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Serie Verliebt in Düsseldorf
Studenten sind die neuen Spießer

Serie Verliebt in Düsseldorf: Studenten sind die neuen Spießer
Stephi, 25 Jahre: "Ich habe meinen Freund vor dem Studium kennengelernt. Wenn an der Uni geflirtet wird, dann eher bei den Jüngeren." FOTO: Schaller,Bernd (bs)
Bilk. Die Zeiten, in denen zwischen Hörsaal und Bibliothek wild geflirtet wurde, sind vorbei. Stattdessen konzentriert man sich darauf, die Regelstudienzeit einzuhalten und mit dem immer gleichen Partner schnellstmöglich ein Nest zu bauen. Von Laura Ihme und Bernd Schaller (Fotos)

Wer an der Uni eingeschrieben ist, hat ein leichtes Leben, sagt man. Zumindest ist das Bild des ewig betrunkenen, von einer Party zur nächsten hüpfenden Studenten, der eine Bettbekanntschaft nach der anderen macht, eines, das immer noch in den meisten Köpfen vorherrscht. Patrick und Stephi beweisen das Gegenteil: Beide studieren in Düsseldorf, beide sind Mitte 20 und beide sind vergeben - und das schon seit ein paar Jahren. Die Uni als größter Heiratsmarkt? Das war einmal.

Daniel, 26 Jahre: "Unsere Generation hat das Problem, dass sie von allen Seiten unter Druck gesetzt wird. Da bleibt nicht viel Zeit zum Flirten." FOTO: Schaller,Bernd (bs)

"Ich bin schon seit acht Jahren mit meiner Freundin zusammen. An der Uni habe ich selbst deshalb noch nie geflirtet", sagt Patrick. Generell würde natürlich schon geflirtet, etwa in den Pausen zwischen Seminaren oder auf Fachschaftspartys. Heiß her gehe es da aber selten. "Ich habe eher den Eindruck, dass die ganz jungen Studenten es noch am ehesten krachen lassen, wenn sie so 18 oder 19 Jahre alt sind. Danach werden sie ruhiger", meint auch Stephi, die ihren Freund ebenfalls bereits vor dem Studium kennengelernt hat.

Aber woran liegt das? Sind die Studenten zu faul zum Flirten? Mitnichten, wenn man Daniel glauben darf. Der 26-Jährige studiert Wirtschaft an der Heine-Uni - und ist Single: "Der dritte Stock in der Bibliothek ist die absolute Singlebörse. Die Mädels laufen dort ziemlich aufreizend rum", sagt er. Aber in Zeiten der Bachelor- und Masterstudiengänge fehle oftmals einfach die Zeit für ausschweifende Flirts zwischen Abschlussarbeit und Bücherregal. "Das ist das große Problem unserer Generation. Wir bekommen von allen Seiten Druck, mit dem Studium möglichst schnell fertig zu werden und dabei noch Praktika zu absolvieren. Und potenzielle Arbeitgeber mögen es gar nicht gerne, wenn man mehr Semester an der Uni verbracht hat als eigentlich vorgesehen", sagt er. Da beeile man sich eben lieber, alle Scheine rechtzeitig zu kriegen, statt ewig nach der Liebe zu suchen.

Nathalie, 20 Jahre: "Ab und zu trifft man mal süße Typen in den Kursen. Aber sonst lerne ich eher in meiner Freizeit Jungs kennen." FOTO: Schaller,Bernd (bs)

Hat man einen Partner gefunden, beginnt sodann auch gleich das Nestbauen wie bei Patrick und Stephi. "Bei mir liegt es auch ein wenig daran, dass ich vor meinem Studium bereits eine Ausbildung gemacht habe. Da steht man ganz anders im Leben als direkt vom Abitur an die Uni zu kommen", meint Stephi. Dem stimmt auch Katharina zu: "Für mich ist das hier an der Heine-Uni mein Zweitstudium und ich habe schon seit längerer Zeit einen Freund. Als ich frisch von der Schule kam und bei meinen Eltern ausgezogen bin, war ich auch eher noch am Flirten interessiert", sagt die 24-Jährige.

Die meisten Chancen hat man als Single deshalb wohl bei Erstsemestern. "Wenn interne Einführungsveranstaltungen stattfinden, ist das zum Beispiel eine gute Gelegenheit, um Leute kennenzulernen", sagt Daniel. Frischfleisch sozusagen, noch nicht im Strudel der Regelstudienzeit gefangen, frei und alles andere als bereit, sesshaft zu werden. So wie Nathalie: Die 20-Jährige studiert ganz neu an der Heinrich-Heine-Universität, ist Single und flirtet gerne. Bloß, dass sie von der Auswahl an der Uni nicht sonderlich begeistert ist. "Vielleicht gibt es mal im Kurs einen süßen Typen, mit dem man dann auch flirten kann. Aber das war's dann auch, dann schau ich mich lieber in meiner Freizeit um", sagt sie.

Zusammengefasst heißt das also: Die alten Studenten (wobei man sich fragen muss, ob 25 schon als alt gilt) haben keine Zeit zu flirten und werden lieber frühzeitig sesshaft, und die Frischlinge sind mit der Ausbeute unzufrieden. Ganz schön spießig, die Jugend von heute.

Quelle: RP
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