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Flingern
Sprayer verschandeln Garagentor

Flingern. Im Februar wurde das Garagentor von Heide und Günter Buchwald mit Graffiti beschmiert. Daraufhin engagierte das Paar einen Künstler, der ein Motiv auf das Tor aufbrachte. 14 Tage hat das gehalten, ehe die Sprayer wieder zuschlugen. Von Nicole Kampe

Das Bild des Affen, der Saxofon spielt, war gerade erst fertig geworden, die Versiegelung fehlte noch. Knallgelb leuchtete die Farbe vom Garagentor, die Leute blieben stehen, machten Fotos vom Affen, Fotos von sich mit dem Affen. Heide Buchwald gab das Bild in Auftrag bei dem befreundeten Künstler Marc Henning, nachdem ihr Tor im Februar diesen Jahres mit Graffiti beschmiert wurde. "Früher war das Tor braun, so wie die Fassade", sagt Buchwald, die sich damals zwar ärgerte über die Schriftzüge, die eines Nachts aufgesprüht wurden. Aber sie erkannte auch die Chance, etwas Tolles für sich und die Nachbarschaft zu schaffen.

Als vor ein paar Tagen früh am Morgen der Anruf ihrer Tochter kam, blieb der 70-Jährigen fast die Luft weg. Wieder hatten Sprayer in der Nacht zugeschlagen, wieder der gleiche Schriftzug, wieder Namenskürzel, die auf das Tor gekritzelt wurden. Vom Affen ist seitdem nichts mehr zu sehen, verschwunden ist er unter der Schmiererei. "Wer hat das Recht dazu, anderer Leute Eigentum zu beschädigen?", fragt Buchwald, die fassungslos ist ob der Zerstörungswut. Sogar ein Teil der Hauswand haben die Sprayer diesmal verschmiert, wie viel Geld die Reinigung kostet, darum hat sich Heide Buchwald noch nicht gekümmert. Ihr fehlte schlicht die Motivation, die Lust, die Kraft dazu.

Anzeige haben sie und ihr Mann Günter erstattet bei der Polizei - beide Male. Eine Spraydose ist sichergestellt worden, die Chancen gehen dennoch gegen null, dass ein Täter ausfindig gemacht wird. "Die tragen Handschuhe und kommen vermummt", sagt der 77-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau bald 50 Jahre in dem Haus an der Ackerstraße wohnt. In der Nacht, als die Sprayer wüteten, war Günter Buchwald sogar noch draußen. "Gegen 24 Uhr", sagt er. Eine halbe Stunde später ist das Paar ins Bett gegangen. Gehört hat niemand etwas, gesehen auch nicht. "Wir vermissen unseren Affen", sagt Heide Buchwald traurig.

Um Sprayer abzuhalten, kam sie auf die Idee mit dem Affen-Bild. "Es gibt doch einen Ehrenkodex unter Sprayern", sagt Heide Buchwald. Offenbar hält sich daran nicht jeder in Düsseldorf. Als vor einigen Jahren eine Hauswandsanierung anstand, hatte Günter Buchwald vorausschauend Granitplatten im unteren Geschoss anbringen lassen, "die sind leichter zu reinigen". Immer wieder werden Schriftzüge und Graffit-Motive auf Wände in der Gegend geschmiert. "Wenn man uns gefragt und eine gute Idee gehabt hätte, dann hätten wir sogar die Farbe bezahlt", sagt Heide Buchwald, die viel übrig hat für gute und spannende Kunst. "Wir wohnen in einem Künstler-Haus", sagt sie. Ein Student der Musikhochschule gehört zu den Mietern, unter dem Dach leben Künstler, eine Wohnung hatte lange die Komödie angemietet, für Regisseure und Schauspieler.

Das bekannte Wandbild "Tor zu Flingern" gehört den Buchwalds, es ist vor 13 Jahren auf ihre Hauswand gemalt worden, ein paar Tage, nachdem Günter und Heide Buchwald einen Hund aus dem Tierheim adoptiert haben. "B.B. ist auch zu sehen", sagt Günter Buchwald, der auch schon über Videokameras nachgedacht hat. Er setzt jetzt auf Polizei und Ordnungsamt und hofft, dass Mitarbeiter und Beamte noch öfter an der Ackerstraße vorbeikommen. Lange bleiben wird der Schriftzug nicht auf ihrer Garage, "der Affe kommt auf jeden Fall wieder", sagt die 70-Jährige. Wieder mit einem Saxofon, auch wenn die Enkelin damit nicht ganz einverstanden ist, "sie spielt Geige und wünscht sich einen geigespielenden Affen", sagt Heide Buchwald.

Quelle: RP
 
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