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Flingern
Düsselstrand ist der Alleskönner

Flingern: Düsselstrand ist der Alleskönner
Roman Jäger Waldau ist aus Bilk herübergekommen. Der Student zieht in Flingern seine Bahnen. FOTO: Schaller
Flingern. Das Schwimmbad an der Kettwiger Straße ist für die Bädergesellschaft unverzichtbar, Schließungsideen erteilt sie eine Absage. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es ist ein Mittwochvormittag in den Ferien, und im Düsselstrand ist gut was los. Familien mit Kindern vergnügen sich im Aktionsbecken, das im Strömungskanal und mit der Rutsche seine Attraktionen hat. Nebenan im 25-Meter-Becken ziehen die Schwimmer ihre Bahnen, Nadine Lethmate wiederum sitzt mit ihrem Sohn Max-Jenne im Kinderbecken.

Nadine Lethmate ist mit ihrem Sohn Max-Jenne regelmäßig im Düsselstrand. Sie mag das Bad sehr. FOTO: Schaller,Bernd (bs)

Der Kleine hat sichtlich Spaß, die Mutter verfolgt sehr entspannt, wie ihr Söhnchen durchs Wasser watet. Gleich geht es zu Fuß nach Hause in Richtung Kruppstraße, Max-Jenne dürfte dann im Kinderwagen schlafen, und die Mama nutzt die Gelegenheit zum Einkauf. "Praktisch und nah" findet die Düsseldorferin den Düsselstrand, "ein gutes Angebot", das sie mindestens einmal in der Woche nutzt. Dass Politiker zuletzt den Gedanken eines Abrisses ins Spiel brachten, kann sie nicht verstehen.

Für Peter Schwabe, den Chef des Stadtsportbundes, wäre die von der FDP lancierte Idee sogar "der letzte Unsinn". Dann würde man bares Geld aus dem Fenster werfen. "Wir haben den Düsselstrand doch vor einigen Jahren gekauft, da läuft noch die Abschreibung." Genauer war dies 2010, das große Bad war im Rahmen eines Sale-and-lease-back-Geschäfts finanziert worden, und es wurde eigens das Eigenkapital der Bädergesellschaft erhöht, um es endgültig zu kaufen.

Die Liberalen hatten das langfristige Aus des Bades in die Diskussion gebracht, weil sie wegen der plötzlichen Schließung des Oberkasseler Bades und dem dort nötigen Neubau nach Einsparmöglichkeiten suchten. Denn immerhin ist das Bäderkonzept auf 65 Millionen Euro kalkuliert, und der Bau eines Kombibades auf dem Gelände des Freibades am Flinger Broich ist darin enthalten. Da brauche man vielleicht ja den Düsselstrand nicht mehr, meinte die FDP, zumal sich die Freibadflächen auch noch provisorisch überdachen ließen.

Für die anderen Parteien und Bäderchef Roland Kettler ist dies eher keine Option. Der Düsselstrand sei ein so vielseitig nutzbares Bad, dass sein Wegfall angesichts der steigenden Schülerzahlen schlicht eine Katastrophe wäre. "Der Begriff Spaßbad ist für den Düsselstrand nicht treffend", meint Kettler, "er ist ein freizeitorientiertes Hallenbad. Er hat ein 25-Meter-Sportbecken, das Sie gut auch für das Schulschwimmen nutzen können." Wegen des Abbaus des Zeltes im Allwetterbad Flingern und dem Ausfall des Oberkasseler Bades reicht das aber nicht aus. Ab 9 Uhr morgens wird im Düsselstrand auch im Erlebnisbecken geschult, sogar zwei Klassen gleichzeitig. "Als Kompromiss kann man das mal eine Zeit machen", sagt Kettler, "auf Dauer geht das nicht." Die normale Kundschaft leidet unter den Einschränkungen, es gibt für sie zu den Schulzeiten den günstigen Flextarif. Und jetzt, da nach Monaten die für eine Million Euro modernisierte Sauna geöffnet hat, beginnt deren Betrieb erst um 14 Uhr.

Eigentlich ist eine solche Spätöffnung nicht im Sinne des Erfinders, aber sie dient dem Frieden in einem hochfrequentierten Bad, in das pro Jahr mehr als 300 000 Gäste kommen, zuletzt waren es 326 154 Besucher. Früher wurden auch mehr als 400 000 Gäste gezählt, aber das neue Bad in Bilk hat um die 100 000 Gäste abgezogen. Im November feiert der Düsselstrand nun sein 20-jähriges Bestehen, viele Aktionen sind in Vorbereitung, unter anderem ist ein Aqua-Kino geplant.

Wer lange nicht mehr an der Kettwiger Straße schwimmen war, sollte dies mal wieder tun. Jetzt in den Ferien ist das eine schöne Sache. Die Sauna ist eine Überraschung, denn sie ist mit ihrer Strandoptik das neue Prunkstück des Hauses und muss den Vergleich mit einer Anlage in einem Top-Hotel nicht scheuen. Viel Holz, Helligkeit, drei Saunen und mehrere Außenflächen bieten ein gutes Rundum-Paket. Auch die Außenflächen für die Schwimmbadbesucher im Grünen sind schöner gestaltet worden. "Manche gehen nicht ins Freibad, sondern kommen hierhin", sagt Kettler. Dass nur wenige Meter entfernt der Verkehr über die Kruppstraße rauscht, vergisst man in dieser Umgebung.

Technisch ist der Düsselstrand auf Stand. Für die unterschiedlich warmen Becken sind je eigene Filteranlagen installiert worden, was Energie spart. Ebenso wird neue Luft durch die Energie der Abluft aufgeheizt, was sinnvoll ist, weil im Winter Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad bewältigt werden müssen. Alles funktioniert, und Kettler hofft, dass der Düsselstrand noch lange in Betrieb bleibt. Er ist der Alleskönner unter den Düsseldorfer Bädern, "unsere unverzichtbare eierlegende Wollmichsau".

Quelle: RP
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