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Eller
Politik fordert Lärmmessungen

Eller. Die Beschwerde-Schreiben von Anwohnern des Abstellbahnhofs in Wersten werden von Woche zu Woche mehr. Deswegen wollen CDU, Grüne und FDP in der Sitzung der Bezirksvertretung 8 Emissionsmessungen beantragen. Von Nicole Kampe

Zehn Tage lang hat Ute Reinhardt im Oktober ein Lärmtagebuch geführt. Einträge hat sie am 9., 10., 11., 13., 17., 18., 19. und 20. Oktober verfasst, "bestimmt fehlen auch welche, ich bin ja nicht immer zu Hause", sagt die Anwohnerin des Abstellbahnhofs in Wersten. Mal haben mehrere Züge parallel am Nachmittag über Stunden aufgerüstet vor ihrem Haus gestanden, mal wurde Reinhardt die ganze Nacht wachgehalten von Vibrationen und Lärm und starken Dieselabgasen. Am zurückliegenden Wochenende dann traf es die Menschen vom Speyerweg besonders schlimm: Mehr als 24 Stunden soll ein Gespann direkt vor den Wohnhäusern gestanden haben, mehrfach haben Anwohner wie Michael Strelow, Melanie Hesshaus und Ute Reinhardt Beschwerde-Mails verfasst und an die Deutsche Bahn geschickt. "Die Lautstärke ist vor allem nachts unerträglich", sagt Hesshaus.

Dass die Elleraner leiden und sich die Situation offenbar nicht verbessert, das weiß auch die Politik. Deswegen wird der Abstellbahnhof morgen erneut Thema in der Sitzung der Bezirksvertretung 8 sein, in der CDU, Grüne und FDP einen Antrag zur Lärmmessung stellen werden. Darin bitten die Stadtteilpolitiker die Verwaltung, im Frühjahr Emissionsmessungen vorzunehmen, damit eine Handlungsaufforderung an das Eisenbahnbundesamt (EBA) datengestützt erfolgen kann. Eine Zustimmung vom Betreiber des Bahnhofs für Untersuchungen auf dem Gelände ist dafür notwendig, sollte diese verweigert werden, ist eine Luft- und Lärmmessung - wie von der BV bereits beantragt - in unmittelbarem Umfeld des Bahnhofs zu machen.

Dabei beziehen sich die Bezirksvertreter auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs München vom Oktober 2016, in dem die Richter entschieden haben, dass "ein Abstellbahnhof nicht als Schienenweg, sondern als Anlage zu werten ist und damit größere Eingriffsbefugnisse des EBA bestehen", sagt Christian Rütz (CDU) von der Bezirksvertretung. Offenbar will das EBA aber erstmal die Rechtskraft des Urteils abwarten, "die noch Jahre dauern kann", sagt Rütz. Und auch die Stadt wolle bis dahin keine eigenen Messungen unternehmen. Dabei könnte eine solche Lärm- und Luftmessung schon jetzt dokumentieren, dass die Anlage über den Grenzwerten liegt, meint der Politiker, "zudem ist es rechtlich fragwürdig, ob das EBA tatsächlich abwarten kann", sagt Rütz. Immerhin sei es auch das Eisenbahnbundesamt gewesen, dass im Fall in Bayern die Anordnung getroffen und damit die Rechtsauffassung vertreten hat, es handle sich bei der Anlage nicht um einen Schienenweg.

Schließlich ist in Rütz' Augen die Bundespolitik gefordert, außerdem sollten bestehende Förderprogramme für Schallschutz auf Abstellbahnhöfe ausgeweitet werden.

Quelle: RP
 
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