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Flingern
Das Rätsel Dorotheenplatz

Flingern. Der kleine Platz am S-Bahnhof Flingern ist hässlich - da sind sich alle einig. Nun unternimmt die Bezirkspolitik den nächsten Versuch, ihn zu verschönern. Sie stößt dabei auf viele Zwänge. Braucht eine Großstadt vielleicht solche Orte? Von Arne Lieb

Annelies Böcker (CDU) hat den Eindruck, dass der Dorotheenplatz die Bezirksvertretung schon seit ihrer Gründung beschäftigt. Auch andere langjährige Bezirkspolitiker bräuchten eigentlich nicht noch eine weitere gemeinsame Ortsbegehung, weil sie sich schon so oft mit der kleinen Fläche am S-Bahnhof Flingern beschäftigt haben, dass sie sie immer noch gut vor Augen haben. Mit dem Ergebnis all dieser Bemühungen ist allerdings niemand zufrieden: Der Dorotheenplatz ist weiterhin kein Ort, an dem man sich aufhalten will, und als repräsentatives Eingangstor zur kürzlich neu gestalteten Birkenstraße taugt er erst recht nicht. SPD-Politiker Oliver Schreiber bezeichnet ihn als "Unort im Stadtteil".

Nun will die Bezirksvertretung einen weiteren Versuch unternehmen, das kleine Plätzchen an der Hauptstraße schöner zu machen und hat deshalb eine Prüfung beim Stadtplanungsamt in Auftrag gegeben. Susanne Häselhoff, die dort für die Gestaltung des öffentlichen Raums zuständig ist, stellte jetzt die Ergebnisse vor - die nicht viel Hoffnung auf Besserung machen.

Nicht, dass die Stadtplaner sich keine Mühe gegeben hätten. Sie stießen aber auf eine ganze Reihe von Zwängen. Dazu gehört, dass der Platz erst 1997 umgestaltet worden war und noch für sieben Jahre die Zweckbindung der damals verwendeten Landesmittel läuft, auch wenn der Schotterbelag längst seine besten Tage hinter sich hat. Die Folge: Wenn der Platz nun schon wieder erneuert wird, fordert das Land unter Umständen den damals erteilten Zuschuss zurück. Das betrifft auch die damals gepflanzten Bäume, die sich eher kümmerlich entwickelt haben. Vor einer erneuten Umgestaltung würden also Verhandlungen anstehen.

Ein weiteres großes Problem ist, dass der Platz zwar alles andere als ein Schmuckstück ist, dafür aber im Laufe der Zeit eine Menge von Alltagsaufgaben übernommen hat - vielleicht braucht ein Stadtteil einfach einen Ort wie den Dorotheenplatz. Dort stehen auf engem Raum Bänke, Papier- und Glascontainer, zwei Telefon- und eine Taxisäule, ein Stadtplan und eine Toilette. "Der Platz ist mit Funktionsmobiliar zugestellt", sagte die Stadtplanerin.

Das lässt sich aber so einfach nicht ändern. Die Planer haben nach anderen Standorten für die Container gesucht, zumal der Papiercontainer auf den Fahrradweg ragt und deshalb für Gefahr sorgt. Eine Alternative gibt es im eng bebauten Stadtteil aber nicht. Die Planer schlugen den Bezirkspolitikern deshalb vor, die Container in den Untergrund zu verlegen. Dies sei sinnvoll auf diesem verdichteten Platz. Angesichts von Kosten in Höhe von 70.000 Euro aus ihrem Etat winkten die Politiker aber zumindest nach erster Beratung ab. Wegen der Gefahren für Radfahrer, befanden Harald Neuhaus (CDU) und Ben Klar (Linke), müsse die Stadt den Umbau eigentlich sowieso aus einem anderen Topf zahlen.

Böcker und CDU-Parteikollegin Irene Stengel regten an, das WC abzubauen. "Das wird nie ein Aufenthaltsort, wenn in der Mitte des Platzes eine Toilette steht", sagte Böcker. Aber auch die hat eben ihren Zweck. Bezirksbürgermeister Uwe Wagner (SPD): "Sie verzichten in ihrer Wohnung doch auch nicht aufs Klo, um ein Fernsehzimmer einzurichten." Die Toilette sei zum Beispiel extra in Stadtplänen für Körperbehinderte verzeichnet.

Immerhin: Durch das "1000 Bänke"-Programm werden bald die Sitzmöbel ausgetauscht. Über weitere Verbesserungen will die Politik noch reden. Zunächst soll es einen gemeinsamen Ortstermin auf dem Dorotheenplatz geben.

Quelle: RP
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