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Flingern
Eisige Zeiten im Kinderspielhaus

Flingern. Der Fotograf Herribert Börnichen experimentiert für seine Bilder mit gefrorenem Wasser. Die faszinierenden Ergebnisse werden jetzt an der Dorotheenstraße gezeigt und sollen die jungen Besucher zum Nachahmen animieren. Von Marc Ingel

Es fing an mit einer Kaffeebohne, die Herribert Börnichen in der Hoffnung auf ein möglichst skurriles Ergebnis in Kombination mit gefrorenem Wasser fotografieren wollte. "Ich habe bestimmt acht Anläufe benötigt, nichts war so richtig zufriedenstellend", sagt der 58-Jährige. Der Durchbruch kam, als er für sein Motiv geliertes Wasser, also in einem Zustand des Übergangs zum Eis, wählte. Diese ungewöhnliche Momentaufnahme war der Auftakt für eine ganze Reihe von Aufnahmen, in denen das Eis und seine von der Natur gewollte oder vom Fotografen gesteuerte Form im Mittelpunkt steht. "Dabei kommt es gar nicht einmal auf die Kamera an, die Kaffeebohne habe ich zum Beispiel mit einer billigen Mini-Knipse gemacht", erklärt Börnichen. Die Ergebnisse sind seit gestern bis zum 14. August im Kinderspielhaus an der Dorotheenstraße 39 zu sehen.

Der Künstler hat viel experimentiert, vor allem mit Früchten und Pflanzen. Denn nicht immer hat ihm die Natur Eiszapfen an einem Baum beschert, die aussehen wie ein Jumbo Jet oder ein Krokodil, so dass er nur auf den Auslöser zu drücken brauchte. Seine Erfahrungen: "Erdbeeren funktionieren hervorragend, Brombeeren dagegen überhaupt nicht." Die entsprechend vorpräparierten Motive hat Börnichen dann unterschiedlich lange gefroren, bis zum Teil ein fast explosionsartiger Eindruck entstand. Nachgeholfen hat er allenfalls mit einer farbigen Plexiglasscheibe beim Blitzen, nicht aber mit Photoshop.

Bevor gestern am Nachmittag die Erwachsenen die Werke des Eis-Künstlers, der auch als Theaterpädagoge arbeitet und im Kinderspielhaus Computerkurse gibt, bewundern durften, waren zunächst die Kinder an der Reihe. Denn mit denen hat Einrichtungsleiter Joachim Wagner im Rahmen der Ausstellung noch so einiges vor. Zunächst sollten die Sechs- bis 14-Jährigen im Garten versteckte Eisklumpen suchen und diese selbst fotografisch im Bild festhalten. "In den nächsten Wochen werden wir dann immer mal auf das Thema zurückkommen. Die Kinder sollen wie der erwachsene Künstler Naturprodukte einfrieren und versuchen, später mit der Kamera ähnliche Effekte zu erzielen. Diese Bilder werden dann der Ausstellung hinzugefügt, so dass die Schau in unserer Galerie ständig weiter wächst", erläutert Wagner.

Kunst mit dem Alltag in Verbindung zu bringen - das ist der Ansatz, den der Mitarbeiter des Jugendamtes mit seinen Kolleginnen auf kindgererechte, aber nicht infantile Weise verfolgt. "Wünschenswert wäre es, wenn die Kinder später wie bei den faszinierenden Fotos von Herribert Börnichen auf Entdeckungsreise gehen, die Fantasie spielen lassen, für sich darin Dinge entdecken und ihre Bilder selbst betiteln würden", sagt Wagner.

Das Angebot, Kunst auf kreative Weise, aber mit Spaß zu erleben, ist nur ein Baustein im Profil des Kinderspielhauses, in dem das Sichausprobieren besondere Bedeutung genießt, wie Wagner betont. So entstehen in der städtischen Einrichtung regelmäßig auch Filme, in denen Kinder vor der Kamera Stellung beziehen und dahinter Hand anlegen dürfen. Darüber hinaus können sich die jungen Besucher in der Werkstatt oder im Töpferraum ausprobieren. Es gibt Workshops zu Tanz und Theater. Nicht zuletzt wird mit dem Kinderclub Kiefernstraße und der Freizeiteinrichtung Icklack das kulturelles Bildungsmobil "Mobile School" betreut. Damit besuchen die Mitarbeiter Kinder in Flingern, die nicht den Weg ins Kinderspielhaus finden, auf verschiedenen Plätzen und führen dort Angebote mit ihnen durch.

Quelle: RP
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