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Bilk
Stadt stoppt Brücken-Gitter

Bilk. Mit einem Dringlichkeitsbeschluss haben die Bezirkspolitiker erreicht, dass die Arbeiten an den historischen Brücken an der Karolingerstraße eingestellt werden. Ende August will die Verwaltung den Politikern Alternativen vorstellen. Von Semiha Ünlü

Walter Schmidt (CDU) hat sich die Schutzgitter an den beiden mehr als 100 Jahre alten Brücken an der Karolingerstraße in den vergangenen Tagen bereits drei mal angesehen. Und jedes mal ist der Bezirksbürgermeister zu dem gleichem Schluss gekommen: "Die sind unmöglich, passen einfach nicht zu den historischen Brücken!" Gemeinsam mit den CDU- und SPD-Kollegen aus der Bezirksvertretung 3 hat er nicht auch zuletzt wegen Beschwerden von Bilkern per Dringlichkeitsbeschluss die Verwaltung um die sofortige Einstellung der Vergitterungsarbeiten gebeten. Und darum, dass "eine stadtbild-verträgliche Lösung" gesucht wird.

Mit Erfolg. Die Stadt hat eingelenkt und wird jetzt erst einmal nicht wie geplant auch die anderen drei historischen Brücken an der Karolingerstraße mit den aus Sicht vieler Anwohner und Politiker unansehnlichen Schutzgittern versehen. Stattdessen will das Amt für Verkehrsmanagement in der nächsten Sitzung der Bezirksvertreter am 30. August die einzelnen Möglichkeiten zur Sicherung zeigen, damit sich die Politiker selbst ein Bild machen können. "Es gibt wohl sogar sieben Varianten, vom Maschendrahtzaun bis zur Querverstrebung", sagt Bezirksbürgermeister Schmidt. Dass die Stadtteil-Politiker und auch -Bewohner nicht schon im Vorfeld in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden, kann er nicht nachvollziehen: "Uns wurde mitgeteilt, dass das ein Verwaltungsgeschäft sei."

Dass die Bauwerke abgesichert werden müssen, steht aber außer Frage, denn der Platz zwischen den Streben darf laut einer Verordnung nicht größer als zwölf Zentimeter sein, da sonst ein Sicherheitsrisiko bestehe, etwa an der Karolingerstraße Kinder in die Düssel stürzen könnten (passiert ist das nach Angaben der Stadt bislang noch nicht). Alleine die Vergitterung der fünf Brücken an der Karolingerstraße kostet nach Angaben der Stadt 42.000 Euro, die Arbeiten an den anderen 65 Brücken im Stadtgebiet, die ebenfalls noch gesichert werden sollen, 145.000 Euro. "Wir wollen natürlich nicht, dass die Arbeiten noch teurer werden, sind uns aber sicher, dass es auf jeden Fall besser geht als jetzt", sagt Schmidt.

Eine Meinung, die auch andere Bilker teilen. "Die Karolingerstraße ist mit ihren wunderschönen Gründerzeitgebäuden, prächtigen Bäumen und romantischen alten Brücken eigentlich eine der schönsten Straßen der Stadt", sagt Anne-Kathrin Meyer (26). Die bereits angebrachten Schutzgitter an zwei Brücken seien "eine regelrechte Verschandlung", findet die Kauffrau. Auch der promovierte Historiker Ingo Schiweck kritisiert die Arbeiten. "Die Stadt lässt für viel Geld Gitter in jede Öffnung der ursprünglichen Geländer montieren, die wie Fußabtretergitter wirken. Dazu werden die alten Geländer und der Naturstein angebohrt." Dadurch werde nicht nur das Aussehen der Brücken verändert, sondern diese eben auch "deutlich beschädigt."

Wenn Walter Schmidt demnächst an den schon mit Gittern versehenen Brücken (etwa an der Ecke Karolinger-/Binterimstraße) vorbeispaziert, wird er trotz des angekündigten Stopps der Vergitterungsarbeiten einen Unterschied feststellen: "Sie sollen noch einen Anstrich bekommen, der von Anfang an geplant war, hat die Stadt uns gesagt." Ob die Brücken dadurch viel ansehnlicher werden, sei abzuwarten.

Quelle: RP
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