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Derendorf/Mörsenbroich
Die ewige Vorgruppe der Lords

Derendorf/Mörsenbroich: Die ewige Vorgruppe der Lords
The Spitfires vor 50 Jahren: Die minderjährigen Musiker huldigten dem Beat und wollten den Beatles nacheifern. FOTO: privat
Derendorf/Mörsenbroich. Vor 50 Jahren gründeten Pfadfinder in der Kirchengemeinde Herz-Jesu die Beat-Band "The Spitfires". Dank Beziehungen durften sie bei einem Auftritt der Lords spielen - und taten das fortan immer wieder. Jetzt gibt's ein Jubiläumskonzert. Von Marc Ingel

Es war einmal eine Gruppe von Pfadfindern, die vor 50 Jahren in der Herz-Jesu-Gemeinde in Derendorf eine Beat-Band gründeten. Die minderjährigen Jungs nannten sich The Spitfires. Für Instrumente reichte das Taschengeld nicht aus, die Eltern wurden bedrängt - und gaben letztendlich klein bei. Anfängliche Auftritte fanden auf Klassenfeten oder in Jugendheimen statt, später in Altstadtkneipen wie dem Backes, als auch Marius Müller-Westernhagen mit seiner ersten Band Harakiri Whoom zaghafte Erfahrungen in der Musikwelt sammelte. Als Gage gab's zehn Mark pro Bandmitglied - wenn man Glück hatte.

Dann folgte der 20. Oktober 1966: Durch Beziehungen zum Management von The Lords fanden sich die Teenager plötzlich als Vorgruppe der Kult-Band auf der Bühne der damaligen Rhein- und jetzigen Tonhalle wieder - vor 2000 Zuschauern. Das Lampenfieber war riesig, das Repertoire dagegen klein (fast nur Beatles-Songs), doch The Spitfires kam an. Zahlreiche weitere Auftritte im Vorprogramm der Lords folgten, "aber das war schon beschwerlich immer mit Bus und Bahn", sagt Sänger Axel Großwart. "Einmal haben wir sonntags in Lüdenscheid gespielt, mit der Bahn zurückkamen wir nur bis Hagen, dann ging die Gage für ein Taxi drauf." Ähnlich erging es den Nachwuchs-Musikern in Mülheim - der Schlagzeuger hatte eigentlich Stubenarrest - auf dem Rückweg wurden die paar Mark fünfzig im Speisewagen der Bahn auf den Kopf gehauen.

The Spitfirer vor 30 Jahren: Aus den Kindern sind Männer geworden, trotz ehrbarer Berufe ist man der Musik treu geblieben. FOTO: privat

"Ich habe mit der Musik nie wirklich Geld verdient", sagt Großwart, inzwischen Rentner, davor Maschinenbautechniker, "aufgehört habe ich damit aber trotzdem nicht. Ich brauche die Musik wie die Luft zum Atmen, übe nach wie vor jeden Tag", sagt der 66-Jährige. Wie ihm erging es auch den anderen Bandmitgliedern. Als Mitte der 70er Jahre Ausbildung, Studium oder Bundeswehr anstanden, verlor man sich aus den Augen, die meisten blieben der Musik trotz ihrer Jobs als Versicherungsvertreter oder Sparkassenangestellter aber treu, sie spielten in anderen Formationen, der Kontakt riss ohnehin nie ab.

"Anfang der 90er fingen wir wieder damit an, gelegentlich gemeinsam zu spielen. Das funktionierte erstaunlich gut, und so begannen die Spitfires erneut zu existieren", erzählt Großwart. Und plötzlich näherte sich der 50. Jahrestag des umjubelten Bühnenjubiläums in der Rheinhalle. "Das wollten wir groß feiern", sagt Großwart, uns so soll es sein: Am Sonntag, 9. Oktober, gibt es in der Gastronomie des Kleingartenvereins Faselbusch am Vogelsanger Weg 30 in Mörsenbroich ab 11 Uhr einen Frühschoppen, der sich gewaschen hat, auch Leo Lietz, Gitarrist und Mitbegründer der Lords, hat sein Kommen zugesagt.

Die Spitfires heute: In die Jahre gekommen, aber nicht zu alt für Rock’n Roll (unten rechts: Sänger Axel Großwart). FOTO: privat

"Ich habe aus diesem Anlass alte Fotos herausgekramt, sogar einen 2,10 Meter großen Starschnitt der Beatles, alte Bravo- und Micky-Mouse-Hefte von 1966 und eine Collage der Lords", berichtet Großwart. Und natürlich fehlt bei der Weidervereinigung der Spitfires auch die Musik nicht, vielleicht wird neben Poor Boy (Lords), Nowhere Man und The Night Before (Beatles) sogar ein Song der Rolling Stones gespielt. "Das wäre früher undenkbar gewesen, da gab es nur entweder oder, Beatles oder Stones", sagt der 66-Jährige, der auch noch bei einem Projekt der Musikakademie in Düsseldorf mitwirkt. Titel: "Never too old to Rock'n Roll."

Quelle: RP
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