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Carlstadt
Die Freiland-Pioniere vom Carlsplatz

Carlstadt. Christian Stüttgen kann sich keinen anderen Platz für seinen Familienbetrieb vorstellen. Vor 40 Jahren startete seine Mutter Christine auf dem Wochenmarkt auf dem Carlsplatz mit einem kleinen Anhängerwagen. "Sie war eine Pionierin!", sagt der 50-Jährige. Als die Bezeichnung Freiland für viele Menschen noch ein Fremdwort gewesen sei und Fleisch aus Massentierhaltung verkauft wurde, habe seine Mutter bereits qualitativ hochwertiges Freiland-Geflügel zum Beispiel aus Frankreich importiert und verkauft.

Zu wissen, wo die Fleischprodukte herkommen und wie die Tiere gefüttert wurden, mache sich trotz der inzwischen größer gewordenen Konkurrenz bezahlt, sagt Stüttgen: "Wir haben eine direkte Verbindung zu Züchtern und Bauern und können den Kunden daher genau sagen, wie etwa die Tiere aufgezogen wurden: Im Supermarkt können sie so etwas in der Regel nicht erfahren."

Während früher meist vor allem Hausfrauen an der Theke von "Feinkost Stüttgen" standen, um für große Familien- oder Geschäftsessen einzukaufen, ist die Klientel inzwischen gemischt: Sogar Studenten schauen mal beim Traditionsmetzger vorbei, um sich beraten zu lassen. Ganze Tiere werden allerdings kaum noch verkauft. Während früher schon mal Gänse oder Milchziegen über die Ladentheke gingen, würde man heute etwa Hals oder Niere nicht mehr verkauft bekommen. Gefragt seien vor allem Keule, Schulter oder Rücken oder besondere Zuschnitte des Fleisches. Und der Service, der in dem Traditionsbetrieb auf dem Carlsplatz seit den Anfängen groß geschrieben wird: "Manchmal arbeiten wir eine Stunde lang, um etwas für den Kunden vorzubereiten, etwa selbst die kleinsten Fettreste zu entfernen oder Wachteln auszulösen."

Christian Stüttgen will auch weiter auf dem Stammplatz bleiben. Die Kündigung, die er für seinen Geschäftsplatz erhalten habe, weil er zu einer Seite eine geschlossene Wand darbiete, sei "haltlos" und habe "keinen Bestand".

(semi)
 
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