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Küchenstudio mit Tradition
70 Jahre Walgenbach in Eller

Küchenstudio mit Tradition: 70 Jahre Walgenbach in Eller
Matthias Walgenbach, Willi Walgenbach und Elmar Fedderke sind die drei Geschäftsführer des Küchenstudios in Eller. FOTO: hans-jürgen bauer
Düsseldorf. Willi Walgenbach trug noch Windeln, als seine Eltern das Geschäft an der Gumbertstraße 174 in Eller eröffneten. 70 Jahre ist das jetzt her, ganz genau. Und das Küchenstudio will investieren, damit es seine Geschichte fortschreiben kann. Von Nicole Scharfetter

Damals, nach dem Krieg, sei es ums Handeln gegangen, erzählt Walgenbach. Ständig war Vater Willi auf der Suche nach Dingen, die er im Laden verkaufen konnte. "Gebraucht haben die Menschen alles, das Geschäft lief sehr gut", erzählt der heutige Senior-Chef des Familienunternehmens. Meistens tauschte der Vater Kupfer ein, das er in Lüdenscheid holte. Dafür bekam er Kohleöfen und Eisenwaren, Kaffeekannen oder Henkelmänner - die Tupperdosen der Vergangenheit. "Mein Vater war gut vernetzt", sagt Walgenbach.

Marga Walgenbach verkaufte nach dem Krieg Henkelmänner. FOTO: Walgenbach

Die Familie Walgenbach hat es geschafft, auch 70 Jahre nach der Eröffnung noch zu existieren. Und mehr noch: gut zu funktionieren. "70 Jahre, das gibt es kaum noch", sagt Elmar Fedderke, Willi Walgenbachs Schwiegersohn, der in das Unternehmen eingestiegen ist. Im Studium verdiente sich Fedderke ein bisschen Geld bei den Walgenbachs, kam über seinen Freund und Geschäftsführersohn Matthias Walgenbach an den Aushilfsjob. "Und so habe ich auch meine Frau kennengelernt", sagt Fedderke, der heute ebenfalls Geschäftsführer ist.

Mit wechselndem Sortiment durch die Jahrzehnte

Es ist nicht einfach, zu bestehen, vor allem durch die Konkurrenz im Internet. "Ich verschließe mich nicht vor Amazon", sagt Fedderke. Nur sollten sich die Düsseldorfer überlegen, dass Stadtteile erst durch inhabergeführte Geschäfte lebendig sind und am Leben bleiben. "Wir müssen ein Umdenken hinbekommen, sonst nimmt die Attraktivität in den Bezirken ab", warnt er. Das Problem: "Der Kunde glaubt, im Internet gibt es immer alles billiger."

Aber auch der Handel selbst muss umdenken, nicht nur auf Traditionelles setzen. Auch wenn ein Familienbetrieb wie Walgenbach eine lange Tradition hat. Immer wieder hat das Geschäft, das 1954 an die Gumbertstraße 156 zog, das Sortiment gewechselt. Angefangen hatten die Gründer Marga und Willi Walgenbach mit allem, was sie in die Finger bekamen und zu Geld machen konnten. Irgendwann hatten die Kohleöfen ausgedient, "dann gab es die klassische weiße Ware bei uns", sagt Elmar Fedderke. Später verkaufte Willi Walgenbach Gartenmöbel, die er auf der Dachterrasse ausstellte. "Und wehe es hat geregnet", sagt er.

Mit einem VW-Bulli wurden auch Einkäufe nach Hause geliefert. Mit Service wollen die Nachfahren auch heute noch punkten. FOTO: Walgenbach

Fachleute fürs Planen von Küchen

In den 70ern schließlich kamen die Küchen dazu, die berühmte Eiche rustikal. Um die Jahrtausendwende wurde das gute Porzellan aus den Verkaufsregalen genommen. Früher fuhren die Leute weite Strecken für Teller, Tassen und Kännchen von Meißner. "Im strukturschwachen Eller konnten wir Porzellan aber nicht mehr verkaufen", sagt Fedderke. Zuletzt mussten die Töpfe weichen, "die gibt es im Internet zu scheinbar günstigeren Preisen", sagt der Walgenbach-Schwiegersohn.

Welcher Händler dahintersteckt und ob Versandgebühren anfallen, das würden die Kunden nur selten hinterfragen. Eine Küche planen ohne professionellen Ansprechpartner funktioniere aber nicht. "Deswegen konzentrieren wir uns auf diesen Bereich", sagt Fedderke. Der Slogan ist geblieben: "Bei uns gibt es eben alles für Haus und Küche."

Nicht nur das Sortiment wurde verändert, auch der Standort ist nicht mehr, wie er 1946 einmal war. "Alle fünf Jahre haben wir angebaut, immer zehn Meter etwa", erzählt Willi Walgenbach. Und irgendwann war die ganze Ecke zu. 1984 eröffnete er in der Innenstadt ein Geschäft, in dem nur Küchen verkauft wurden, 2008 gab Walgenbach den Standort an der Uhlandstraße auf. "Jetzt betreiben wir Direkt-Märkte in Lierenfeld und Hassels", sagt Matthias Walgenbach.

"Jeder hat so seine Schwierigkeiten", sagt Elmar Fedderke. "Aber wir investieren." Und wichtiger noch: "Wir versuchen, jeden Tag die Menschen zu motivieren, die für und mit uns arbeiten", fügt der Senior-Chef hinzu.

Quelle: RP
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