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Derendorf
Lernen kann man hier schon ganz gut

Derendorf. Die ersten Studenten nutzen den Campus der Hochschule in Derendorf. Nur das Umfeld müsste sich noch entwickeln, sagen sie. Von Torsten Thissen

Angelina Böning hat den Eintopf bestellt. Es ist ihr erster in der Mensa der Hochschule Düsseldorf, dort wo alles noch neu und schick ist, "ein bisschen kalt vielleicht", sagt sie, und meint damit nicht das Essen, eher den Beton, das Glas, die schneeweißen Designer-stühle und Tische, von denen noch einige in Folie eingepackt an einer der Sichtbetonsäulen stehen. Doch insgesamt kann sie sich gut vorstellen, dass in den kommenden Monaten das Leben auf den Campus kommt.

Sie ist im dritten Semester und es ist tatsächlich das erste Mal, dass sie die neuen Gebäude nutzt. Bibliotheksarbeit, sagt sie, lernen, mit einer Freundin treffen, alles sei praktisch, übersichtlich und freundlich. Besonders gut findet die 22-Jährige aber, wie der Ort an seine Geschichte erinnert. "Viele Stundenten haben sich bereits die Ausstellung im Untergeschoss der Bibliothek angesehen. Ich finde es gut, dass hier an die Transporte der Menschen in die Konzentrationslager erinnert wird", sagt sie.

Die Hochschule und der Stadtteil drumherum müssten allerdings noch zueinanderfinden. "Im Moment ist das Angebot für Studenten noch zu klein", sagt sie.

Und tatsächlich: Auf der Münsterstraße fehlt noch das typisch studentische Flair. Stattdessen herrscht in unmittelbarer Nachbarschaft noch ziemliche Tristesse. Bäckereien, Handy- und ein Secondhandladen. Und ein Kiosk, der den "Campus" immerhin schon im Namen trägt.

Ein Laden allerdings ist für studentisches Publikum gemacht. Die Australierin Alex Greentree versucht mit "Superfoods" bei gesundheitsbewussten, jungen Menschen zu punkten und offenbar gelingt ihr das auch. Deutlich mehr Besucher kommen in ihren Laden, sagt sie. Und hofft auf mehr, wenn denn alle Fachbereiche auf 100 Prozent laufen. Der Standort, direkt gegenüber dem Haupteingang der Hochschule auf der Münsterstraße sei ideal, fügt sie hinzu. Und so sitzt denn auch eine Gruppe junger Frauen bei Müsli und kalt gepresstem Fruchtsaft da, zwei Männer kommen herein, die allerdings nur Kaffee bestellen: Joel Aissa lernt in der Bibliothek der Hochschule für seine Prüfung als Facharzt. Mit dem Studium ist er schon lange fertig, doch findet der 31-Jährige, der in Derendorf wohnt, gute Bedingungen zum Lernen vor. "Ideal", nennt er die Atmosphäre in der Bibliothek. Allerdings sei der Campus immer noch "ein bisschen ein Fremdkörper" im Stadtteil, fügt er hinzu. Als Derendorfer setzt er auf das Ende der Bauarbeiten hinter dem Campus.

Auch für Sebastian Dobritzsch fehlt in unmittelbarer Nähe noch das Studentenflair. Allerdings müsse man sowohl Hochschule als auch dem Stadtteil Zeit lassen, von heute auf morgen gehe das einfach nicht, sagt er. Die Räumlichkeiten findet er gelungen. Im Moment sei alles ja auch sehr komfortabel, so kann man etwa von der Toulouser Allee aus einfach ins Parkhaus fahren, was noch nicht einmal etwas kostet.

Für Melanie Smetten ein "echter Gewinn". Die Studentin pendelt von Wuppertal, wo sie mit ihrem Freund lebt, nach Düsseldorf. Natürlich sei der neue Campus eine Umstellung, aber der alte Standort sei am Ende dann "doch ziemlich vergammelt", sagt sie. Allerdings würden manche ihn auch vermissen. "Die früher nah wohnten, haben jetzt einen ziemlich weiten Weg."

Quelle: RP
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