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Flingern
Die Fragmente der Wehrhahn-Linie

Flingern: Die Fragmente der Wehrhahn-Linie
Künstlerin Andrea Isa in der Keller-Ausstellung, die großflächige Bilder an den Wänden vom Bau der Wehrhahnlinie zeigt. FOTO: Christoph Reichwein
Flingern. In der Galerie Plan.d stellt Andrea Isa ihr raumfüllendes Werk "Baalbek" aus. Von Sainab Sandra Omar

Es ist eine sonderbare Art, Kunst zu produzieren, wenn man weiß, dass das eigene Werk nur von kurzer Dauer ist. Dass es am Ende der Ausstellung in Stücken von den Wänden gerissen wird und vergangen ist. Andrea Isa nämlich hat einen Raum eingekleidet mit Fotografien, die sie gemacht hat. Doch sie hat sie nicht eingerahmt und einzeln in Szene gesetzt. Vielmehr hat sie die vielen hundert Nahaufnahmen, die erst zusammen ein Ganzes ergeben, auf Din-A4-Papier gedruckt und damit die Wände eines Souterrainraums der Galerie Plan.d (Dorotheenstraße 59) eintapeziert. Rund 20 Quadratmeter ist der "UG" genannte karge Raum groß.

Eine steile Treppe muss der Besucher hinab und aufpassen, dass er sich nicht den Kopf stößt. Also etwas ungemütlich und unkomfortabel. Und auch unten angekommen ist die Atmosphäre nicht sehr heimelig. Doch das soll sie auch nicht sein, denn auch das, was in dem dreidimensionalen Kunstwerk abgebildet ist und in dessen Mitte man sich beim Eintritt befindet, sind keine harmonischen Szenen. Der Besucher dreht sich um die eigene Achse und erkennt, was er da sieht.

Von 2009 bis 2014 hat die Künstlerin Andrea Isa die Bauarbeiten der Werhahn-Linie beobachtet und fotografisch dokumentiert. Immer wieder lief sie an dem riesigen Loch am Bilker S-Bahnhof vorbei. Was für andere ein störendes Etwas war, gefiel ihr. Das Brüchige sprach sie an und dass sich dort etwas im Werden befand, das noch Gestalt annehmen muss. Andrea Isa begann mit ihrer Arbeit. Mit viel Durchhaltevermögen hat die gebürtige Sauerländerin minuziös jeden Quadratzentimeter - so scheint es - der fußballfeldgroßen Baustelle fotografiert, rundherum. Natürlich ist die Komposition, die herauskommt, keine wirklichkeitsgetreue Darstellung des Gesehenen, sondern sie ist hier und da verzerrt, passt nicht ganz. Der Betrachter macht sich gleich daran, zu schauen, was vertraut ist, was man kennt: So kommt dann auch schweres Gerät zum Vorschein, ebenso lange Stäbe und eine drahtige Wendeltreppe. Bekannt erscheint zudem das große Rad, durch das die Tunnelbohrmaschine den U-Bahn-Schacht entstehen ließ. Und dann erkennt man sogar das ernste Gesicht eines Bauarbeiters.

Quelle: RP
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