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Eller
Eine Skulptur für den Frieden

Eller: Eine Skulptur für den Frieden
An der Gemeinschaftsgrundschule Richardstrasse machte die Skulptur "Engel der Kulturen" unter anderem Station. Einige Kinder setzten im Unterricht Projekte zur Skulpturen-Reise um. FOTO: andreas endermann
Eller. Seit 2008 rollt der "Engel der Kulturen" der Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten durch Europa, um Menschen miteinander zu verbinden. In dieses Band wurden mehr als 100 Städte eingebunden, jetzt auch Eller und Lierenfeld. Von Tino Hermanns

Es knirscht, knarzt, knackt, rumpelt und polter, und irgendwie ist die 1,50 Meter große runde und damit rollende Metallskulptur "Engel der Kulturen" auch ein Symbol für das aktuelle Verhältnis verschiedener Weltreligionen untereinander. Nicht alles läuft rund in den Beziehungen zwischen Christenheit, Islam und Judentum. Doch die beiden Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten erschufen den "Engel der Skulpturen" mit den darin eingelassenen Symbolen Kreuz, Halbmond und Stern, um den interkulturellen Dialog zu fördern.

Seit 2008 rollt der Engel immer mal wieder durch Europa, um ein Band des Friedens zu legen, um Menschen miteinander zu verbinden, um Freundschaften zu pflegen. In dieses Band wurden bereits mehr als 100 Städte eingebunden, von Istanbul bis Hamburg, von Brüssel bis Sarajevo. Und jetzt auch Eller und Lierenfeld.

Auf Initiative der Pastoralassistentin Lisa Brentano machte die kleine Karawane Stationen an St. Michael, der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Richardstraße, an der Hauptschule Bernburger Straße, der Kindertagesstätte St. Augustinus und der Dieter-Forte-Gesamtschule. "Überall, wo ich angeklopft habe, waren alle sofort bereit, mitzumachen. Alle halten den interkulturellen Dialog für wichtig, auch weil er in unseren Stadtteilen ja tagtäglich gelebt wird", erläutert Brentano. "Die GGS Deutzer Straße macht aus dem Engel der Kulturen eine ganze Projektwoche." Auch andere pädagogische Einrichtungen nahmen den Aufenthalt der 85 Kilo-Skulptur zum Anlass, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Religionen zu sprechen.

"Ich komme gerade aus dem Gesellschaftslehre-Unterricht. Thema waren die Rechte. Wir haben über Menschen- und Kinderrechte diskutiert und auch unterschiedliche religiöse Aspekte aufgenommen", erläutert Michael Biallas. "Es gibt sehr viel mehr Gemeinsamkeiten, Verbindendes zwischen den Weltreligionen als Trennendes." Biallas ist Lehrer an der Dieter-Forte-Gesamtschule. Und die ist ein Paradebeispiel für gelebten interreligiösen und interkulturellen Dialog. "Die Dieter-Forte Gesamtschule ist ein multikultureller Hotspot. Wir haben Schüler aus mehr als 40 unterschiedlichen Herkunftsländern", erklärt Schulleiter Jürgen Weitz. Damit Schüler und Pädagogen etwas länger an den "Engel der Kulturen" erinnert werden, wurde auf dem Schulhof ein Sandabdruck der Skulptur angefertigt.

Die hält maximal eine Woche. Aber auf dem Gertrudis-Platz, dem wohl belebtesten und zentralsten Ort in Eller, wurde eine verkleinerte Metall-Intarsie dauerhaft ins Pflaster eingelassen. "Wir denken darüber nach, eine Tafel anfertigen zu lassen, die den Sinn dieser Intarsie erklärt", meint Brentano.

Sie schätzt, dass mehr als 900 Kinder und Jugendliche sowie Eltern, Erzieher und Lehrer durch die Kunstaktion für das Thema sensibilisiert wurden. "St. Michael war so voll, es mussten sogar einige auf dem Boden sitzen. Zwei Grundschulen und eine Kita waren dort", so Brentano. Ihnen und hoffentlich nicht nur ihnen ist klar geworden, dass ein friedliches Zusammenleben nur mit gegenseitiger Anerkennung, Achtung und Respekt funktioniert. "Wir sind Christen und beteiligen uns nicht an Islamhetze", macht Lisa Brentano klar. Und sie hofft, dass noch viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene Teil von "Engel der Kulturen" werden.

Quelle: RP
 
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