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Eller
Gaukler, Wahrsager, Quacksalber

Eller: Gaukler, Wahrsager, Quacksalber
In den kleinen Raketen fühlten sich die Kinder auf der Kirmes in Eller wie Nachwuchs-Astronauten. Die technischen Fahrgeschäfte gewannen auf dem Kirmesplatz an der Sturmstraße nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung. Hier ein Foto aus dem Jahr 1949. FOTO: Eller Stadtteilaktivisten
Eller. Die Geschichte der Kirmes in Eller reicht mehr als 200 Jahre zurück. Die Stadtteilaktivisten laden für morgen Zeitzeugen ein. Von Marc Ingel

Kirmes hat Geschichte, Kirmes schreibt aber auch Geschichten. "Das ist in Eller nicht anders, wo nachweislich seit über 200 Jahren eine Kirmes stattfindet", weiß Historiker Ulrich Brzosa zu berichten. Schon 1815 habe der Wirt des Jägerhauses an der heutigen Annweilerstraße in der Zeitung inseriert, er biete zur Herbstkirmes seinen Gästen einen "auserlesenen Tisch" und "Trankvorrath" an und "würze das Vergnügen mit schneller Bedienung".

Seit wann genau in Eller die Kirmes gefeiert wird, liege zwar im Dunkeln, "bekannt ist aber, dass die Kirmes keinen kirchlichen, sondern einen weltlichen Ursprung hat", so Brzosa. Während das Volksfest vielerorts aus der Kirchweih-Messe (verkürzt "Kirmes") entstanden sei, liege die Wurzel der Kirmes in Eller, wo 1815 noch gar keine Kirche stand, im Jahrmarkt. Zu einer Zeit, als es in der Landgemeinde Eller weder Geschäfte noch einen Wochenmarkt gegeben habe, sei der Jahrmarkt eine sehnsüchtig erwartete Abwechslung im sonst eintönigen Alltagsleben der Menschen gewesen. Um die Kauflust der Besucher zu steigern, seien auf dem Jahrmarkt neben Verkaufsständen mit Verbrauchs- und Konsumartikeln auch immer Schausteller des Fahrenden Volkes zu finden gewesen: Gaukler, Wahrsager, Quacksalber, Musikanten.

Vom Jahrmarkt, der in Eller drei Tage im September abgehalten und hier als "Kirmeß" bezeichnet worden sei, hätten auch die Gasthäuser am Ort profitiert. Wie das Jägerhaus hätten alle Wirte an den Kirmestagen besondere "Tanz- und Lustveranstaltungen" angeboten. 1831 habe das Hollandhaus während der Kirmeszeit mit "gut besetzter Tanzmusik" und "durch Verabreichung mehrerer Sorten preiswürdiger Weine" um die Gunst der Gäste geworben. "Alkohol floss zur Kirmeszeit immer reichlich", sagt Brzosa.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als in Eller mit der Gumbertstraße mittlerweile eine richtige Geschäftsstraße entstanden war, sei der Warenhandel auf der Eller Kirmes gegenüber den Unterhaltungsbuden immer mehr zurückgetreten. "Um 1900 waren auf dem Kirmesplatz, der sich damals am Mühlenkamp befand, unter anderem folgende Schau- und Fahrgeschäfte obligatorisch: Zauberhypnotiseur, Fahrradbude, Schießbude mit Photographie, Dampfkarussell, Luftschaukel und Hippodrom", erklärt der Historiker. Ab 1904 habe die Eller Kirmes einen neuen Charakter angenommen, als der zwei Jahre zuvor gegründete St. Sebastianus-Schützenverein in Eller erstmals ein Schützenfest veranstaltete und es mit der Herbstkirmes am Ort verband. Noch sei die Gemeinde Eller der Ausrichter der Kirmes gewesen. Doch habe der Schützenverein immer mehr darauf gedrängt, die Kirmes in seine Verantwortung zu übernehmen. Hierzu sei es aber erst nach der Eingemeindung von Eller nach Düsseldorf im Jahre 1909 gekommen.

"Seit den 1930er Jahren dominierten auf dem neu angelegten Schützen- und Kirmesplatz an der Bernburger Straße vor allen Dingen technische Fahrgeschäfte: Schiffsschaukel, Kettenkarussell, Raupe, Teufelsrad und Raketenbahn", so Brzosa. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Kirmes an der Sturmstraße stattfand, seien die Karussells dann immer rasanter geworden: Affenkäfig oder Polyp waren in den 1970er und 1980er Jahren vielbesuchte Attraktionen auf der Eller Kirmes.

Die Eller Stadtteilaktivisten erklären morgen von 10 bis 13 Uhr auf dem Gertrudisplatz die Geschichte der Eller Kirmes und suchen nach neuen Geschichten. Zeitzeugen, die alte Fotos besitzen oder von ihren Erlebnissen unter dem geschlossenen Verdeck der Raupe berichten wollen, sind ebenso eingeladen.

Quelle: RP
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