Behältnisse ist der geringe Platzbedarf", erklärt Meisen, "und die Pflege eines Wurmkompostierers ist einfach und kaum zeitaufwendig."

Frische organische Küchenreste wie Obst, Gemüse und Kaffeesatz werden, bevor sie in den Komposter gelegt werden, zerkleinert und angefeuchtet. Unbedingt aber sollte vermieden werden, gekochte Speisereste, Fleisch und Fisch zu kompostieren. "Die Würmer sind reine Vegetarier", sagt Meisen. Die in einer Küche eher ungewöhnliche Lebensgemeinschaft produziert schließlich den Wurmhumus, ein natürliches Produkt mit hochkonzentrierten Bestandteilen an pflanzenverfügbaren Nährstoffen. Da die Küchenreste überwiegend aus gut verrottenden stickstoff- und wasserhaltigen Pflanzenresten bestehen, geht deren Rotte mit einer starken Volumenreduzierung einher. Bei im Durchschnitt rund 250 Gramm verwerteten Küchenresten pro Tag, bleiben von zehn Litern Küchenabfällen nur etwa eineinhalb bis zwei Liter Humus übrig. Damit können dann Zimmer- und Balkonpflanzen gedüngt werden.

In der alternativen Kunst- und Kulturhalle "Leben findet Stadt" in Bilk hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe, die sich "Wurmkistenfreunde" nennen, gefunden. Mit regelmäßigen Informationsveranstaltungen werden Interessierte, nicht selten junge Familien, von ihnen an das Thema herangeführt. Bei allem bleibt das gute Gefühl, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Quelle: RP
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