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Stadtmitte
Bürger verschönern ihr Viertel

Stadtmitte: Bürger verschönern ihr Viertel
Bürger diskutieren über die Zukunft des Depots am Steinberg. FOTO: end
Stadtmitte. Nicht nur die City, auch die Stadtteile sind wichtig für das Lebensgefühl einer Stadt. In den Bezirken 1 und 3 engagieren sich immer mehr Menschen für ihr Umfeld – auch gegen Widerstände. So entfaltet sich mitten in der Großstadt eine gelebte Nachbarschaft. Von Christine Zacharias

Mitte 2011 war ein Jahr, in dem die Stadtteile stärker in den Blickpunkt rückten. Die Menschen engagieren sich in und für ihre Viertel. Und diese Botschaft ist inzwischen auch im Rathaus angekommen, wo man die Bedeutung der Lebensqualität der Stadtteile für eine Kommune nun stärker in den Blick nimmt.

So war es das Engagement der Stadtteilpolitiker des Bezirks 3, der zum Jahreswechsel 2010/2011 bewirkte, dass Düsseldorfs ältestes Bauwerk und zugleich die älteste Kirche der Stadt, Alt St. Martin in Bilk, bei Dunkelheit angestrahlt wird. Inzwischen liegt ein Konzept des Gartenamtes zur Neugestaltung auch des vernachlässigten Vorplatzes vor – nachdem die Bezirksvertretung Druck gemacht hatte. Für 20 000 Euro soll die Anlage bis Mitte 2012 verschönert werden.

Was wird aus dem alten Straßenbahn-Depot am Steinberg? Nachdem die Rheinbahn das Gelände in Bilk aufgegeben hatte, gab es viele Diskussionen. Die örtlichen Vereine wünschten sich einen großen Veranstaltungssaal, der immer noch im Stadtteil fehlt. Die Mitglieder und Freunde des Vereins "Linie D" hätten dort gerne ein Museum für die von ihnen gepflegten historischen Straßenbahnen. Doch kommt nun wohl vor allem eine Klientel zum Zuge: Die Hallen mit den großen Deckenfenstern sind als zusätzliche Atelierräume für die Kunstakademie im Gespräch.

Eine Gemeinde kehrt heim: Nach dreieinhalb Jahren Renovierung aufgrund des Brandes in 2007 konnte die katholische Pfarrgemeinde St. Peter im Februar wieder ihr Gotteshaus beziehen. Gemeinsam mit Kardinal Meisner aus Köln wurde eine feierliche Messe zelebriert. Die Sanierung der Außenfassade folgt als Nächstes.

Die Bilker Allee erwacht allmählich aus ihrem Dornröschenschlaf – auch das vor allem durch das Engagement der Anwohner und Geschäftsleute. Sie pflegen jene Blumenkübel, die die BV3, das Gartenamt und die Initiative Pro Düsseldorf finanziert haben und die alljährlich im Sommer das Straßenbild verschönern. Des Weiteren sollen schrittweise die Baumscheiben aufgebessert und die gesamte Einkaufsmeile in den nächsten Jahren neu gestaltet werden. Die Wirkung zeigt sich schon jetzt: Neue, kreative Läden machen auf. Die Einzelhändler-Initiative "Loretto 360 Grad" von der nahen Lorettostraße umschließt inzwischen auch die Bilker Allee: Unterbilk, so sagen manche, steht dem aufstrebenden Szene-Viertel Flingern (Ackerstraße) in nichts nach.

In Bilk wird viel gebaut: derzeit die Bilker Höfe, demnächst unter anderem an der Kopernikusstraße und endlich auch auf dem Auto-Becker-Gelände, das zehn Jahre brachlag. Da braucht es natürlich auch Kindergärten. Im Färberviertel an der Vlattenstraße wurde im Juni die evangelische Kita der Diakonie (Luther-Kirchengemeinde, vormals Johannes-Weyer-Straße) neu und größer wiedereröffnet – in einem umgebauten ehemaligen Stadtwerke-Haus. Im September konnten nach langer Planungsphase und rund einjähriger Bauzeit 120 Kinder in die neue katholische Kita St. Martin an der Martinstraße einziehen.

Seit fünf Jahren wird im Stadtbezirk 3 im Sommer gekickt – und zwar auf internationaler Ebene. Im Jahr des "Sommermärchens" 2006 nahm das Internationale Fußballturnier der Bezirksvertretung 3 seinen Anfang. Sechs verschiedene Länder waren im Juni am Start, im Vordergrund stand aber der Spaß, weniger sportlicher Ehrgeiz.

Eine radfahrerfreundlichere Stadt wünschen sich viele Menschen im Stadtteil. Das zeigte die dritte Stadtbezirkskonferenz im Juli im Bilker Bürgersaal. Einiges von der Wunschliste der Teilnehmer ist inzwischen umgesetzt worden, wie etwa die neue Radverbindung an der Hammer Straße am Medienhafen. Diese wurde so gelegt, dass sich Drahtesel und Außengastronomie künftig nicht mehr in die Quere kommen. Ein Wunsch bleibt aber unerfüllt: Es wird keine Radstation am Bilker Bahnhof geben.

In Pempelfort und Derendorf tut sich was: Zum zweiten Mal gab es dort das Stadtteilfest auf dem Rochusmarkt, initiiert von rund 100 Teilnehmern aus allerlei Gruppen, Vereinen und Initiativen des Viertels. Trotz der citynahen Lage rückt vor allem Pempelfort näher zusammen: Die Anonymität macht allmählich einer eigenen Stadtteil-Identität Platz. So eröffnete im September ein neuer offener Treff für junge Familien: Das "Herz-lich" an der Herz-Jesu-Kirche steht ausdrücklich allen offen, nicht nur den Kirchgängern. Vor Weihnachten lud die Pempelforter Nachbarschaftsinitiative "Menschen von hier" zum gemütlichen Basar. Die Mitglieder planen für nächstes Jahr die Eröffnung eines "Pempelforter Salons" für Kultur. Viele Besucher des Rochusfestes können sich derzeit ihre Konterfeis in der Rochuskirche anschauen: Dort zeigt der Fotograf Robert Freund noch bis zum 8. Januar täglich von 9 bis 17 Uhr die Ausstellung "Ort – Identität" mit Porträts aus dem Stadtteil. Die Rochuskirche soll ab 2012 übrigens auch zum Ausstellungsraum für Kunst werden.

In Juni 2012 soll es endlich losgehen mit dem Umbau des Oberbilker Marktes. Für 2,5 Millionen Euro bekommt der Platz ein neues Pflaster, neue Lichtstelen und Bänke. Bei der Gestaltung will man die Industriegeschichte des Viertels berücksichtigen. Allerdings: Der ungeliebte Kiosk bleibt bis 2023 stehen. So lange läuft der Pachtvertrag.

Nichts Neues dagegen an der Franklinstraße: Dort hatten Anwohner einen Schulneubau verhindert, der einen schönen Platz mit hundertjährigen Platanen zugebaut hätte. Auf Anregung von Oberbürgermeister Elbers stellte die Initiative "Pro Franklinstraße" vor Jahresfrist ein Konzept für eine "Oase im Grünen" zur Verfügung. Der Entwurf beinhaltet auch eine Installation des Künstlers Bogomir Ecker, die dieser kostenlos anbietet. Doch obwohl die Bezirksvertretung 1 im Juli einen Prüfauftrag an die Verwaltung auf den Weg gebracht hat – passiert ist noch immer nichts.

(RP/anch)
 
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