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Bilk/Unterrath/Golzheim
Mehr Familien sind auf Wohnungssuche

Bilk/Unterrath/Golzheim. Familie Barkleit lebt mit der drei Jahre alten Tochter und dem Neugeborenen in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Den Familien Heinzen und Glasner geht es ähnlich. Drei Fälle, die zeigen, wie schwierig die Wohnungssuche ist. Von Nicole Kampe

Vor drei Wochen ist Max zur Welt gekommen, seine Haut ist rosig, ein paar Härchen hat er auf dem Kopf. Was um ihn herum passiert, das bekommt Max noch nicht mit. Am liebsten ist er auf Mamas oder Papas Arm, und die große Schwester Mia (3) hat immer ein Auge auf Max. Für Michael Barkleit (29) und seine Frau Sabrina (27) sind Max und Mia Wunschkinder. Mia war noch nicht geboren, da plante das Paar schon das Geschwisterchen. Damals lebten die Barkleits in Golzheim, in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Viel zu klein für eine Familie mit Kind.

Im Oktober 2013 zogen Sabrina und Michael Barkeleit nach Bilk, dort fanden sie eine Wohnung mit drei Zimmern, die bezahlbar ist. Eine große Küche haben sie und Platz im Wohnzimmer. Mia kann toben und malen und spielen in ihrem Kinderzimmer. Nur für Max gibt es keinen Raum, die Hälfte des Eltern-Schlafzimmers ist zum Baby-Zimmer umfunktioniert worden. Das ist keine Dauerlösung, beide Kinder sollen ein eigenes Zimmer haben, finden die Eltern. "Als wir hier einzogen, wussten wir schon, dass wir nicht immer bleiben werden", sagt der 29-Jährige. Doch eine zentrale Vier-Zimmer-Wohnung hat die Familie nicht gefunden. Unzählige Male sind sie wegen der Kinder abgewiesen worden, Vermieter würden kinderlose Paare, Singles oder Rentner bevorzugen. Höchstens Familien mit einem älteren Kind. Singular. "Seit zwei Jahren schauen wir täglich bei Immobilien-Scout nach Inseraten", sagt Sabrina Barkleit. Sogar einer Genossenschaft ist die Familie beigetreten. Doch Anspruch auf eine Wohnung hat man dort erst nach zwölf Jahren, bis dahin können die Barkleits nicht warten.

Ihre Geschichte gleicht der von Familie Fiedler/Pohl, die wegen Tochter Anna einfach keine Wohnung gefunden hat und die sich an unsere Zeitung wandte. Auch die Barkleits sind beide berufstätig, er im Taxi-Unternehmen, das seiner Familie gehört, sie bei einer großen Versicherung. Und offenbar gibt es noch mehr Menschen, die in Düsseldorf wegen ihrer Kinder keine Wohnung finden. Udo Hinzen zum Beispiel geht es so. Der 37-Jährige lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern (drei Jahre und acht Monate) auf 93 Quadratmetern in Golzheim. Drei Zimmer stehen der Familie zur Verfügung, "wir hätten gerne irgendwann unser Schlafzimmer wieder für uns", sagt Heinzen. Seit drei Jahren suchen die Heinzens schon, sicher 30 Wohnungen haben sie besichtigt. "Viele waren in schlechtem Zustand und gleichzeitig zu teuer, andere verlangten einen Abschlag für eine 30 Jahre alte Küche", erzählt der Sozialpädagoge. Weil das Wasser im Haus belastet sei, sei der Druck bei der Suche weiter gestiegen. Die Heinzens haben schon überlegt, aus der Stadt rauszuziehen, vielleicht ein Eigenheim zu kaufen. Aber wieder von vorne anfangen, die Tochter aus dem Umfeld reißen, die Frau, die erst vor ein paar Jahren nach Düsseldorf gekommen ist und sich inzwischen gut eingelebt hat - das will Udo Heinzen nicht. Bei 1200 Euro liegt Heinzens Schmerzgrenze für die monatliche Miete, "ich sehe auch nicht ein, 1700 Euro oder mehr für 80 bis 100 Quadratmeter zu zahlen", sagt Michael Barkleit.

Auf ihr eigenes Schlafzimmer verzichten Patricia Glasner (36) und ihr Mann Detlev (52) schon seit Jahren. Jede Nacht ziehen sie die Schlafcouch im Wohnzimmer aus, damit Tochter (16) und Sohn (12) ihr eigenes Zimmer haben. "Seit 2013 suchen wir nach einer Wohnung", sagt Patricia Glasner, sie und ihr Mann haben beide ein festes Einkommen. Aber Kinder wollen offenbar nur die wenigsten Vermieter. Und wenn es die Kinder nicht sind, "dann will man uns nicht, weil die Firma meines Mannes vor Jahren insolvent gegangen ist", sagt die 36-Jährige.

Den Familien bleibt nur, auf einen Zufall zu hoffen, auf den Sechser im Lotto, einen Tipp. Die Ansprüche sind nicht hoch: Vier-Zimmer-Wohnung gesucht, in der Kinder willkommen sind, es Platz gibt für sie und sie auch mal laut sein dürfen. Und für die die Eltern nicht an allen Ecken und Enden sparen müssen, auf alles verzichten, damit sie sich die Miete leisten können.

Quelle: RP
 
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