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Eller
Handwerker leiden unter "Fuchsjagd"-Pleite

Eller. Elf Unternehmen sind von der Zahlungsunfähigkeit des Lokals betroffen - darunter der Dachdeckerbetrieb von Udo Herchenhan. Von Sven-André Dreyer

Es sei für die Gläubiger nur schmerzlich oder gar nicht zu verstehen, auf so viel Geld verzichten zu müssen, räumt Georg Kreplin ein. Der Rechtsanwalt ist Insolvenzverwalter des Brauhauses Fuchsjagd auf der Gumbertstraße, das Mitte des vergangenen Jahres Insolvenz anmelden musste. Unter anderem hatten die hohen Umbaukosten des Lokals Geschäftsführer Thomas Papagrigoriou zu diesem Schritt gezwungen. Der ebenfalls von einer Insolvenz betroffene Schwesterbetrieb, die Fuchsjagd am Quadenhof in Gerresheim, konnte bereits gegen Ende des vergangenen Jahres aus dem Verfahren entlassen werden. Kreplin entwickelte auch für das Elleraner Haus mit einem spezialisierten Team aus Sanierungsberatern grundlegende Restrukturierungsmaßnahmen. Nach einem sogenannten Insolvenzplanverfahren verwaltet er seither die Finanzen des Unternehmens, leitet in diesem Bereich die Geschicke des Gastrobetriebes.

"Durch die Umstrukturierung wurde die Basis dafür geschaffen, dass die Fuchsjagd unter dem alten Eigentümer fortbestehen kann. Wir haben zahlreiche Prozesse neu geordnet und strukturelle Veränderungen vorgenommen, um das Unternehmen sicher für die Zukunft aufzustellen", erklärt Georg Kreplin. Noch einen weiteren Monat wird er die finanzielle Struktur des Traditionslokals verwalten, dann wird nach heutigem Stand auch dieses Unternehmen aus der Insolvenz entlassen. Doch das kann jene nicht trösten, die die Folgen der Insolvenz tragen müssen. Von der Zahlungsunfähigkeit betroffen sind neben Finanzamt, Banken und Angestellten auch zahlreiche Düsseldorfer Handwerksbetriebe. Insgesamt elf Unternehmen traten im Prozess als Gläubiger auf. Sie alle hatten am Umbau des Lokales gearbeitet und mitunter beträchtliche Rechnungssummen offen. So auch der Dachdeckermeister Udo Herchenhan. Der Unternehmer, der den 1949 gegründeten Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Frau Stefanie leitet, muss einen Verlust von beinahe 60.000 Euro verkraften.

Da die Insolvenzquote in diesem Verfahren bei den derzeit üblichen fünf Prozent liegt, erwartet Herchenhan eine Restzahlung von lediglich 3.000 Euro aus der Insolvenzmasse. "Die Insolvenzquote", so erklärt Jurist Kreplin, "errechnet sich aus dem Verhältnis der Insolvenzmasse zur Summe aller Verbindlichkeiten. An die Gläubiger kann nur das ausgeschüttet werden, was noch da ist." Und das, rechnet Udo Herchenhan vor, sei nicht viel: "Der Verlust von 57.000 Euro ist für uns nur schwer zu kompensieren", sagt der Handwerker. "Es werden drei bis fünf Jahre vergehen, bis wir uns von einem Verlust dieser Größenordnung erholt haben", erklärt der Dachdeckermeister weiter. Nur durch die Zuführung privaten Vermögens und eine ebenfalls grundlegende Neustrukturierung des Handwerksbetriebes mit acht Mitarbeitern konnte das Unternehmen weiterhin unternehmerisch tätig bleiben - und so auch neue Aufträge generieren, um so langfristig den finanziellen Verlust wieder ausgleichen zu können.

"Vor drohenden Insolvenzen können sich Handwerksbetriebe nur bedingt schützen", sagt Rechtsanwalt Kreplin. Er rät unbedingt zu Akontozahlungen. Die Abschlagszahlungen kommen typischerweise als Entgelt für länger andauernde Sachleistungen vor. Ein klassisches Beispiel dafür sind die Lieferung von Strom, aber auch Bauleistungen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden. Der Zweck der Abschlagszahlungen ist, die Belastung des Gläubigers durch eine Vorfinanzierung seiner Leistungen und damit auch das Risiko eines Ausfalls seiner Forderung in der Insolvenz des Schuldners zu verringern.

Soweit die Theorie. "Natürlich", sagt Herchenhan, "haben wir auch Akontorechnungen gestellt. Bis diese bezahlt werden müssen, können aber bis zu vier Wochen vergehen." In dieser Zeit arbeitete, da der Eröffnungstermin des gastronomischen Betriebes fix war, sein Betrieb weiter am Dachausbau. "Wir wollten den Betreiber nicht hängen lassen", so Herchenhan. Die Summe von insgesamt 60.000 Euro lief auf.

Quelle: RP
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