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Eller
Verborgene Orte auf dem Friedhof

Eller: Verborgene Orte auf dem Friedhof
Friedhofsleiter Karl-Heinz Habermehl sorgte immer wieder für Erstaunen - auch mit der Nachricht, dass ein Bussard-Paar auf dem Friedhof lebt. FOTO: A. Endermann
Eller. Bienenvölker, mehr als 100 Jahre alte imposante Baumriesen: Bei einer Führung in Eller gab es viele Aha-Momente. Von Sven-André Dreyer

Noch vernimmt man kein Quaken, aber das Wasser des kleinen Biotops auf dem Friedhof Eller schäumt schon mächtig. Erste Kaulquappen sind geschlüpft und wuseln schwarz zwischen den Halmen der Wasserpflanzen, der Laich anderer Grasfrösche dümpelt knapp unter der Wasseroberfläche noch ein wenig in der Sonne. Die rund 20 Teilnehmer der Friedhofsexkursion sind verblüfft, mit so viel Naturraum haben sie nicht gerechnet. "Friedhöfe sind heute weitaus mehr als nur Orte der Trauer und Stille", erklärt Karl-Heinz Habermehl, seit 2005 Leiter des Friedhofes, "sie sind gleichzeitig auch Park und innerstädtischer Erholungsraum."

Der Gärtnermeister bietet zu unterschiedlichen Jahreszeiten Führungen über den 1907 eröffneten Friedhof an und lenkt seine Besucher dabei auch an Orte, die gewöhnlichen Friedhofsbesuchern oft verborgen bleiben. Dabei geht er nicht nur auf besondere Ruhestätten, Ehrengrabfelder und außergewöhnliche Grabmale ein, auch über die mitunter über 100 Jahre alten imposanten Baumriesen - etwa mächtige Buchen und Platanen - erfährt man mehr. Zudem erklärt er die komplexen Zusammenhänge zwischen Flora und Fauna der rund 20 Hektar großen Fläche entlang der Düssel: "Friedhöfe sind auch so etwas wie die grünen Lungen einer Stadt, sie versorgen die Stadtteile mit frischer Luft."

Da Menschen immer häufiger in Urnengräbern beigesetzt werden und der Platzbedarf gegenüber der herkömmlichen Erdbestattung in Särgen geringer ist, steigt das Angebot an Freiflächen. "Wir halten solche Flächen für die Zukunft vor, gestalten die ungenutzten Flächen jedoch naturgerecht", sagt der 57-Jährige. So entstanden vor allem in den Randlagen viele Wildblumenwiesen für Insekten und Biotope für Amphibien. Um den Menschen die Scheu vor dem Besuch des Friedhofes zu nehmen, gestaltete Habermehl mit seinen Mitarbeitern auch den Eingangsbereich des Friedhofes und der 1925 erbauten Kapelle neu, sorgte auf der gesamten Fläche für mehr Licht und Farbe. So empfangen seit kurzem amerikanische Amberbäume und weiß blühende Tulpenbäume die Besucher, sorgen neben Farbtupfern auch für eine große Artenvielfalt. Und die ist zum Teil sogar hörbar: Neben unzähligen Singvögeln brütet auf dem Gelände unweit der Autobahn 46 auch ein Bussard-Paar. Die mittelgroßen Greifvögel sind wenig spezialisierte Jäger von Kleinsäugern, vor allem von Mäusen, und sorgen - wie Frösche - für ein Artengleichgewicht. "Denn", und auch das erstaunt die Exkursionsteilnehmer, "Frösche vertilgen die unliebsamen, blütenfressenden Schnecken", so Habermehl. Dass bereits seit 1956 ein Imker für seine derzeit sechs Bienenvölker ein Zuhause auf dem Elleraner Friedhof gefunden hat, verwundert daher kaum. Der dort geschleuderte Honig soll übrigens ausgezeichnet schmecken.

Quelle: RP
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