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Flingern/Lierenfeld
Freie Bahn?

Flingern/Lierenfeld. Auf der Flurstraße und der Erkrather Straße soll jeweils eine Autospur wegfallen. Ziel dieser Maßnahme ist die Beschleunigung der Linien 709 und U 75. Von Torsten Thissen

Für Autofahrer soll es eng werden. Zumindest in Flingern auf der Flurstraße und in Lierenfeld auf der Erkrather Straße. Wenn es nach der Verwaltung geht, wird auf diesen Straßen demnächst den Straßenbahnen mit einer ihnen vorbehaltenen Spur Vorrang eingeräumt. Der Verkehrsausschuss soll die Vorlage morgen beschließen.

In Flingern wird die Bahnlinie 709 mit den Autos im sogenannten Mischverkehr geführt. Ziel des Versuchs ist es, sie zu beschleunigen, damit die mehr als 54.000 Fahrgäste pünktlich den Hauptbahnhof erreichen. Die Linie ist eine der am stärksten genutzten in Düsseldorf. Bislang muss die Straßenbahn auf der Flurstraße vor allem in Stoßzeiten oft warten, weil sich der Autoverkehr staut. Es bildet sich nämlich oft ein Rückstau durch die Autos, die von der Flurstraße links auf die Dorotheenstraße abbiegen wollen.

Um das zu vermeiden, soll eine gelb markierte ÖPNV-Spur eingerichtet werden. Der Einmündungsbereich zur Dorotheenstraße soll weiterhin zweispurig bleiben, so dass die Leistungsfähigkeit des Knotenbereichs im Wesentlichen unverändert bleibt, wie es in der Vorlage heißt. Was die Autofahrer in Flingern besonders schmerzen wird, ist der Wegfall von Parkplätzen. Das zeitlich beschränkte Parkverbot zwischen 9 und 15 Uhr soll während des Versuchs durch ein absolutes Halteverbot ersetzt werden. Dabei ist die Parksituation in Flingern bereits jetzt kritisch, wie eine Parkraumanalyse 2016 gezeigt hatte. Danach hatten viele Anlieger keine andere Wahl, als illegal zu parken. Von 1309 theoretisch im öffentlichen Straßenraum vorhandenen Plätzen waren nahezu alle immer belegt. In zahlreichen Gegenden zählten die Untersucher eine Belegung, die höher als 100 Prozent war. Hier standen also immer Autos illegal. Der Verkehrsversuch in Flingern ist auf ein Jahr angelegt.

Ein großes Problem für Pendler könnte sich aus dem Lierenfelder Vorhaben ergeben. Stadtteilpolitiker wie Christian Rütz (CDU) befürchten, "dass Lierenfeld im Chaos versinkt", wenn die Erkrather Straße stadtauswärts nur eine Spur für den Autoverkehr zur Verfügung hat. Zwischen Egilweg und Schlesische Straße soll eine Sonderfahrspur für die Stadtbahn eingerichtet werden. Der Versuch soll zunächst maximal sechs Monate dauern, nach drei Monaten soll eine erste Bewertung erfolgen, heißt es in der Vorlage. Hintergrund dieses vergleichsweise eher vorsichtigen Vorgehens ist das hohe Verkehrsaufkommen hier.

So passieren nach letzten Zählungen innerhalb von 16 Stunden mehr als 12.500 Autos die Straße. Zum Vergleich: Auf der Grafenberger Allee fahren rund 7500 Autos in der gleichen Zeit stadtauswärts. Zu Zeiten des Berufsverkehrs am späten Nachmittag staut sich der Verkehr bereits jetzt häufig, die Reduzierung auf eine Spur wird den Stau sicher verstärken, heißt es auch in der Vorlage, doch will die Verwaltung prüfen, ob der Rückstau noch halbwegs erträglich ist. Insbesondere ob er den Kreuzungsbereich an der Ronsdorfer Straße belastet. Ziel ist, die U75 für die Fahrgäste attraktiver und vor allem pünktlicher zu machen. Bislang kommt es zu Verlustzeiten von bis zu drei Minuten auf der nachfragestärksten innerstädtischen Stadtbahnlinie. Dadurch klappt der Anschluss an den Knotenpunkten Eller S-Bahn, Schlesische Straße und Vennhauser Allee oft nicht. Neben dem OVA müssen noch die Bezirksvertretungen 2 und 8 über die Verkehrsversuche beraten. Erst danach können die Verkehrsversuche eingerichtet werden.

Quelle: RP
 
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