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Düsseltal
Die Mundart-Botschafterin

Düsseltal. Monika Voss ist die bekannteste Vertreterin des Düsseldorfer Dialekts. Ihre Großmutter hat ihre Begeisterung geweckt. Von Jan Wiefels

Wenn Eltern Dinge verbieten, dann macht es sie für Kinder umso interessanter. Auch Monika Voss ging es in ihrer Jugend nicht anders. Die bekannteste Mundart-Autorin Düsseldorfs durfte früher zu Hause kein Platt sprechen. Es sei zu schlicht, hörte sie damals von ihrer Mutter. Monika Voss' Großmutter sah das ganz anders. Ihre Oma sprach ständig Platt. Ob andere das nun als kaum bürgerlich empfanden oder nicht, interessierte sie wenig.

Für die Geschichte der Düsseldorfer Mundart war die Resolutheit ihrer "Omma selich" ein Glücksfall. Denn ohne sie hätte Monika Voss wohl nie Platt gelernt, hätte nicht die Bücher und Kolumnen schreiben können, die dazu beitragen, dass der Dialekt lebendig bleibt. Denn die Zahl der Mundart-Sprecher nimmt immer weiter ab. Abseits von Redewendungen und einzelnen Worten gibt es kaum jüngere Menschen, die sich auf Platt verständigen können. Der Dialekt, der für viele ein Stück Heimat ist, läuft Gefahr, zu verschwinden.

Monika Voss möchte dazu beitragen, diesen Prozess zumindest zu verlangsamen. "Mundart ist ein altes Kulturgut, das erhalten bleiben muss", sagt sie. Viele Dinge könne man auf Platt besser ausdrücken als auf Hochdeutsch. Gefühle zum Beispiel ließen sich auf Mundart einfach bildhafter artikulieren. Auch könne man auf Platt schimpfen, ohne Gefahr zu laufen, dass einem sein Gegenüber wirklich sauer ist. Neben Wut ließe sich auch die gegensätzliche Gefühlswelt auf Platt bestens ausdrücken. Lange habe sie zum Beispiel darüber nachgedacht, wie man am besten Heines Begriff der "Liebestrunkenheit" ins Platt übertragen könne. Sie brachte es schließlich auf folgende Formulierung: "Mi Hezz mäkt mech raderkastedoll" - auch als nicht Platt-Sprecher glaubt man zu erahnen, dass damit ein sehr positiver Gefühlszustand umschrieben wird.

Erst vergleichsweise spät hat Monika Voss, die 1942 in Düsseldorf geboren wurde und die Stadt nur für das Studium verlassen hat, ihr erstes Mundart-Buch veröffentlicht. 1997 erschien "Düsseldorwer Dönekes" - damals arbeitete sie noch als Grundschullehrerin. Die Idee hatte sie selbst entwickelt und dem Droste-Verlag vorgeschlagen. Im selben Jahr begann sie damit, für unsere Zeitung die Kolumne "Onger ons jesaht" zu schreiben, die immer samstags erscheint. Darin greift sie auf Platt Alltagsbeobachtungen auf oder spitzt jüngste Ereignisse zu. "Die Themen dafür liegen auf der Straße", sagt Monika Voss. Seit es die Kolumne gibt, verfolge sie viel aufmerksamer, was um sie herum geschieht. Manchmal, und auch das sei das Schöne an Platt, reiche es, die Beobachtungen einfach auf Mundart aufzuschreiben, um ihnen einen gewissen Witz zu geben.

Neben der Prägung durch ihre Großmutter haben auch Texte von Autoren wie Hans Müller-Schlösser und des früheren RP-Redakteurs Heinz Schweden dazu beigetragen, dass sie sich intensiv mit Platt auseinandersetzte, und begann, Bücher zu schreiben. Die Kinder in der Paul-Klee-Schule in der Stadtmitte, wo sie viele Jahre unterrichtet hat, hat sie Gedichte und Lieder auswendig lernen lassen. "Den Kindern hat das sehr viel Spaß gemacht", sagt Monika Voss. Und das, obwohl viele Schüler mit Migrationshintergrund dabei gewesen seien, die zuvor keine Berührungspunkte mit Platt hatten. Obwohl sie 2005 aus dem Schuldienst ausgeschieden ist, bringt sie weiterhin Kindern Platt bei. Einmal pro Woche besucht sie die Max-Schule in der Carlstadt, um mit den Kindern Martins- und Weihnachtslieder einzuüben.

Der Kontakt mit Schülern, die sie früher unterrichtet hat, sei oft herzlich, aber im Bezug auf die Platt-Kenntnisse auch ernüchternd, weil diese auf der weiterführenden Schule schnell vergessen wurden. In dieser Hinsicht unterscheide sich Platt nicht von anderen Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch: Man muss sie anwenden, wenn man sie nicht verlernen möchte.

Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Mundart-Sprecher immer geringer wird, macht sie sich keine Illusionen über die Zukunft der Düsseldorfer Sprechweise. "Ich glaube leider nicht, dass Mundart eine Überlebenschance hat", sagt sie. Für realistisch hält Monika Voss, dass sie sich die Mundart zu einem so genannten Regiolekt entwickelt. Also eine Sprechweise, die um Begriffe der Mundart angereichert ist, aber ohne komplexere Strukturen auskommt und weniger deutlich zu verorten ist.

Trotz negativer Vorzeichen ist die Düsseldorfer Mundart immer noch lebendig. Außer Monika Voss gibt es andere Autoren, die sich für den Bestand des Dialekts einsetzen, wie zum Beispiel Heinrich Spohr. Oder die Adventliche Feier der Heimat- und Karnevalsvereine am dritten Advent in der Maxkirche, die von Engelbert Oxenfort gestaltet wird. Und auch wenn es eher die ältere Generation jenseits der 60 ist, die Mundart beherrscht, gibt es auch junge Sprecher. Das wohl bekannteste Beispiel ist Jana Lehne. Die Elfjährige verkörpert den Kinder-Hoppeditz - und hält ihre Rede auf Mundart.

Quelle: RP
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