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Düsseltal
Der Schauspieler von der FDP

Düsseltal. Ulf Montanus spielt in der Lindenstraße, verkauft Uhren beim Homeshopping-Kanal und ist Auktionator. Außerdem ist er der FDP-Mann im Stadtbezirk 2. Manche finden die Kombination seltsam. Von Torsten Thissen

Ulf Montanus macht nicht, was er soll. Zum Beispiel einfach mal drauflos zu quatschen, ohne Filter sagen, was er denkt. Manche Leute machen das ja auf Spaziergängen. Wir sind im Zooviertel unterwegs, der Zoopark liegt direkt vor seiner Haustür. Der Park ist ja nicht so groß, und besonders schön ist er eigentlich auch nicht. Noch nicht. Dabei ist der Park als Naherholungsgebiet sehr beliebt. Montanus sagt, dass er sich gut eine Laufstrecke hier vorstellen kann, dass er begeistert ist von einer Nachbarschaftsinitiative, die den Pavillon als Familienzentrum nutzen will. Er lebt gern in Düsseldorf, er ist hier geboren.

Aber Montanus ist auch vorsichtig, will sich ungern festlegen. Wenn er etwa über die Düsseldorfer FDP spricht, über Gisela Piltz und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, dann wird er einsilbig und sucht nach Worten, die dem Ego der beiden starken Frauen gerecht werden. Obwohl er weiß, dass dies kaum möglich ist. Er sagt, dass in der FDP die Zeit des Wundenleckens vorbei sei, er lobt den neuen Auftritt seiner Partei und den Vorsitzenden, er übt sich in Glattheit.

Kraftworte, große Auftritte, einen Streit vom Zaun brechen, das alles ist nicht die Welt von Ulf Montanus. Der Mann neigt nicht zu Inszenierungen, was umso bemerkenswerter ist, weil sein Beruf etwas anderes vermuten lässt.

Montanus ist Schauspieler. Zahlreich sind seine Rollen, besonders in Fernsehproduktionen: "Lindenstraße", "Die Anrheiner" und "Natalie - Das Leben nach dem Babystrich". Montanus war auch schon als Auktionator tätig, Teppiche zum Beispiel hat er versteigert, und er hat ziemlich viel im Fernsehen verkauft, darunter Uhren, "die mir sehr gefallen haben", wie er sagt. Man könnte nun meinen, dass Montanus fast alles macht, mit dem sich in seiner Branche eben Geld verdienen lässt. Die Frage ist nur, wie man das interpretiert. Montanus weiß, dass die meisten seiner Kollegen, selbst die, die schon mal in größeren Fernsehproduktionen zu sehen sind, am Existenzminimum leben. Weil er das nicht will, dreht er etwa Filme für Firmen. Er mimt in einem Schulungsfilm einen Gabelstapelfahrer, der gegen Sicherheitsvorschriften verstößt. Einen Oscar gibt es dafür bestimmt nicht, aber gutes Geld. Montanus ist kein Idealist, er ist Pragmatiker.

Für die Politik sind das nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Dabei wählt er nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Schauspielerei etwa ist bei ihm Leidenschaft, er liebt seinen Beruf.

Sein Vater, Mitglied im Vorstand eines Industriekonzerns, war gegen seine Berufswahl. Über Jahre hatte er Riesenkrach mit ihm, wurde gegängelt, "es war schwierig zwischen uns", sagt Montanus, der in St. Gallen sein Abitur machte, dessen Weg in die Wirtschaft vorgezeichnet zu sein schien. Irgend wann fand sich der Vater damit ab, dass der Sohn Schauspieler werden wollte. Montanus setzte sich durch, indem er überzeugte, argumentierte, er bohrte ein dickes Brett. In der Politik macht er es genauso. Dabei laufe ja in Düsseldorf vieles gut, auch die neuen Machtverhältnisse sowie der OB Thomas Geisel sind nach seinem Geschmack, sagt er. Die Unterbringung der Flüchtlinge sieht er als großes Problem an. "Doch wir werden das schaffen", sagt er.

Quelle: RP
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