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Videotheken-Sterben in Düsseldorf
Jetzt schließt Tümmers auch in Flingern

Videotheken-Sterben in Düsseldorf: Jetzt schließt Tümmers auch in Flingern
Der Räumungsverkauf in der Videothek an der Birkenstraße hat bereits begonnen. Am 31. Mai schließt das Geschäft. FOTO: andreas bretz
Flingern. Im Mai schließt der Videotheken-Betreiber Tümmers seine Filiale an der Birkenstraße in Düsseldorf. Das Geschäft auf mehr als 400 Quadratmetern hatte sich nicht mehr rentiert. Zwei Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze. Von Verena Patel

Muße, Langeweile und zurückgeschraubte Verpflichtungen - Ferienzeiten sind Hochzeiten für Unterhaltungsmedien, für Bücher, Filme, Café-Besuche. Wer in Flingern seine freie Zeit auf traditionelle Art totschlagen will, wird dort jedoch bald vor eine verschlossene Tür rennen. Denn für die Videothek "Tümmers" an der Birkenstraße werden diese Ferien die letzten sein. Am 9. April endet die Ausleihe, danach werden die restlichen Filme aus dem Bestand verkauft, bis am 31. Mai endgültig das Licht ausgeht in der Videothek.

Die Geschäftsführung reagiert damit auf rückläufige Umsätze im Videoverleih. Die gebe es bereits seit zehn Jahren, berichtet Geschäftsführer Rainer Heumann. "Die Zielgruppe der jungen Kunden haben wir verloren." Die starke Konkurrenz im Online-Geschäft sei dabei ein Faktor. Allerdings spielten speziell an der Birkenstraße auch weitere Aspekte eine Rolle. Während und nach dem umfangreichen Ausbau der Straße seien immer mehr Kunden ausgeblieben. "Kurz in zweiter Reihe parken, um ein Video abzugeben, ist nicht mehr möglich, weil man mindestens die Schienen der Straßenbahn blockiert." Weitere Einzelhändler an der Straße beobachteten ähnliche Probleme, so Heumann.

Auch sei die Größe des Ladenlokals mit rund 420 Quadratmetern "nicht mehr zeitgemäß". "Zudem hat das Geschäft zwei Etagen, das lässt sich von einem Mitarbeiter gar nicht überblicken", sagt Heumann. Auch die Energiekosten hätten mit rund 1000 bis 1200 Euro zu Buche geschlagen. Zwar verkleinerte Video Tümmers bereits zuvor eine Filiale drastisch - von 1200 Quadratmetern an der Friedrichstraße zog man auf eine Fläche von 120 Quadratmeter an der Bilker Allee - doch sei ein Umzug jetzt, in einem schrumpfenden Markt, zu heikel. Zwei festangestellte Mitarbeiter werden ihren Job verlieren, vier bis fünf Minijobber müssen sich neue Stellen suchen, sagt Heumann. "In Gesprächen habe ich unsere Mitarbeiter schon vor drei Jahren ermuntert, sich auch anderswo zu bewerben."

Bernd Mathea von der Werbegemeinschaft Flingern bemüht sich bereits um neue Mieter. "Wir brauchen unbedingt einen Drogeriemarkt an der Birkenstraße. Problematisch ist allerdings, dass das Ladenlokal mit seinen zwei Ebenen nicht barrierefrei und den Drogeriemarktketten auch etwas zu klein ist." Mit dem Eigentümer des Hauses sei er im Gespräch. Auch ein Fahrradgeschäft habe man bereits angedacht. Die Straße hat seiner Meinung nach durch den Umbau gewonnen. "Ich habe jede Menge Geschäftsanfragen für den Straßenzug", sagt Mathea. Allerdings sei es an der Stadt, für ein Parkhaus oder eine Tiefgarage wie in Oberkassel zu sorgen, um Flingern für Einkäufer noch attraktiver zu machen.

Rainer Heumann will sich nun auf die drei verbleibenden Videothek-Filialen an der Bilker Allee, der Gumbertstraße und der Münsterstraße konzentrieren. Ursprünglich gehörten zwölf Filialen zur Tümmers-Kette. Das war zu den goldenen Zeiten, als es noch nicht unendlich viele TV-Programme gab oder ein riesiges Angebot an Filmen und Serien zum Herunterladen im Netz. "Damals planten die Leute ihr Wochenende noch. Dazu gehörte auch, in die Videothek zu gehen, denn man konnte bei Weitem nicht alles im Fernsehen sehen." Zulauf für seine Filiale an der Münsterstraße verspricht er sich durch die Laufkundschaft rund um die neue Fachhochschule. "Wir wollen unter anderem ein Arthouse-Programm anbieten."

Quelle: RP
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