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Fehlende Mitarbeiter in Düsseldorf
Hallo? Bedienung!

Fehlende Mitarbeiter in Düsseldorf: Hallo? Bedienung!
Bei "Oma Erika", einem Szene-Café in Flingern, suchen die Inhaber schon seit Wochen Aushilfen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Carlstadt/Flingern/Golzheim. In den Szene-Stadtteilen könnten eigentlich jeden Tag neue Restaurants, Kneipen und Cafés aufmachen. Doch es gibt kein Personal. Von Julia Chladek,

Die Düsseldorfer Gastronomie hat ein handfestes Problem hat: Personal. Oder besser gesagt: gutes Personal, denn das wird immer schwerer zu finden. "Auf Anzeigen für Jobs in der Gastronomie meldet sich heutzutage fast niemand mehr", sagt André Schlösser, neuer Inhaber des Loft auf dem Carlsplatz. "Und die, die kommen, sind ehrlich gesagt oft einfach nicht zu gebrauchen." Sein Betrieb stand vor der Übernahme Mitte Mai deswegen zeitweise auf der Kippe. Einen Spüler etwa konnte die Dame vermitteln, die sich um die Toilette kümmert, die neue Thekenkraft ist noch im Urlaub - Schlösser hofft, dass sie ihren Job antritt und nicht wie viele andere einfach wegbleibt, ohne abzusagen.

Der Grund für das Problem liegt auf der Hand: das liebe Geld. "Würde die Gastronomie mehr zahlen, wären auch mehr Menschen bereit, den Job zu machen und ungünstige Arbeitszeiten oder lange Fahrtstrecken in Kauf zu nehmen", sagt Markus Eirund, der sich in der Gastronomie-Beratung einen Namen gemacht hat. In Düsseldorf gebe es sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtteilen einfach enorm viele Gastronomie-Betriebe. "So viele Mitarbeiter, wie gebraucht werden, kann die Stadt gar nicht produzieren", sagt Eirund. Dass jedoch für 8,50 Euro Stundenlohn kein Koch oder Kellner täglich vom Niederrhein oder aus den umliegenden Städten nach Düsseldorf fährt, ist selbsterklärend.

Je länger diese Situation anhält, desto problematischer scheint sie zu werden: ein Teufelskreis. "Heute schon sind etwa 70 Prozente der Kräfte in der Gastronomie ungelernt", schätzt Remo Rosati, der lange das Rosati in Oberkassel betrieb und heute das gleichnamige Lokal in Golzheim führt. "Kaffee machen geht meist noch, aber wie man mit System gastronomisch arbeitet, weiß kaum jemand mehr." Seine Lösung: selber machen. "Ich bin selbst von morgens bis abends im Betrieb, mache den Service und unterstütze die Küche. Natürlich würde ich auch gern Aufgaben delegieren und mehr Freizeit haben - aber das ist momentan schlicht und einfach nicht möglich."

Schlösser sieht auch die Gäste in der Verantwortung. "Der Kunde ist nicht bereit, mehr als maximal zehn Euro für ein Mittagessen zu zahlen. Ein frisches Curry gibt es bei uns für 6,95 Euro, doch selbst das ist vielen schon zu teuer. Mehr als den Mindestlohn zu zahlen, ist dann wirtschaftlich einfach nicht möglich." Gastro-Berater Eirund gibt ihm Recht: "Die Mittagspause ist schuld am Sterben der Gastronomie", sagt er. Ohne Namen nennen zu wollen, berichtet Eirund von zahlreichen Kunden, die aktuell die Schließung fürchten, weil sie die Personalproblematik unterschätzt haben. "Ich habe schon von einigen gehört, dass sie mit dem Gedanken spielen, auf einen Foodtruck umzusteigen."

Einen pragmatischen Lösungsansatz verfolgt André Schlösser: "Ich hätte als neuen Spüler gern einen Flüchtling eingestellt." Doch die bürokratischen Hürden für die Einstellung seien einfach zu hoch gewesen. "Arbeitsamt, Gesundheitsamt - um die Formalitäten zu klären, hätte ich mindestens eine Woche aufwenden müssen."

Quelle: RP
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