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Bilk
Starke Frau malt starke Frauen

Bilk. Vor fünf Jahren begann Inge Mecheret mit dem Malen. Ein Leben ohne die Kunst kann sie sich heute nicht mehr vorstellen. Von Julia Chladek

"Malen, das kann doch jeder - man muss einfach damit anfangen." Dieser Satz einer Freundin brachte Inge Mecheret vor fünf Jahren ins Grübeln. Sie hatte in ihrem Freundeskreis viele malbegeisterte Frauen und Künstlerinnen, doch selbst zum Pinsel zu greifen, das konnte sich die heute 56-Jährige bis dahin nicht vorstellen.

Der Malkurs im Bürgerhaus Salzmannbau, zu dem sie sich spontan anmelden wollte, war schon ausgebucht - doch davon ließ sich Inge Mecheret, einmal entschlossen, nicht abhalten. Sie ließ sich auf die Warteliste setzen, rief jeden Tag im Bürgerhaus an und war so hartnäckig, dass Kursleiterin Ute Sweekhorst schließlich ein Einsehen hatte und Mecheret noch in den Kurs aufnahm. Das war 2011. Fünf Jahre später hängt ihre erste eigene Ausstellung in den Räumen des Vereins "kom!ma" im "Salzmannbau".

Am Anfang malte Mecheret knallbunte Bilder, viele Farben, viele Blumen. Das änderte sich, als sie die Künstlerin Erika Jörgenshaus kennenlernte. Fast hatte Inge Mecheret damals schon die Lust verloren, dachte ans Aufhören. "Das kommt gar nicht in Frage", fand jedoch Jörgenshaus. "Wir probieren jetzt was Neues." Und so entstand Mecherets erstes Bild mit einer menschlichen Figur - einer korpulenten Frau im gemusterten Kleid, deren Haare im Fahrtwind des Motorrollers wild durch die Gegend wehen. "Die Idee gefiel mir und ich fing an, nach anderen amüsanten Frauenbildern zu suchen. Inzwischen habe ich mir eine Mappe angelegt, in der ich all meine Inspirationen sammle", erzählt die Künstlerin. Mittlerweile ist sie mindestens einmal im Monat in Erika Jörgenshaus' Atelier in Kaarst, schätzt deren Input und künstlerische Expertise. "In jedem meiner Bilder ist irgendwo auch ein Stück Erika drin", sagt Mecheret.

Die Frauenbilder wurden dann gewissermaßen zu ihrem Markenzeichen, zur Rollerfahrerin gesellten sich etwa eine pummelige Frau mit Lockenwicklern und pinkem Trainingsanzug oder eine selbstbewusste Dame im 20er-Jahre-Badeoutfit. Zumindest teilweise an die Öffentlichkeit gewöhnen konnten sich die Werke schon an Mecherets Arbeitsplatz, dem Sanitätshaus Koppetsch. Ihr Chef schätzt die künstlerische Ader seiner Mitarbeiterin - und so werden die vielen weißen Wände in den Geschäftsräumen mittlerweile von zahlreichen ihrer Kunstwerke geschmückt.

Doch für die 56-Jährige ist das Malen mehr als ein Hobby: "Malen bedeutet für mich Erholung pur. Alle meine Emotionen und Erlebnisse fließen mehr oder weniger bewusst in die Bilder ein." "Saida", ihr Künstlername, bedeutet auf arabisch "glücklich". Mecheret, die mit einem Algerier verheiratet ist, konvertierte 2011 zum Islam. "Und da Inge in Algerien niemand aussprechen kann, habe ich mir einen arabischen Vornamen ausgesucht, der zu mir passt", so die 56-Jährige. Und so sind auch ihre Bilder - fröhlich, farbenfroh, "Gute-Laune-Bilder eben", sagt Mecheret. Ab April will sie daher mit der Künstlerin Susanne Zagorni zusammenarbeiten, die andere, teilweise düstere Bilder malt: "Um mich inspirieren zu lassen, um meine Technik zu verbessern und meinen Stil weiterzuentwickeln." Bis die zweite Ausstellung von Inge Mecheret an den Wänden hängt, ist es wohl also nur noch eine Frage der Zeit.

Quelle: RP
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