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Derendorf
Eine Familie für Citroën

Derendorf: Eine Familie für Citroën
Ulrich Flory betreibt mit Ehefrau Angelika und seinen Kindern Christine und Tobias eine Citroën-Werkstatt. FOTO: andreas bretz
Derendorf. Vater, Mutter, Tochter, Sohn und Hund - die fünf Florys betreiben in einem Hinterhof an der Jülicher Straße seit 26 Jahren eine Citroën-Werkstatt. Der Familienbetrieb läuft wie geschmiert, denn die französische Auto-Marke hat so ihre Tücken. Von Marc Ingel

In alten Gangster-Filmen fahren Bankräuber vorzugsweise einen Citroën Traction Avant. Weil er schon optisch was hermacht. Und schnell ist. Damit haben Halunken jeden Polizeiwagen spielend abgehängt. Abgelöst wurde der Traction vom Nachfolgemodell DS. Das avantgardistische Design der fast fünf Meter langen "Göttin" unter den Limousinen faszinierte ebenso wie die Technik. Die Hydropneumatik, das Federungssystem, das, vereinfacht ausgedrückt, den Wagen nach dem Start anhebt, ist bis heute einmalig.

Das wiederum war das Glück von Ulrich Flory. Der Kfz-Meister übernahm 1991 die auf Citroën spezialisierte Werkstatt in einem Hinterhof an der Jülicher Straße 22 von Hannes Bongartz. 1974 hatte Flory bei Toni Ulmen, damals die erste Citroën-Adresse der Stadt am Wehrhahn, seine Lehre begonnen. Fünf Jahre arbeitete er im Anschluss bei Bongartz, dann legte der stark an den Chansonnier Georges Moustaki erinnernde Chef das Geschäft in die Hände von Ulrich Flory. Das läuft bis heute gut, denn gerade mit der Hydraulik ist das so eine Sache, die bei weitem nicht jeder Kfz-Mechaniker beherrscht. Und so erlebt Flory es immer wieder, dass Kollegen bei ihm auf der Matte stehen und um Rat fragen. Kunden, die auf Citroën schwören, vor allem auf die alten "Hydraulik"-Modelle bis zum Baujahr 2000, beweisen ohnehin Nibelungentreue. "Ich habe hier Stammkunden, die kommen schon seit 30 Jahren", sagt Flory. Natürlich konnte Flory, dessen Vater schon Lastwagen und Gabelstapler reparierte, den Laden auf Dauer nicht alleine schmeißen. Da traf es sich gut, dass seine beiden Kinder, Tochter Christine (33) und Sohn Tobias (31), beruflich dieselbe Richtung einschlugen.

"Sie sind bei mir in die Lehre gegangen - und geblieben", erzählt der 59-Jährige. "Ich habe ihnen versucht, zu erklären, dass sie in die Welt rausgehen, andere Dinge lernen müssen. Aber sie wollten nicht." Florys Frau Angelika kümmert sich um die Buchhaltung und das leibliche Wohlergehen des Familienbetriebs, der vom viereinhalb Monate alten Terrier Cindy komplettiert wird. Irgendwie dreht sich bei den Florys alles um die französische Kult-Automarke. Natürlich wird privat Citroën gefahren, nur Sohn Tobias fällt aus der Rolle. "Er hat einen Manta", sagt Ulrich Flory leicht verächtlich. Die Familie wohnt quasi nebenan an der Jülicher Straße und hat es nicht weit zur Arbeit. Wenn die mal vorbei ist, wird weiter gewerkelt. Das Hobby der Familie: alte Citroën restaurieren. Unter der Werkstatt stehen rund ein Dutzend Oldtimer in der Garage, die Flory zumeist Kunden abgekauft hat. Darunter DS-Modelle, auch CX, und natürlich ist auch der 2CV dabei. Angelika Flory hat sogar eine Pick-up-Ente, kultiger geht's kaum. Von der anfangs noch belächelten Zwei-Zylinder-"Konservendose" schwärmt Ulrich Flory in höchsten Tönen: "Es ist das Auto mit der im Verhältnis größten Leistungssteigerung in der Automobilgeschichte": von neun PS auf später 29 PS.

Ulrich Flory ist bis heute ebenso begeistert von der Technik des Citroën ("Es ist so, als ob man schwebt") wie vom Komfort. Der DS zum Beispiel wirkt von innen mit seiner enormen Beinfreiheit und den flauschigen Polstern wie ein kleines Wohnzimmer. Einzige Schwäche des Franzosen: "Rost - wegen der vielen Hohlräume." Aber davon leben die Florys ja, und sie wollen die Werkstatt auch noch ein paar Jährchen weiter betreiben. Und wenn doch irgendwann der Ruhestand unabwendbar ist? "Dann suchen wir uns einen schönen Bauernhof. Mit einer großen Scheune. Für die Oldtimer natürlich", träumt Ulrich Flory. Und dann wird weiter geschraubt.

Quelle: RP
 
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