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Kanadagänse im Zoopark
Düsseldorf will lieber abwarten statt abschießen

Kanadagänse im Zoopark: Düsseldorf will lieber abwarten statt abschießen
Die Population der Kanadagänse in der Stadt hat sich in den vergangenen acht Jahren auf 1400 Tiere verdoppelt. In vielen Parks werden sie als Problem wahrgenommen. FOTO: ANDREAS BRETZ
Düsseltal. Die Gänse im Zoopark nerven viele Bürger - und die meisten hätten nichts dagegen, sie zu töten. Politik und Verwaltung wollen das aber nicht. Stattdessen sollen sanfte Lösungen her. Doch welche wirklich wirken - darüber wird gestritten. Von Paul Nachtwey und Torsten Thissen

Beliebt machen sich die Gänse im Zoopark wirklich nicht. Mit ihrem Kot verdrecken sie die Wege und Wiesen, viele Bürger fühlen sich dort nicht mehr wohl. Da wundert es nicht, dass sich das Mitleid für die Vögel in Grenzen hält und inzwischen auch radikalere Lösungen des Problems diskutiert werden: Die Bürger, die im vergangenen Monat bei unserer Mobilen Redaktion im Zoopark über das Thema sprachen, waren sich einig. Jeder plädierte entweder für den sofortigen Abschuss der Tiere oder sprach sich dafür aus, falls andere Maßnahmen nicht greifen. Eine Idee, der Umweltdezernentin Helga Stulgies im Stadtrat inzwischen jedoch eine Absage erteilt hat.

Auch die Bezirksvertretung 2 (BV 2) beschäftigte sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dem Thema. Die Fraktionen CDU, FDP, Grüne und SPD hatten Anträge zu den Zoopark-Gänsen eingebracht. Kein einziger Bezirksvertreter sprach sich für einen Abschuss der Vögel aus. Sie baten vorerst nur die Verwaltung um konkretere Informationen und brachten weniger radikale Methoden ins Gespräch.

Die FDP schlug vor, Verbotsschilder bezüglich der Fütterung von Gänsen und Enten aufzustellen. "Die Vögel haben im Zoopark ein paradiesisches Leben", sagte Ulf Montanus von der FDP. Die Schilder seien ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vertreter von Grüne und SPD sahen das anders: Sie stellten die Annahme in Frage, dass die Fütterung der Gänse tatsächlich ausschlaggebend für das Problem ist und verhinderten den Antrag mit ihren Stimmen.

Die Vertreter aller Parteien sprachen sich grundsätzlich dafür aus, auf konkrete Informationen der Verwaltung zu warten. Die CDU bat die Ämter in ihrer Anfrage um Informationen, "ob und mit welchen Maßnahmen" sie gegen die starke Verkotung des Parks vorgehen wolle.

SPD und Grüne einigten sich auf einen ausführlicheren Antrag. Sie forderten eine umfangreiche Berichterstattung des Gartenamtes bei der nächsten Sitzung der BV 2. Die Fachleute werden im Antrag gebeten, alle Möglichkeiten vorzustellen, wie gegen die Kanadagänse vorgegangen werden könnte. Dabei sollten auch die Erfahrungen anderer Kommunen einbezogen werden. Beauftragt wurde die Verwaltung außerdem, mit Vertretern der Umwelt-, Tierschutz- und Jagdverbände über den Umgang mit den Tieren zu sprechen. Ziel der Bezirksvertreter sei es, "rechtzeitig zur kommenden Brutsaison im Frühjahr ein klares und wirkungsvolles Konzept zu vereinbaren".

Bezirksbürgermeister Uwe Wagner warte nun auf die Berichterstattung der Verwaltung. Explizit sprach er bei der jüngsten Sitzung optische und akustische Systeme an, die die Gänse durch Laserstrahlen und Warnrufe abschrecken sollen. Auch Wagner hatte im vergangenen Monat die Mobile Redaktion der Rheinischen Post besucht und über die Probleme mit den Tieren diskutiert. Am Dienstag war er der einzige Sitzungsteilnehmer, der den Abschuss der Gänse überhaupt ansprach. Doch auch er sehe darin vorerst keine Lösung. Die Gänse seien mobil, erklärte er. Auch nach dem Abschuss einiger Tiere könnten andere Artgenossen zurück kommen.

Das Gartenamt will durch sanfte Maßnahmen dafür sorgen, dass weniger Vögel die Parkanlagen in der Stadt aufsuchen. Darunter fallen Pflanzungen von proteinarmen Gräsern, Hecken in Uferbereichen und die Ansiedlung von Schwänen, die den Gänsen den Lebensraum streitig machen. Seit Jahren bemüht man sich so um eine Verringerung des Bestandes. Das Ergebnis: Laut Messungen des Gartenamts hat sich die Population der Kanadagänse in der Stadt in den vergangenen acht Jahren auf 1400 Tiere verdoppelt.

Die Nutzer des Zooparks sehen die Bemühungen mit Skepsis. Sie warfen bei der Mobilen Redaktion der Verwaltung Untätigkeit und mangelndes Problembewusstsein vor. "Der Zoopark ist eine Parkanlage, keine Gänsefarm. Deswegen bin ich für schnelle, wirkungsvolle Lösungen", sagt etwa Barbara Petrus.

Carolyn Eickelkamp erinnerte in einer Mail an unsere Redaktion an die Umgestaltung des Zooparks und an den Enthusiasmus der Bürger. Auch damals seien die Gänse schon Thema gewesen: "Lösungen für deren Dezimierungen hatte das Gartenamt damals nicht. Und viele der anwesenden Bürger prophezeiten, dass die Gänse auf jeden Fall vieles zerstören werden. Und dass dafür eine Lösung gefunden werden muss." Sie plädiert weiter für einen Abschuss. "Nur Mut, liebes Gartenamt und liebe Bezirksvertretung 2. Ich bin sehr sicher, dass mindestens 80 Prozent der Anwohner und Besucher des Zoo-Parks Ihnen sehr dankbar sein werden."

Quelle: RP
 
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