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Düsseltal
Jeden Abend gibt es ein Küsschen

Düsseltal. Die Düsseltaler Helene und Walter Gerstenberger sind seit 65 Jahren verheiratet. Wer, wenn nicht sie, könnten beantworten, was das Geheimnis einer langen Ehe ist. Ein Besuch in ihrer Küche. Von Lisa Kreuzmann

Mit der Frage, was denn das Rezept für eine Liebe fürs Leben sei, können Helene und Walter Gerstenberger erst einmal nicht viel anfangen. Helene Gerstenberger kocht erst einmal Kaffee. Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum die beiden seit 65 Jahren immer noch glücklich verheiratet sind: Sie hinterfragen die Liebe nicht.

Das Düsseltaler Ehepaar hat Ende Mai "Eiserne Hochzeit" gefeiert. Ein Jubiläum, ja, aber so etwas Besonderes sei das doch nicht. Dabei war die Liebe durchaus nicht frei von Widerständen. "Meine Mutter war dagegen", erzählt Helene Gerstenberger. Die Mutter war der Meinung, die Tochter könne auch einen stattlicheren Mann für sich gewinnen. Der junge Walter, der aus Thüringen nach Düsseldorf eingewandert war, war der Mutter zu klein. Helene Gerstenberger hat sich aber nicht abhalten lassen, Walter 1952 zu heiraten und auch nicht davon, hohe Absätze zu tragen.

Ihren Walter hat's gefreut: "Schuhe und Wäsche waren mir immer sehr wichtig", sagt der 87-Jährige. Vielleicht ist auch das Teil des Geheimnisses. Das Düsseltaler Paar hat sich 1948 bei der Arbeit kennengelernt. Walter Gerstenberger hat als Monteur in der Brauerei Schwaben Bräu gearbeitet, Helene Gerstenberger hat am Fließband Flaschen befüllt. "Die Frauen hatten den Frühstücksraum neben uns", erzählt Walter Gerstenberger. Da hat man sich öfter gesehen. Wie die Annäherung dann genau ablief, daran können sich die beiden Verliebten nicht mehr genau erinnern. Denn, dass sie noch verliebt sind, das steht fest. "Oh ja - die Liebe bleibt gleich", sagt Walter Gerstenberger. Man müsse sich nur aufeinander einlassen und auch mal nachgeben können, sagt der 87-Jährige. Nichts schade einer Beziehung so sehr, wie zwei Dickköpfe, die auf ihrer Sicht der Dinge beharren, sagt der Düsseltaler. "Jeder braucht etwas anderes, und wenn man sich danach richtet, klappt das."

Rosig sei die Ehe nicht immer gewesen, erzählen die Gerstenbergers. Die ersten gemeinsamen Jahre haben sie in einer Hütte in einem Schrebergarten in Flingern gewohnt. "Alles andere war ja kaputt", sagt Walter Gerstenberger. Die Hütte habe er selbst gebaut. "Wir haben mit unseren drei Kindern in einem Zimmer gewohnt", erinnert sich Helene Gerstenberger. Das habe natürlich zu Reibereien geführt.

Und auch der Umzug in die erste gemeinsame Wohnung in Düsseltal sei für die 84-Jährige nicht einfach gewesen. Denn den musste sie größtenteils alleine bewältigen. Ihr Mann, der als Bauarbeiter im Nachkriegsdeutschland viel beschäftigt war, war zu der Zeit auf Montage, Helene Gerstenberger mit den drei Kindern Peter, Erika und Gabriele allein. Heute streiten sich die beiden höchstens noch über die Frage, was es denn zum Essen geben soll. Meistens setzt sich Helene Gerstenberger durch. Ihr Mann gesteht es ihr zu. "Je älter man wird, desto sensibler wird man", sagt der Düsseltaler. "Man wird dann wieder wie ein kleines Kind, man braucht Zuspruch." Jeden Abend und jeden Morgen gebe es daher ein Küsschen. "Und bis wir einschlafen, halten wir Händchen", ergänzt seine Frau.

Jeden Abend gingen sie zufrieden ins Bett. Auch das ist vielleicht ein Geheimnis ihrer langen Bindung: ihre Bescheidenheit. Große Träume und Wünsche hätten sie nicht gehabt. Einmal, es war im Sommer 1966, habe die ganze Familie drei Wochen Urlaub in Norwegen gemacht. Das sei schön gewesen. Die gemeinsame Zeit ist schnell vorübergegangen, sagen die beiden. Heute haben sie fünf Enkel und ein Urenkelkind. Die beste Bilanz, die sie zur "Eisernen Hochzeit" ziehen können.

Quelle: RP
 
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