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Flingern
Ein Ort für Käfer-Fans

Flingern. Seit 30 Jahren halten Gerd Weiser und sein Team in einer Werkstatt in Flingern Oldtimer in Stand oder bringen alte Rostlauben wieder in Schuss. Inzwischen kommen Auto-Freunde aus ganz Europa dorthin. Von Daniel Schrader

Wer die Werkstatt von Gerd Weiser in Flingern betritt, begibt sich auf eine Zeitreise. Ob Käfer und Volkswagen-T1-Bus in den Werkräumen oder zahlreiche Ersatzteile wie Lenkräder oder Schaltknüppel: Alles in den Räumen erinnert an die Geschichte des größten deutschen Automobilherstellers. Dabei hat auch die Werkstatt GWD von Weiser ihre eigene Geschichte zu erzählen. Seit nunmehr 30 Jahren halten Weiser und seine Mitarbeiter Oldtimer instand oder bringen alte Rostlauben wieder in Schuss.

Angefangen hatte alles 1986, als Gerd Weiser vor der Entscheidung stand, den elterlichen Getränkehandel in Gerresheim zu übernehmen. Dass es dazu nicht kam, lag an zwei Gründen: Zum einen war es um die Zukunft von Getränkemärkten zu dieser Zeit aufgrund vieler betriebsbedingter Geschäftsaufgaben nicht gut bestellt, zum anderen hatte Weiser eine andere Passion: alte Volkswagen. Zunächst schraubte er nur in der Freizeit am VW-Bus seiner Eltern sowie später am eigenen Käfer, doch dann entschied er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen und gründete mit einem Freund die Werkstatt in den Räumen des elterlichen Betriebs.

Seitdem hat sich aus der kleinen Werkstatt ein Betrieb mit sieben Mitarbeitern entwickelt. Die Arbeit der Werkstatt reicht von einfachen Reparaturarbeiten bis zu vollständigen Restaurationen von Autos, denen eigentlich ein Schicksal in der Schrottpresse vorbehalten ist. Die Mehrheit davon aus dem Hause VW. Für Gerd Weiser und sein Team sind das anspruchsvolle Aufgaben. Einerseits soll das geliebte Fahrzeug verkehrssicher sein, andererseits auch nicht den Charme eines Oldtimers verlieren. Patina nennt sich dieser Trend, der versucht, mit abgegriffenem Leder oder vergilbtem Lack die Persönlichkeit der Autos zu bewahren. Anders sieht es dagegen unter der Motorhaube aus: Dort tunt Weiser die alten VW-Motoren, damit sein Besitzer keinen Angstschweiß bekommen muss, wenn auf der Autobahn ein Lastwagen im Rückspiegel herannaht.

Über die Jahre hinweg hat sich die Arbeit der Mechaniker herumgesprochen, so dass nicht nur Käferfans aus der Umgebung, sondern auch Oldtimerbegeisterte aus ganz Europa die Werkstatt ansteuern. Nicht zuletzt, weil Gerd Weiser selbst passionierter Käferfahrer ist und mit Gleichgesinnten regelmäßig Touren über die Alpen oder gar durch die Wüsten Nordafrikas unternimmt, wodurch er europaweit Kontakte gesammelt hat. Fast jede dieser Touren ist als Erinnerung mit einem Bild in den Räumen der Werkstatt verewigt. Ebenso wie viele Erinnerungen an die alte Werkstatt in Gerresheim, die Weiser jedoch vor sieben Jahren unfreiwillig verlassen musste.

Zu dieser Zeit war die Zukunft seines Unternehmens mehr als ungewiss. Der Vermieter des Grundstücks hatte den Mietvertrag gekündigt und Weiser stand unter Zeitdruck, innerhalb weniger Monate eine neue Werkstatt zu finden. Eine Aufgabe, die sich als äußerst schwierig herausstellen sollte, da die meisten Angebote zu groß und zu teuer gewesen waren. Einem glücklichen Zufall ist es geschuldet, dass Gerd Weiser letztendlich doch noch fündig wurde und die Räumlichkeiten in Flingern beziehen konnte. Dort hat er zwischenzeitlich sein Geschäft noch um ein einzigartiges Lager erweitert, wo er nahezu alle Originalteile für VW Oldtimer vorrätig hat, um auch für die nächsten 30 Jahre gerüstet zu sein.

Quelle: RP
 
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