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Düsseldorf
Schießerei in Flingern

Magnum-Schießhalle: Schießerei in Flingern
Sportschütze Kurt mit einem Revolver: Nicht nachdenken und sich nur auf das Krümmen des Fingers konzentrieren. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Flingern. Managertreffen, Junggesellenabschiede, Frauenabende: In der Magnum-Schießhalle im Düsseldorfer Stadtteil Flingern kann jeder lernen, wie man eine Waffe bedient. Von Torsten Thissen und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Treffen sich zwei Schützen... ist natürlich ein ziemlich flacher Witz, aber vielleicht nimmt er diesem Thema ja ein wenig die Schwere, so zum Einstieg. Denn die meisten Menschen haben eine natürliche Scheu vor Waffen.

Sportschütze Sebastian (links) lässt sich von Ausbilder Gerhard Schiefke zeigen, wie er seine Ergebnisse verbessern kann. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

"Das ist auch der Grund, warum sie nicht treffen", sagt Gerhard Schiefke und lächelt wissend. Schiefke ist pensionierter Polizist, war Leiter der Schießausbilder und Schießlehrer der Düsseldorfer Polizei, hat den Aufbau der Spezialeinheiten mitgestaltet, war Gruppenführer beim SEK und Leiter des Präzisionsschützenkommandos. Und er ist nun der Inhaber von Düsseldorfs größtem Schießstand, eine weiß getünchte Halle in Flingern, die man problemlos auch für eine dieser Tennishallen halten könnte. Sie liegt am Rande des Neubaugebiets Grafental, hinter der Metro, "als ich anfing, war ich noch alleine hier", sagt Schiefke.

Wie viele Schüsse er abgegeben hat, kann er nicht genau sagen, so zwei Millionen werden es wohl gewesen sein, doch vor allem hat er sich mit dem Schießen beschäftigt. Und da kommen wir auch schon auf das Entscheidende, denn, Schießen ist eigentlich nur Psychologie, sagt Schiefke. Wer sich mit dem Schießen beschäftigt, muss sich zwangsweise mit dem Menschen beschäftigen, denn es sei ganz einfach, zu treffen. Finger krümmen, nicht allzu sehr wackeln, Treffer. "Das Problem ist, dass in Erwartung des Knalls die meisten zusammenzucken, den Schuss erwarten, den Rückschlag der Waffe."

Schießen macht nur Spaß, wenn man trifft, ist das Credo in der Magnum-Schießhalle. Nicht immer die Zehn natürlich. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Schiefke bringt auch ungeübten Menschen das Schießen bei. Und das Treffen, denn: "Nur wenn man trifft, macht Schießen Spaß." Man müsste nun ein bisschen über die Problematik des Waffengebrauchs reden, das Waffenrecht. Die Europäische Kommission plant wegen der Ereignisse in Paris gerade bestimmte halbautomatische Waffen zu verbieten, Waffenerlaubnisse auf fünf Jahre zu befristen, medizinische Tests für die Erteilung und Verlängerung vorzuschreiben, sowie den Onlinehandel mit Waffen und Waffenteilen einzudämmen. Schiefke sagt nicht viel dazu, Aktionismus", sagt er dann schon, und das sei ja schon vom Tisch, dank einer starken Waffenlobby. Schiefke sagt, dass seine Waffen nicht illegal sind, er niemanden mit einer illegalen Waffe auf seine Bahn lasse, und es sehr viele Möglichkeiten gebe, Unheil anzurichten, wenn man das denn wolle. "Unser Waffenrecht ist scharf. Das ist auch in Ordnung so", fügt er hinzu. Thema abgehakt, jetzt wird geschossen.

Gerade vor Weihnachten kommen einige Unbedarfte in die Halle, um ein bisschen rumzuballern. Sie schießen dann auf leuchtende Punkte, aber nicht ohne von Schiefke eingewiesen zu werden. Beliebt sind die Kurse, als ungewöhnliches Event für Menschen, die ein bisschen Adrenalin spüren wollen. Schiefke hat Leinwände, auf denen die Ziele projiziert werden, Punkte, Scheiben, und in der Adventszeit Kerzen, denen man die Flamme abschießen kann. Wer öfter trifft, hat gewonnen. Neben den Sport- und Spaßschützen kommt auch die Bundespolizei zum Trainieren in seine Halle und Sicherheitsfirmen. Schiefke kann Szenarien auf die Leinwand werfen, in die der Schießausbilder eingreifen kann, je nach Verhalten des Schützen, darin muss man manchmal auch auf den Schauspieler auf der Leinwand schießen. Vergleichbar mit dem Schuss auf einen Menschen ist das nicht. Zwei Schützen schießen in einer der drei Hallen, Sebastian und Kurt mit Ruger Revolvern, Kaliber .357 Magnum, sie wollen nur mit Vornamen angesprochen werden, das ist eben so in der Halle, sagt Schiefke. Er bespricht mit den beiden die Ergebnisse, "wie läuft´s, wie geht´s", nachher ist noch Zeit für ein Bier im Aufenthaltsraum, der mehr einem Vereinheim ähnelt, mit Theke, Zapfhähnen und Pokalen. Hier trifft man sich. Die Waffen sind da aber längst sicher wieder untergebracht. Sehr sicher, denn Schiefke wohnt gleich nebenan.

Quelle: RP
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