| 00.00 Uhr

Eller
Ellers tote Kinder finden endlich letzte Ruhe

Eller: Ellers tote Kinder finden endlich letzte Ruhe
Bürger sollen hier nicht stören: Schön hat es der Arbeitskreis Kultur im ehemaligen Chauffeurshaus am Schloss Eller. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Eller. Die bei Bauarbeiten gefundenen Knochen, die vor mehr als 250 Jahren beigesetzt worden waren, können an ihrem alten Ruheplatz bestattet werden. Das soll in aller Stille geschehen. Der Arbeitskreis Kultur will es so. Und schmollt. Von Torsten Thissen

Die im Jahr 2011 bei Erdarbeiten auf dem Gelände des Heimatmuseum Eller freigelegten Gebeine toter Kinder werden nun doch ihre letzte Ruhe finden. Ein Termin ist nach Informationen der Rheinischen Post bereits mit dem Gartenamt, dem Arbeitskreis Kultur und den Stadtteilaktivisten Eller vereinbart. Es handelt sich um die Gebeine von mindestens zehn Kindern und Jugendlichen, die vor mehr als 250 Jahren beigesetzt worden waren. Erst durch den Fund wurde die Lage des ersten Ellerer Friedhofs wieder bekannt.

Doch Ruhe will in Eller nach dem Treffen noch nicht einkehren. Denn auch wenn der Arbeitskreis Kultur, der Mieter des Gebäudes und des Gartens ist, auf dem die Gebeine gefunden wurden, nach öffentlichem Druck und Vermittlung des Gartenamtes einlenkt, bedingt er sich doch aus, dass die Wiederbestattung "ohne große Öffentlichkeit und Presse" stattfinden soll.

Auch wendet der Arbeitskreis sich gegen die Aufstellung einer Tafel oder einer Stele auf dem Gelände, das einst Ellers erster Friedhof war. Die Stadtteilaktivisten um den Historiker Ulrich Brzosa, die dafür gesorgt hatten, dass die Gebeine sichergestellt wurden und sich rund ein Jahr um eine Wiederbestattung bemüht hatten, mochten die Haltung des Arbeitskreises nicht öffentlich kommentieren. Dies ist nach Informationen der Rheinischen Post auch Bestandteil der Vereinbarung.

Doch Brzosa hatte in der Vergangenheit auch für eine Tafel plädiert, die auf die Geschichte des Ortes hinweist. Auch das Gartenamt hatte keine Bedenken gegen eine Tafel, tatsächlich habe Gartenamtsleiterin Doris Törkel auch versucht, den Arbeitskreis zum Einlenken zu bewegen, sogar an der Finanzierung der Tafel habe das Gartenamt sich beteiligen wollen - vergeblich. Der Arbeitskreis verwies auf die mangelnde Wahrnehmung einer Tafel und darauf, dass es schon genügend Schilder im Bereich des Eller Schlossparks gebe und ein Schilderwald - gesamtstädtisch gesehen - zu vermeiden sei. Eine bittere Pille, die die Stadtteilaktivisten schlucken, damit die toten Kinder von Eller ihre letzte Ruhestätte finden.

Doch so ganz wollen Brzosa und seine Leute doch nicht von dem Thema lassen. So wollen die Aktivisten am Samstag auf dem Gertrudisplatz (10 bis 13 Uhr) die Gebeine den Bürgern von Eller zeigen. "Der Antrag für einen Infostand ist bereits gestellt. Denn wenn die Öffentlichkeit nicht zur Bestattung der Gebeine kommen kann, kommen die Gebeine zur Öffentlichkeit. Gleiches gilt für die Tafel. Und hier kann der Arbeitskreis einmal nicht mitreden", sagt Brzosa.

Auf dem Infostand können die Bürger sich auch über die Bestattungskultur in ihrem Stadtteil informieren. So werden die Themenkreise Leichenzug, Friedhof, Grabgestaltung, Trauer und Bestatter abgedeckt. Brzosa kündigte auch an, dass die Aktivisten nun jährlich zu Allerheiligen einen Rundgang zu den alten Friedhöfen im Stadtteil anbieten wollen. Ob der erste Friedhof, an der Heidelberger Straße - jene letzte Ruhestätte der toten Kinder von Eller - betreten werden darf, wird sich zeigen. Denn die Schlüssel zum Gelände hat der Arbeitskreis Kultur. Und der ist öffentlichkeitsscheu. So bricht das für das Museum zuständige Mitglied des Arbeitskreises ein Gespräch ab, wenn es um die Gebeine geht. Auf die Frage, warum man denn die Öffentlichkeit scheue, als Einrichtung, die mit einer fünfstelligen Summe im Jahr von der Stadt gefördert wird, antwortet das Mitglied: "Warum nicht."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Eller: Ellers tote Kinder finden endlich letzte Ruhe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.