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Eller
Das wurde aus den Helfern von Eller

Eller. Der Kreis der Ehrenamtler von Eller überstieg zeitweise sogar die Anzahl der in den Zelten lebenden Flüchtlinge. Im November wurden diese dann in feste Unterkünfte verlegt. Viele der Helfer machen trotzdem weiter. Von Hanna Gerwig

Es gibt Orte, die sind besser als ihr Ruf. Auf keinen Düsseldorfer Stadtteil trifft diese Aussage so sehr zu, wie auf das gern unterschätzte Eller. Sprüche wie "hier stirbste schneller" bilden da nur die Spitze des Eisberges. Dabei hat die Ortschaft im Südosten der Stadt das Herz am rechten Fleck. Zuletzt stellten das die Elleraner im Frühherbst des vergangenen Jahres unter Beweis, als sie von der Stadt über die Ankunft mehrerer Hundert asylsuchender Menschen informiert wurden. In kürzester Zeit organisierte sich eine Gruppe Ehrenamtler, welche die Flüchtlingszelte am Schützenplatz aktiv betreute.

Im November hieß es dann Abschied nehmen. Nach drei Monaten zogen die mehr als 300 Flüchtlinge in feste Unterkünfte. Für viele der fast 400 Ehrenamtlichen bedeutete das aber nicht das Ende ihrer Zeit als Helfer. Im Gegenteil: Viele der Freiwilligen aus Eller hätten sich auf die umliegenden Flüchtlingsunterkünfte, beispielsweise in Gerresheim oder in der Stadtmitte umverteilt, erzählt Sylvia Prickler. Sie hatte schon im August die Facebook-Gruppe "Flüchtlinge in Eller" gegründet und zusammen mit ihrem Mann Herbert Prickler, dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister des achten Stadtbezirks, sowie dem Diakonie-Pfarrer Heinz Franzmann zu Informations- und Organisationsveranstaltungen eingeladen.

Auch sie selbst und ihr Mann seien nach wie vor "voll involviert", sagt Prickler. "Bestimmte Wege können Flüchtlinge schlecht allein gehen. Anfangs allein schon wegen der Sprachbarriere. Da springen wir dann ein." Momentan betreut das Ehepaar eine Familie aus Syrien, deren jüngstes Mitglied auf der Flucht auf eine Landmiene trat. Und obwohl die beiden Söhne, Schüler der Dieter-Forte-Gesamtschule, nahezu perfektes Deutsch sprächen, seien alle Familienmitglieder von der Abschiebung bedroht. "Ein Termin mit einem Anwalt ist schon gemacht", sagt Prickler entschlossen. Mit den anderen ehemaligen Freiwilligen aus Eller kommuniziert sie über eine Whats-App-Gruppe. Hilfsgüter, wie fehlende Möbel oder Kleidung, werden nach wie vor über die Facebookgruppe "Flüchtlinge in Eller - Willkommen" organisiert.

Auch Elke Wolff war von Anfang an Teil dieser Gemeinschaft. Die gelernte Bürokauffrau betreut neben ihrer Arbeit als Buchhalterin noch ihre pflegebedürftige Mutter. Trotzdem schafft sie es, sich mehrmals im Monat mit der afghanischen Familie Ibrahimi zu treffen: "Zeit, die ich mir bewusst nehme", sagt Wolff. Immerhin kenne sie die Familie schon seit deren Ankunft in Eller, im September vergangenen Jahres. Anfangs half Wolff noch bei alltäglichen Erledigungen und Besuchen auf dem Amt. Mittlerweile ist Familie Ibrahimi längst in Deutschland angekommen.

Während Vater Sakhi viel Zeit damit verbringt, Deutsch zu büffeln, können seine Frau und sein Sohn Soheil schon fast fließend sprechen. Seit Januar gehe er sogar schon in die Schule, in die erste Klasse, erzählt der siebenjährige Soheil. "Nach den Sommerferien kommst du schon in die Zweite.", berichtigt Wolff und klingt dabei so stolz, wie eine eifrige Patentante. Über die Zeit hat sich zwischen ihr und den Ibrahimis eine persönliche Freundschaft entwickelt, die über die Erfüllung eines Ehrenamts weit hinaus geht und auch den Umzug der Familie nach Gerresheim überstanden hat.

Mutter Khadija Ibrahimi, die in Afghanistan als Englischlehrerin gearbeitet hat, freut sich über die enge Bindung zu Elke Wolff. Besonders gern erinnert sich die 25-Jährige an das vergangene Silvesterfest, das sie mit ihrer Familie in Elke Wolffs Wohnung über den Dächern von Eller verbracht hat. Im Gegenzug durfte Elke Wolff das Yalda-Fest, das während der dunkelsten Nacht des Winters gefeiert wird, mit den Ibrahimis in deren neuer Unterkunft verbringen. "Für uns ist die dunkle Zeit vorbei", sagt Khadija. "In Düsseldorf haben wir uns von der ersten Minute an willkommen gefühlt." Auch dank der Hilfe der Ehrenämtler von Eller.

Quelle: RP
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