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Pilotversuch für Busfahrgäste
Münsterstraße wird in Düsseldorf zum Nadelöhr

Pilotversuch für Busfahrgäste: Münsterstraße wird in Düsseldorf zum Nadelöhr
Die Haltestelle am S-Bahnhof Derendorf soll ungefährlicher werden. Dafür nimmt die Stadt auch mehr Staus in Kauf. Der Feldversuch soll im Sommer starten, die rechte Spur auf der Münsterstraße wird dann an dieser Stelle mit Pollern gesperrt. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Derendorf. Ein Pilotversuch in Derendorf soll das Ein- und Aussteigen in die Straßenbahnen der 701 weniger gefährlich und die Linie schneller machen. Dafür wird dem Autoverkehr eine Spur genommen. Droht nun ein Dauerstau? Von Torsten Thissen

Dass sich an der Haltestelle der Linie 701 am Derendorfer S-Bahnhof etwas verbessern muss, darin sind sich wohl alle einig. Über den Weg dahin allerdings streiten nicht nur die Stadtteilpolitiker in der BV 1. Im Sommer startet die Stadt deshalb einen Versuch, um das Ein- und Aussteigen für die Fahrgäste weniger gefährlich zu machen und gleichzeitig den Bahnverkehr besser fließen zu lassen.

So soll an der Haltestelle der Bordstein an die Gleise verschoben werden. Die Münsterstraße soll stadteinwärts dann ein- statt wie bisher zweispurig werden. Für die Busse soll vor und auf Höhe der Bahn-Haltestelle jeweils ein Haltepunkt eingerichtet werden. Vor der Haltestelle soll die Spur für Autos gesperrt sein, eine Schraffierung darauf hinweisen.

Schon jetzt ist die Münsterstraße oft dicht und für viele Autofahrer ein Hindernis vor allem im Berufsverkehr. Die Münsterstraße wird an dieser Stelle stadteinwärts in Stoßzeiten von etwa 900 Autos und Lkws pro Stunde befahren, hinzu kommen sechs Straßenbahnen und 19 Busse in der Stunde. Viele der Autofahrer, die vom Mörsenbroicher Ei kommen, nutzen die Münsterstraße an dieser Stelle als Weg in die Innenstadt. Vor allem für Pendler könnte die Haltestelle am S-Bahnhof zum Nadelöhr werden.

Eine Gefahr, die auch von den Stadtteilpolitikern und der Verwaltung gesehen wird. Dennoch begrüßt Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner die Maßnahme: "Ich halte den Versuch für absolut richtig. Es kann ja nicht sein, dass die Fahrgäste einem ständigen Sicherheitsrisiko ausgesetzt sind." Wenn tatsächlich ein "Verkehrsinfarkt" drohe, "muss man sich halt was überlegen", sagt Spillner, doch es gehe darum, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, "auch wenn das für die Autofahrer Unannehmlichkeiten mit sich bringt".

Die Verschiebung des Bordsteins soll zunächst nur provisorisch mit einer gelben Markierung und Pollern erfolgen. "Für eine langfristige Lösung sind die Erfahrungen aus der Testphase sowie die Belange des Radverkehrs zu berücksichtigen", heißt es in der Informationsvorlage für die BV 1, die heute um 14 Uhr tagt. In der Sitzung soll das Amt für Verkehrsmanagement den Stadtteilpolitikern die Maßnahme erläutern. Auch in der Vorlage der Verwaltung ist von einer "deutlichen Einschränkung der Kapazität der Münsterstraße" die Rede.

Etwa 200 Autos pro Stunde müssten auf alternative Routen verlagert werden, heißt es hier. In Frage komme besonders die Toulouser Allee, die über die Heinrich-Erhardt-Straße erschlossen wird. Im Vorfeld der Maßnahme sollen die Autofahrer durch Medien und Anzeigetafeln auf das neue Nadelöhr in Derendorf hingewiesen werden.

Für André Simon von der CDU ist der Versuch eher ideologisch motiviert. Er befürchtet einen Verkehrsinfarkt und ist sich sicher: "Hier sollen Verkehrsmittel wieder gegeneinander ausgespielt werden. Stehende Verkehre bringen der Ökobilanz von Düsseldorf auch nichts", fügt der CDU-Mann hinzu.

Er bezweifelt, dass die Autofahrer die Toulouser Allee nutzen werden. Hingegen seien Staus programmiert.

Quelle: RP
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