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Flingern
Die jüngsten Schützen aus Flingern

Flingern: Die jüngsten Schützen aus Flingern
Die sechs Jahre alte Celina Mule und Christian Gasper, neun Jahre, gehören zum Fanfarenkorps der Düsseldorfer Radschläger. Ein Nachwuchsproblem haben die Flinger Schützen nicht. FOTO: Anne Orthen
Flingern. Die Schützen feiern ihr Fest und stellen den Nachwuchs in den Mittelpunkt. Mit Christian Gasper regiert ein Neunjähriger die Pagen der St.-Rochus-St.-Sebastianus-Schützen. Der Verein sichert sich so die Schützen von morgen. Von Henning Rasche

In dem großen weißen Zelt steht die Hitze unter der Decke. Der Schweiß steht den Kellnern am Samstagabend auf der Stirn, vielen Gästen ist die Uniform zu schwer für die Temperatur. So warm ist es eigentlich gar nicht, doch das Festzelt des St.-Rochus-St.-Sebastianus-Schützenvereins am Hellweg in Flingern potenziert die 23 Grad noch um ein Vielfaches. Der Fanfarenkorps Düsseldorfer Radschläger beginnt zu spielen. Laute, akkurate Töne schwingen durch das Zelt, das etwa zur Hälfte gefüllt ist.

Weiter hinten erleben Christian Gasper und Celina Mule derweil ihren großen Augenblick auf der Bühne. Schick haben sie sich gemacht, das Beste aus dem Kleiderschrank geholt und sogar noch mehr. Celina Mule trägt ein weißes opulentes Kleid. Wenn man sie sieht, ist es unmöglich, nicht an eine Hochzeit zu denken. Doch dafür ist sie mit sechs Jahren entschieden zu jung. Ihr Gemahl auf Zeit ist zwar schon drei Jahre älter, aber jetzt auch erst einmal mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Stolz trägt er an seiner dunkelgrünen Schützenjacke nämlich nun seinen ersten Orden.

Christian Gasper hat vor ein paar Tagen schon das Pagenschießen der Flinger Schützen für sich entschieden und ist fortan König der Pagen. Celina Mule ist seine Königin. Sie gehören beide zum Fanfarenkorps der Düsseldorfer Radschläger. Drei Pagenbetreuer kümmern sich dort um sie und die anderen jungen Schützen. Christian lernt gerade Landsknechttrommel, eine eher längliche, hohe Trommel.

Natürlich hat der neunjährige Christian nicht zum Gewehr greifen müssen, um zu seiner Würde zu kommen. Die Pagen, also der jüngste Nachwuchs der Schützen bis elf Jahre, nutzen eine "Art Armbrust mit Gummipfeilen", um den König auszuwählen, wie Karin Hamacher-Gockeln beruhigend feststellt. Die Pressesprecherin der Flinger Schützen freut sich über den Nachwuchs. Immerhin zehn von 30 Kindern in der Altersklasse im Verein sind zum Pagenschießen angetreten.

Während Nachwuchssorgen zum Schützenwesen fast so sicher dazu gehören wie das Königsschießen und der Festabend, ruhen sich die Flinger Schützen aus. Das Institut des Pagenkönigs, das Christian Gasper nun personalisiert, ist für den Schützenverein in Flingern wie eine Nachwuchsversicherung. "Während andere Regimente schwer zu kämpfen haben, haben wir keine Nachwuchssorgen", erzählt Karin Hamacher-Gockeln. "Darauf sind wir richtig stolz. Wir sind in der glücklichen Lage, noch so viele Kinder zu haben."

Sie haben ein Konzept für die Jugend in Flingern. In drei Altersklassen haben sie die Mädchen und Jungen eingeteilt, bis zum Alter von 23 Jahren. Danach darf man sich als erwachsenen Schützen ansehen. Und wer glaubt, dass sich der Pagenkönig in seiner Symbolik erschöpft, der ahnt nicht, dass ein recht voller Terminkalender auf den jungen Würdenträger wartet. Es gibt Ausflüge, Übungsschießen und andere Nachmittagsaktivitäten für die Mädchen und Jungen.

Karin Hamacher-Gockeln erzählt, dass sich die Investitionen in die Jugend lohnen. Seit mehr als zwanzig Jahren suchen sie in Flingern schon den Pagenkönig. Und viele von den ehemaligen Königen bekleiden heute im Verein andere Funktionen und Positionen. Natürlich gehe auch der ein oder andere, wenn er älter werde. "Aber die meisten bleiben", sagt sie.

Quelle: RP
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