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Düsseldorf
Lustwandeln zwischen Gräbern

Düsseldorf: Lustwandeln zwischen Gräbern
Immer wieder finden Führungen auf dem Gelände statt, die an die Vergangenheit des Friedhofs erinnern. Man kann aber auch einfach nur ruhig in der Sonne liegen. FOTO: Andreas Endermann
Bilk. Der Alte Bilker Friedhof ist eine der beliebtesten Parkanlagen in Düsseldorf. Wenig erinnert noch an seine ursprüngliche Funktion. Ein neues Buch über den Park ruft sie nun wieder ins Gedächtnis. Von Torsten Thissen

Es sind Tage wie diese, in denen Orte wie der Alte Bilker Friedhof wieder in das Leben der Menschen tritt. Natürlich wird der Park auch im Winter genutzt, zu Spaziergängen oder, um frische Luft zu schnappen, doch das Leben der Großstadt beginnt in einem Park mit den ersten Sonnenstrahlen. Und so kommen die Menschen nun wieder, setzten sich zum ersten Mal in diesem Jahr für ein paar Minuten in die Sonne, manche breiten gar wieder die Decken aus und veranstalten kurze Picknicks. Es ist vielleicht ein bisschen kalt, aber auch Frühling. Da muss das so sein.

Natürlich wissen die meisten, dass der Park früher ein Friedhof war. Doch warum und wie dieser Ort den Wandel vom Gottesacker zum Familienpark vollzogen hat, wissen sie nicht. Aufschluss über die Geschichte des Parks findet sich nun in dem kleinen Büchlein von Düsseldorfs wohl bester Kennerin der Friedhoflandschaft, Inge Zacher. "Der Bilker Friedhof", herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein, beleuchtet mehr als 200 Jahre, in denen sich der Ort verändert hat. Nicht rasant, aber stetig.

Grund seiner Anlage war ein wegen der hygienischen Notstände auf den innerstädtischen Kirchhöfen erfolgte Erlass des pfalz-bayerischen Kurfürsten Maximilian IV. Joseph von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, der die Verlegung der Begräbnisstätten außerhalb der Städte und Siedlungen forderte. So wird der seit 1645 für Beerdigungen genutzte Kirchhof von Alt-St. Martin 1804 geschlossen. Die Gemeinde wählte ein an der nach Volmerswerth führenden Landstraße gelegenes Grundstück zum neuen Begräbnisplatz. Dieses "Leichenfeld" wurde am 28. Mai 1805 eingesegnet.

Am Abend wurde als erste Leiche ein sechs Wochen altes Mädchen beigesetzt. Nun war dieser Friedhof kaum mehr als ein sandiger Hügel. Außerdem scheinen die Zustände nicht wirklich mit den heutigen vergleichbar. So besuchte 20 Jahre nach der Eröffnung, der preußische Landrat, Freiherr Friedrich von Lasberg den Friedhof und fand abstoßende Zustände vor: "Der gegenwärtige Platz ist viel zu klein. Jeder begräbt seine Toten nach Willkür". Die Leichen liegen kaum 40 Zentmeter tief, ohne Sarg. Die Stadt wurde von der preußischen Regierung angewiesen, die Zustände zu verbessern. Schließlich nahm sich der Garten- und Landschaftsarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe des Geländes an. Er entwarf eine kleinere Version des Golzheimer Friedhofs. Aufgrund der Bevölkerungsexplosion wurde allerdings bereits 1840 einer Erweiterung notwendig, bis 1873 gab es derer drei, doch es wurde bereits deutlich, dass der Platz nicht ausreichen würde. Die letzte Erweiterung des Friedhofs wurde 1895 vorgenommen.

So wurde der Friedhof am 1. April 1904 geschlossen. Einen Tag später wurde der Südfriedhof eröffnet. Und auch wenn einige Begräbnisse umgebettet wurden, war eine Umwandlung des Geländes in einen Park nicht möglich. Die Ruhezeiten von bis zu 40 Jahren für Gräber verhinderten die Umwandlung in einen Park.

Der Friedhof verwahrloste, Stürme und Kriege verhinderten die weiteren Planungen, erst in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts konnten die Pläne einer Umnutzung umgesetzt werden. Man begann 1954 mit der Gedenkstätte im Westen, dann kam 1956 der Kinder- und Wasserspielplatz. In den 60-er Jahren bekam der Park erst seine heutige Gestalt. 27 Hektar groß ist der Park heute. Und historischer Boden.

Quelle: RP
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