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Derendorf
Kunst in der Suppenküche

Derendorf: Kunst in der Suppenküche
Vier Männer und die Hälfte ihres gemeinsamen Werks: Gastronom Christian Dauser, Architekt Stephan Schneider, Künstler Martin Denker und Lichtplaner Ralf Schoofs (von links) vor drei der sechs Glaskunstwerke im neuen Teil der Suppenküche. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Derendorf. Ungewöhnliche Dekoration einer Gaststätte in Derendorf: Buntglasfenster mit Alltagsmotiven zieren die Wand - ein Kunstwerk, das viele Geschichten erzählt. Von Christian Herrendorf

Martin Denker erlebt einen seltenen Moment: Er entdeckt etwas in seinem Kunstwerk, das er nicht mit Absicht geschaffen hat. In einem seiner sechs Glasarbeiten für Dausers Suppenküche in Derendorf ist der Düsseldorfer Fußball-WM-Held Toni Turek zu sehen. Im Bild daneben, auf gleicher Höhe, fährt eine alte Straßenbahn, genau in Tureks Richtung.

Die Verbindung: Nach seiner Laufbahn als Fußballer hat Turek bei der Rheinbahn gearbeitet. Damit wächst die ohnehin schon schwer schätzbare Zahl der Zusammenhänge, Anspielungen und Anekdoten in dem Werk um noch eine. Das gefällt den Männern, die das Ganze entwickelt haben und die sich nur in einem Punkt nicht einig waren.

Am Anfang stand ein Dosendesign

Für Christian Dauser und den Künstler mit dem schönen Namen Denker ist es das dritte gemeinsame Projekt. Kennengelernt haben sich die beiden, als 2013 die gläserne Gaststätte auf dem Carlsplatz eröffnet wurde. Damals wollte Dauser dort zumindest eine Ecke für die Kunst haben und wählte dafür unter anderem eine Denker-Arbeit.

In den Gesprächen dieser Zeit hörte Denker viel über die Familiengeschichte der Dausers und schlug irgendwann vor, gemeinsam ein Design für die Dosen des Hauses zu entwickeln. Am Ende standen eine rote Banderole, ein Streifen wie in früheren Zeiten und passend zu jeder Sorte eine schicke Farbe. "Das ist eigentlich eine Überdosis Dose", sagt Denker.

Nun also die Erweiterung des Betriebs an der Ulmenstraße und Dausers Faible für Kirchenfenster. "Ich habe mal ein Restaurant in einer Kapelle gesehen, das war wunderschön", sagt der Geschäftsführer der dritten Generation. Auf die Frage "Wer könnte das machen?" folgte schon bald die Erkenntnis "Der Martin" - und der Punkt, an dem sich nicht mehr alle einig waren.

Kirchenfenster - eine kontroverse Idee

Denker mochte die Idee der Kirchenfenster sehr, auch wenn das bedeutete, dass er nicht wie sonst vor allem mit Fotos arbeiten konnte, sondern sich auf Piktogramme und Grafiken konzentrieren musste. Stephan Schneider von KS Architekten aber war gegen Kirchenfenster. Er wollte keinen sakralen Charakter erzeugen, lieber ein Bistro wie in den 1920ern.

Der Kompromiss: Die Fenster gehen nicht in die Wand, sondern kommen aus derselbigen, es entstehen sechs Lichtkästen, die vorne mit den bedruckten Scheiben und den Schweißnähten Kirchenfenstern ähneln, dahinter aber noch eine monochrome Ebene mit weiteren Motiven haben. Dort sind Jan Wellem, Heinrich Heine und die als Prominente prominent gewordene Kim Kardashian zu sehen.

Denker hat für seine neuen Collagen ein Hobby gepflegt. Er hat Bibliotheken umgegraben und sich durch die Stadtgeschichte geackert. Passend dazu finden Gäste und Betrachter nun Henkel, Muggel und Radschläger, Bilder aus der Nachkriegszeit, alte Bierdeckel und Gulaschkanonen. Verdeckt, versteckt und gerahmt werden diese Motive von den Grafiken, die offensichtlich von der Heimat der Glaskästen inspiriert sind.

Jede Zutat aus den Suppen taucht in den Bildern auf, Möhren, Lauch, Erbsen, Hopfen, Schinkenkeulen ziehen sich durch die sechs Bilder, ebenso wie die Denker-Dose und ihre Gestaltungselemente. Das Dauser-D ist dabei reichlich vertreten - dem Anfangsbuchstaben- und Namensinhaber zu oft, dem Künstler gerade oft genug. Er spielt mit dem D, als wäre das Logo eine Luxusmarke wie Chanel oder Louis Vuitton und das Zeichen eines Streetart-Künstlers.

Kim Kardashian hat Tomaten auf den Augen

Nichts von alledem (mit einer Ausnahme) hat seinen Platz im Bild zufällig. Alles ist miteinander verbunden und oft auch Teil eines Spiels. So hat Kim Kardashian, wenn der Betrachter eine bestimmte Position einnimmt, Tomaten auf den Augen, und in einem Herz taucht bei Ansicht aus dem richtigen Winkel das englische Wort für Scheidung auf.

So blieb zuletzt nur noch die Trennung der sechs Bilder, weil jeweils drei auf den beiden Wänden des Raumes hängen. Richtplaner Ralf Schoofs hat diese Teilung überwunden: mit einem Kronleuchter aus Suppendosen in der Mitte.

Quelle: RP
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