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Flingern
Begegnet in Flingern

Flingern. In einer neuen Ausstellung zeigen Menschen mit und ohne Behinderung ihre Lieblingsorte im Viertel. Von Julia Chladek

Ein gemütliches Café, eine Straßenecke, eine ganz bestimmte Parkbank oder ein kleiner Laden - jeder, der lange in einem Stadtteil wohnt, sucht sich wohl im Laufe der Zeit seine ganz persönlichen Lieblingsecken. Und gerade in einem pulsierenden Viertel wie Flingern, in dem sich ein Café an das andere reiht, das aber ebenso eine jahrzehntelange Geschichte und Wandlung hinter sich hat, könnten die unterschiedlicher nicht sein.

Wie könnte man seinen eigenen Stadtteil also besser kennenlernen, als sich gegenseitig seine Lieblingsplätze zu zeigen? Das dachten sich auch Gabriele Nischann vom Verein KoKoBe, der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, und Norbert Roß, Hauptabteilungsleiter der Behindertenhilfe der AWO. Angelehnt an das Motto des europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der jährlich am 5. Mai stattfindet und im letzten Jahr unter dem Thema "Begegnet in" stand, riefen sie einen Spaziergang durch Flingern ins Leben - der Titel: "Begegnet in Flingern". Das Besondere: Sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung nahmen daran teil und erzählten sich gegenseitig Geschichten aus dem Leben in ihrem Stadtteil.

Einer von ihnen war Anton Gladilin. Der 42-Jährige lebt im betreuten Wohnen der AWO in Unterbach, ist aber oft in Flingern zu Besuch und mag das Viertel. "Mein Ort ist das Café drrüsch. Ich habe dort meinen besten Freund Christoph kennengelernt und bin oft da, weil ich Musik liebe und dort oft Live-Musik gespielt wird", erzählt er. Auch Luise Carson von der Bürgerinitiative Flingern Süd führte die anderen Teilnehmer zu einem Ort mit einer ganz besonderen persönlichen Geschichte: den Platz der Diakonie. "Ich habe 34 Jahre dort gearbeitet und 41 Jahre dort gelebt. Zwar wurde mittlerweile alles abgerissen und umgestaltet, aber ein Stück meines Herzens wird immer dort bleiben", erzählt die 78-Jährige. In Flingern wohnt sie übrigens noch immer - mittlerweile nur ein paar Straßen weiter. Als Urgestein des Stadtteils kannte sie zwar fast alle Orte schon vom Vorbeigehen, aber viele Perspektiven waren auch für sie neu. "Ich habe auf dem Rundgang unheimlich viele Dinge kennengelernt, die mir vorher nie richtig aufgefallen sind", berichtet Luise Carson. "Außerdem hat der gemeinsame Spaziergang geholfen, neue Verbindungen zwischen den Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Auch Themen wie Barrierefreiheit haben wir so noch einmal mit ganz neuen Augen gesehen."

Damit die Eindrücke des Spaziergangs aber nicht nur den Teilnehmern erhalten bleiben, wurde das Erlebte mithilfe finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch in einer Wanderausstellung festgehalten. Fotografien der zahlreichen Lieblingsorte schmücken so momentan die Wände im Foyer des AWO-Hauses an der Liststraße in Derendorf. Der Clou an der Sache: Nicht nur die Orte sind Teil der Ausstellung, sondern auch diejenigen, die sie ausgewählt haben. Möglich wurde das dank modernster Technologie und 3D-Druckern - für alle Beteiligten ein einmaliges Erlebnis. "Wir waren zugegebenermaßen alle sehr aufgeregt", sagt Luise Carson. In einem speziellen Raum wurden wir dreidimensional fotografiert, die Daten wurden dann vom Computer verarbeitet."

Heraus kamen 18 Zentimeter große detailgetreue Abbilder der Spaziergangs-Teilnehmer, die den Fotografien ihrer Lieblingsorte nun in quadratischen Holzrahmen Gesellschaft leisten.

Quelle: RP
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