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Flingern
Rock am Kraftwerk vor weniger Leuten

Flingern. Bei gutem Wetter wollten viele nicht in die Schützenhalle. Drinnen gaben die verschiedenen Rockbands trotzdem alles. Von Tino Hermanns

Das gute Wetter war irgendwie auch schlecht. Jedenfalls für die Besucherzahlen von Rock am Kraftwerk. "Bei unserem Open-Air-Event im August 2017 war es kühl und es hat geregnet", sagt Organisator Gerald Rademacher. Jetzt, beim Konzert zum dritten Geburtstag in der neuen Schützenhalle in Flingern, herrschten draußen Temperaturen von mehr als 20 Grad und strahlender Sonnenschein. "Da kann ich die Leute verstehen, dass sie lieber vor als in der Halle stehen", sagt Rademacher.

Dabei spielte doch in der Halle die Musik. Den sieben Bands auf der Bühne war die Übersichtlichkeit im Publikum jedoch vergleichsweise egal, denn sie gaben alles. Bei Ulysseus-Grand-Frontmann Tom Jäpel hatte man beinahe den Eindruck, bei einem Konzert in einer riesigen Arena zu sein. Jäpels Bewegungsradius erinnerte an Mick Jagger in seinen besten Zeiten. Musikalisch bewegte sich die fast nach dem ehemaligen US-Südstaaten-General Ulysses S. Grant benannte Band zwischen groovigen und kernigen Riffs über dunkle Klangpassagen bis hin zu ausgelassen tanzbaren Rhythmen.

Kraftwerksrock-Wiederholungstäter waren auch in Flingern. Einst stand Andreas Strott als Solist auf der Flingeraner Bühne. Ihm hat es gefallen, so dass er jetzt seine "Aushilfskräfte" mitbrachte. Die Strott-Combo "Back Alley" schreibt ihre Songs frei nach dem Motto "It's only Rock'n'Roll". Damit bietet die Band dem Publikum ein breites Spektrum an Rock/Pop-Balladen, Modern-Rock bis hin zu Rock-Klassikern, die die fünf Musiker auch gerne mit ins Programm einfließen lassen. Es ist also für jeden etwas dabei. "Events wie Rock am Kraftwerk sind für Bands immer gut. Sie bekommen zwar kein Geld, aber sie haben Auftrittsmöglichkeiten", erläuterte Strott. "Es hat wieder Riesenspaß gemacht. Wenn wir dürfen, sind wir gerne wieder dabei."

Doch so einfach ist es inzwischen nicht mehr, einen Gig bei Rock am Kraftwerk zu bekommen. Bei Rademacher gehen jede Menge Bewerbungen ein. Die werden aber nicht einfach in der Reihenfolge des Eingangs zum Festival in Flingern eingeladen, sondern sind sozusagen handverlesen. "Ich höre mir jede Band bei einem ihrer Konzerte im Vorfeld an. Für Back Alley bin ich beispielsweise nach Bochum gefahren", erläuterte Rademacher. "Ich war aber auch schon in Hamburg, Kiel und Berlin. Das waren Musiktrips für kommende Veranstaltungen."

Wobei es allerdings noch nicht klar ist, ob das geplante Open-Air-Event am 11. August durchgeführt werden kann. Zweimal hat Rademacher Bands und Rock-Fans problemlos vor der alten Schützenhalle zusammen geführt, ob aller guten Dinge drei sind, steht aktuell in den Sternen. "Das Ordnungsamt hat härtere Vorgaben gemacht und Auflagen erteilt", sagt Rademacher. "So darf zum Beispiel die Lautstärke vor dem nächsten Wohnhaus 65 Dezibel nicht überschreiten. Beim letzten Mal waren es noch 70. Ich soll zudem Genehmigungen für den Bierwagen vorlegen und eventuell wird auch noch das Umweltamt eingeschaltet."

Das bedeutet aus seiner Sicht mehr Verwaltungsaufwand und weniger Spaß. Dabei organisiert Rademacher mit seinen Freunden Rock am Kraftwerk nur aus Spaß an der Musik. Falls Geld nach Abzug aller Kosten übrig bleibt, wird das gerecht unter allen Bands verteilt. "Der Kampf mit den Behörden vermiest mir den Spaß", ärgerte sich Rademacher. Aber noch überwiegt die Freude. Das kleine Woodstock in Flingern hat also Überlebenschancen.

Quelle: RP
 
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