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Flingern
Anwohner gegen Straßen-Umbenennung

Flingern: Anwohner gegen Straßen-Umbenennung
FOTO: Hans-Juergen Bauer
Flingern. Die Hans-Günther-Sohl-Straße soll nach der Düsseldorfer Schauspielerin Luise Rainer benannt werden. Anlieger fürchten aber hohe Kosten und wehren sich. Von Torsten Thissen

Anwohner der Hans-Günther-Sohl-Straße wehren sich in einem Brief gegen die Umbenennung ihrer Straße in Luise-Rainer-Straße. Den betroffenen Anliegern entstehen durch die Umbenennung erhebliche Kosten, heißt es in dem Brief. Allein der Klinik für Schlafmedizin entstünden Kosten von etwa 30.000 Euro durch die Umbenennung. So müssten alle Werbematerialien entsorgt und neues Briefpapier angeschafft werden. Zudem müssten die Webseiten aktualisiert und Einträge in Datenbanken geändert werden. Ebenso sei es erforderlich, alle Kontakte von dem Adresswechsel zu informieren, was einen erheblichen zeitlichen Aufwand darstelle, sagte Charles Lange von der Schlafklinik. Seine Bedenken seien unpolitisch, ihm sei egal, wie die Straße heiße, aber letztlich blieben er und seine Kollegen auf den Kosten sitzen.

Die Bezirksvertretung hatte auf ihrer letzten Sitzung beschlossen, dem Rat die Empfehlung zu geben, die Straße umzubenennen. Zuvor hatte die Mahn- und Gedenkstätte ein Gutachten erstellt, dass zu dem Schluss kommt, dass Hans-Günter-Sohl eine "besondere Rolle" beim Einsatz von Zwangsarbeitern bei den Vereinigten Stahlwerken gehabt habe. Er war "unmittelbar für den Zwangsarbeitereinsatz bei einem der größten deutschen Rüstungskonzerne verantwortlich", so das Gutachten. Ihn gerade hier mit einem Straßennamen zu ehren, "halten wir grundsätzlich für sehr unglücklich und unpassend", heißt es. Hintergrund ist, dass es in unmittelbarer Nachbarschaft ein Zwangsarbeiterlager gegeben hat. Allerdings betont auch das Gutachten, müsse die Politik eine Entscheidung treffen.

Grundsätzlich wolle man sich aus der politischen Diskussion raushalten, sagt Lange. Dennoch gewinne man als Anwohner den Eindruck, dass keine "zwingende Notwendigkeit" bestehe, die Straße umzubenennen, wie es in dem Brief heißt. "Es handelt sich hier offensichtlich um eine willkürliche und möglicherweise sogar ideologisch motivierte Handlung ohne Berücksichtigung der Folgen für die Anlieger", schreibt Lange. Wenn die Stadt wirklich beabsichtige, die Straße umzubenennen, würde er sich wenigstens wünschen, dass sie sich an den daraus entstehenden Kosten beteiligt.

Die Ratsfrau und stellvertretene Bezirksbürgermeisterin Annelies Böcker (CDU) hält die Diskussion um Sohl für schlichtweg falsch. "Der Mann hatte erwiesenermaßen seine Verdienste in der Wirtschaft Nachkriegsdeutschlands", sagt sie. Persönliche Schuld am Schicksal der Zwangsarbeiter sei auch in dem Gutachten der Mahn- und Gedenkstätte explizit ausgeschlossen, und eine Umbenennung sei nicht nur mit Kosten für die Anwohner verbunden, sondern auch eine Herabwürdigung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Thyssen AG. "Wir glauben nicht, dass der Mann das verdient hat", sagt Böcker. Sie sieht sich damit aufseiten der Anwohner.

Ihre Fraktion will nun in der nächsten Sitzung klären lassen, welche Kosten mit einer Umbenennung der Straße einhergehen. Böcker will sich außerdem im Rat dafür stark machen, dass die Straße nicht umbenannt wird. Die CDU hatte in der Bezirksvertretung schon dagegen gestimmt.

Wann die Entscheidung zur Umbenennung fällt, ist noch unklar.

Quelle: RP
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