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Derendorf
25 Jahre und noch so viele Fragen

Derendorf. Heribert Dölle hat heute sein Priesterjubiläum, ein Festgottesdienst wird am Nachmittag gefeiert. Ursprünglich wollte der 59-Jährige gern Justizbeamter werden. Von Christopher Trinks

Eigentlich hatte Heribert Dölle als junger Mann eine ganz andere Karriere einschlagen wollen. Eine Ausbildung als Justizbeamter sollte den Weg raus aus der dörflichen Enge des rheinland-pfälzischen Sankt Martin bieten. Doch glücklich wurde er damit nicht. Zu geschlossen sei das Justizsystem für den heute 59-Jährigen damals gewesen, der sich nicht nur mit Oberflächlichkeiten zufrieden gibt, sondern tiefer mit dem heutigen Lebens- und Weltverständnis auseinandersetzt. So folgte nach dem Studium der Psychologie in Frankfurt ein Studium der Theologie an der Jesuitenhochschule Sankt Georgen. Am Samstag feiert Dölle nun mit dem Silberprimiz sein 25-jähriges Priesterjubiläum.

"Ich wollte schon immer das Geheimnis des Lebens oder das der Erscheinung, die wir Gott nennen, erschließen. Und Religion stellt einfach die Frage, was genau der Mensch, das Leben und die Welt eigentlich sein sollen", erklärt Dölle seine Motivation zum zusätzlichen Theologiestudium. Kernelement war dabei für ihn neben der persönlichen Entwicklung auch die Seelsorge in einer Gemeinde. Als Psychotherapeut hatte er sich bereits mit vielen menschlichen Schicksalen auseinandergesetzt, bis er eines Tages dachte:" Mir fehlt da einfach was. Die Welt braucht nicht noch mehr Psychologen, sondern gute Seelsorgende, die einen zweiten Blick auf das wirklich Nötige haben und sich nicht hinter einer professionellen Distanz verbergen." Da er von Haus aus einer katholisch-geprägten Familie mit mehreren Pfarrern entstammte, war der Berufswechsel als Quereinsteiger kein allzu drastischer Schritt für Dölle.

Nach dem Studium im Bonner Albertiner Konvikt diente er ein Jahr als Diakon in Heerdt, ehe Dölle am 26. Juni 1992 von Kardinal Joachim Meißner zum Priester geweiht wurde. Bevor er 2013 dann die Gemeinde Derendorf-Pempelfort übernahm, leitete er zunächst elf Jahre lang die Seelsorge im Uniklinikum Düsseldorf. Rückblickend eine sehr bewegende Zeit für Dölle: "Die Schicksalschläge, die man dort erlebt hat, machen einen selber demütig vor der Kostbarkeit der Lebenszeit. Schwierig wird es dann, wenn man keinen Grund zum Beispiel für den Tod eines Kindes findet. Diese Leiderfahrung kann einen von der Religion abschrecken - oder wie in meinem Fall stärker motivieren, nach den Antworten zu suchen."

Als hinterfragender Mensch wählte er dazu auch passend den Primizspruch: "Nicht, dass ich schon zu fassen bekam oder schon zur Vollkommenheit gekommen wäre, aber ich jage hinterher - vielleicht, dass ich zu fassen bekomme - weil ich ja auch erfasst wurde vom Messias Jesus (Phil 3,12)." So widmet sich Dölle neben der umfassenden Gemeindetätigkeit als Pfarrer, Psychotherapeut und Seelsorger für seine sechs Kirchen auch in seiner Freizeit noch immer wissbegierig den Fragen des Lebens.

An die Rente möchte Dölle zum 25-jährigen Dienstjubiläum noch lange nicht denken. Zu groß sind die Verbundenheit und die Nähe zu seinen Gemeindemitgliedern. "Das Charmante am Dienst für die Gemeinde ist ja, dass privat und dienstlich nicht getrennt ist. Das ist dann aber auch eine Herausforderung, wenn man im Ruhestand nicht mehr gebraucht wird", sagt Dölle. Das Goldene Jubiläum schafft er zwar nicht mehr, aber dennoch kann er sich noch bis ins Alter von 75 Jahren um die seelischen Belange seiner Gemeinde kümmern.

Quelle: RP
 
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