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Flingern/Oberkassel
Flamenco auf japanisch

Flingern/Oberkassel. Chie Otani-Martin gibt im Zakk Unterricht in spanischem Tanz. Vor allem Japanerinnen nutzen das Angebot. Von Heide-Ines Willner

Sie wirbeln in schwingenden Rüschenröcken im Stakkato der Gitarren und Kastagnetten über die Tanzfläche und stampfen energisch auf den Boden. Irrtum wer denkt, es könnten nur andalusische Zigeunerinnen sein, die dort auf der Bühne stehen und den Flamenco so leidenschaftlich und energiegeladen interpretieren. Denn es sind Japanerinnen, die sich dem temperamentvollen Tanz verschrieben haben und nun schon zum dritten Mal beim Seniorentag in Oberkassel auftraten.

Allen voran Chie Otani-Martin, die seit 2003 Japanerinnen, die nach Düsseldorf kommen, ehrenamtlich an den Flamenco-Tanz heranführt. Dreimal in der Woche trainiert sie mit ihnen im Zakk und bereitet sie auf Auftritte vor. So trat ihre Gruppe nicht nur in Oberkassel, sondern auch auf Straßenfesten in Wuppertal, Erkrath und Duisburg auf. Immer mit wechselnden Tänzerinnen, manchmal auch mit einem Mann.

Dabei ist auf jeden Fall Chie Otani-Martin, die mit ihrem deutschen Ehemann Peter Martin in Erkrath lebt. "Japaner gehen meist nach ein bis drei Jahren wieder zurück in ihre Heimat", bedauert sie. Trotzdem wird sie nicht müde, immer wieder neue Teilnehmerinnen zu suchen. "Bis heute habe ich mit 70 Japanerinnen, jeweils einer Taiwanesin und Koreanerin trainiert." Vier deutsche Frauen seien auch dabei gewesen. "Leider ist die Verständigung nicht so einfach", sagt Chie Otani-Martin, die zwar Übersetzerin ist und gut Deutsch spricht, doch die Tanzschritte vom Japanischen ins Deutsche zu übersetzen, gelingt nur mühsam. "Sie sind nicht international wie beispielsweise beim klassischen Ballett." Im Flamenco gebe es viele Musikstile mit unterschiedlichen Rhythmen, Geschichten und vor allem Interpretationen.

Chie Otani-Martin, 1961 in Fukushima, dem späteren Katastrophengebiet, geboren, hat sich ganz dem Flamenco verschrieben, "weil ich ihn so liebe." Schon als junges Mädchen habe er sie fasziniert. "Ich habe Auftritte in Tokio und im spanischen Granada gesehen, die mich tief beeindruckt haben." So sehr, dass sie eine Flamenco-Schule in Japan besuchte, Ausbildungen im Tanzhaus NRW, im Centro Flamenco Maria del Mar in Essen und sogar Intensivkurse in Sevilla absolvierte. Was sie dabei besonders schätzt, ist, "dass es keine Beschränkungen gebe, weder Alter, Körpergröße noch Äußerlichkeiten spielten eine Rolle, sagt sie und räumt mit der Vorstellung auf, dass Temperament und Leidenschaft nichts für Nippons Kinder ist. "Der Flamenco hat längst Japan erobert", weiß sie. "Bei uns gibt es etwa 100 000 Schüler, die in 650 Schulen und Studios die dynamischen Bewegungen des Tanzes studieren und üben." Was sie daran fasziniert sei nicht nur die Musik, die der alten japanischen Volksmusik ähnelt, sondern vor allem, weil beim Flamenco Emotionen freien Lauf gelassen werden können.

Das überrascht dann doch, herrscht landläufig doch die Meinung, Menschen mit fernöstlicher Lebensart zeigen ihre Gefühle öffentlich nicht. Chie Otani-Martin lächelt und sagt: "Die Gesellschaft fordert von uns allgemein, immer diszipliniert zu sein. Beim Flamenco aber können wir Freude oder Trauer zeigen, aus uns herausgehen." Das gelte vor allem für Japanerinnen, die es der gesellschaftlichen Entwicklung zu verdanken haben, einen Flamenco-Kursus besuchen zu können. "Im Tanz genießen sie einerseits das befreite,Ich-Gefühl', andererseits die schöne Traumwelt auf der Bühne."

Quelle: RP
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