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Düsseltal
Mein Freund, der Nadelbaum

Düsseltal: Mein Freund, der Nadelbaum
Kinder der Paulusschule schmücken die Zeder im Zoopark mit nachhaltigem Weihnachtsschmuck. FOTO: Torsten Thissen
Düsseltal. Wie die Baumschutzgruppe Düsseldorf versucht, das saisonale Aufstellen von Weihnachtsbäumen zu verhindern. Von Torsten Thissen

Andrea Vogelgesang von der Baumschutzgruppe Düsseldorf ist ein bisschen aufgeregt, was ja durchaus nachvollziehbar ist, denn zwei Jahre hat sie auf diesen Tag hingearbeitet. Eben einen lebenden Baum zu bekommen, den sie als Weihnachtsbaum umgestalten darf. Eigentlich sollte es ja die Eibe am Brehmplatz werden, doch aus irgendwelchen Gründen ist es dann doch die Zeder geworden, die ein wenig versteckt hinter dem Eisstadion steht. Ein schöner Baum, keine Frage, ein stattlicher Weihnachtsbaum, für den die Kinder der Paulusschule auch Schmuck gebastelt haben: Kugeln, Sterne und Engel aus Plastikbechern, Joghurtdeckel, die sie angemalt haben, Wachsreste, die sie zu neuen Figuren formten, nachhaltiger Schmuck aus Müll. Die Kinder schmücken also fleißig, da kommt Frau Vogelgesang zum eigentlichen Thema und regt sich schon sehr über jenen "abgehackten Baum" auf, der auf dem Brehmplatz steht und bereits weihnachtlich leuchtet. "Das hat das Gartenamt gemacht", sagt Bezirksbürgermeister Uwe Wagner, er jedenfalls war es nicht, und auch Bezirksverwaltungsstellenleiter Gerhard Aschendorf weiß nichts Genaues. "Das ist ja schon eine Schande", sagt Frau Vogelgesang, das wolle man ja gerade nicht mehr, tote Bäume, die ein paar Wochen leuchten und dann auf den Müll geschmissen werden. Der Weihnachtsbaum ist ein Affront, sein "ökologischer Fußabdruck" katastrophal und Norwegen habe eh schon keine großen Tannen mehr. Wegen Weihnachten. Naturschützerin Tanja Nefferdorf-Janßen gehört zwar nicht zur Baumschutzgruppe, doch für sie sind Bäume eben Lebewesen, wie Tiere und am liebsten würde sie Schutzzonen für Bäume einrichten. Einen Weihnachtsbaum hat sie "natürlich nicht". Die Baumschutzgruppe will den Leuten aber nicht den privaten Weihnachtsbaum verbieten, nur diese großen Bäume, von denen es in Düsseldorf mindesten 50 Stück gibt, die sollten weg.

"Man kann ja auch einen mit Ballen kaufen", sagt Anja Cargill, die mit ihrem Sohn Sam zum Schmücken gekommen ist. Sie hat da schon mal drüber nachgedacht, doch den muss man ja nachher auch irgendwo einpflanzen können, einen Garten haben die Cargills nicht. Eine andere Mutter meint, dass sie schon darüber nachdenke, den Weihnachtsbaum abzuschaffen, doch irgendwie gehört er ja auch dazu.

Eigentlich sollten jetzt Spieler der DEG kommen, um die Baumschutzgruppe zu unterstützen, doch die kommen dann doch nicht. Aber Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke ist gekommen. Sie freut sich über den schönen Schmuck, den schönen Baum und über die Kinder, die nun fertig sind mit Schmücken und ein Lied singen sollen. Zunächst aber erzählt ihnen Frau Vogelgesang etwas über Nachhaltigkeit, ein Begriff, der nicht neu ist, sondern bereits vor rund zweihundert Jahren von einem Förster verwendet wurde, der auch nicht wollte, dass man alle seine Bäume abhackt und somit den Wald zerstört. Doch jetzt singen die Kinder zur Melodie von "Wie schön, dass du geboren bist": "Viele Nadelbäume fallen jedes Jahr, aufgestellt in Städten, geschmückt so wunderbar, sie glitzern und sie leuchten für uns zur Weihnachtszeit, dann liegen sie am Straßenrand, was bleibt, ist Traurigkeit." Birgid Maren Vogel, Baumschützerin der ersten Stunde, seit vor zehn Jahren vor ihrem Haus ein Baum einer Kettensäge zum Opfer fiel, trägt zwei selbst geschriebene Gedichte vor.

Den Kindern ist ein bisschen kalt geworden, auch Bürgermeisterin Zepuntke hat noch einen anderen Termin und verabschiedet sich. Allerdings leuchtet der Baum noch nicht, was daran liegt, dass die Stromversorgung der Lichterkette von der Straßenbeleuchtung kommt. Und noch ist es nicht dunkel genug. "Es funktioniert eben erst, wenn die Lampen angehen", sagt ein Mitglied der Gruppe. "Die Erleuchtung der Zeder war jedenfalls eine sehr gelungene Veranstaltung", sagt Frau Vogelgesang.

Quelle: RP
 
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