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Flingern
Straße in Flingern soll umbenannt werden

Flingern. In der Bezirksvertretung droht wieder ein Namensstreit. Mahn- und Gedenkstätte hält Hans-Günther-Sohl-Straße für "unpassend". Von Torsten Thissen

Ein Gutachten der Mahn- und Gedenkstätte, das die Bezirksvertretung 2 in Auftrag gegeben hatte, kommt zu dem Schluss, dass die Hans-Günther-Sohl-Straße besser umbenannt werden soll. Zwar sollte eine "Umbenennung von Straßen prinzipiell nur aus triftigen Gründen und auf der gesicherten Grundlage neuer historischer Erkenntnisse erfolgen", doch im Fall der Straße in Flingern sei besonders die Lage ausschlaggebend, so das Gutachten.

Die Straße liegt in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen KZ-Außenlager "Berta", ein Außenlager des KZ Buchenwald, auch andere, kleinere Zwangsarbeiterlager waren in der Nähe während des Zweiten Weltkrieges eingerichtet. Weder ein Straßenname noch ein Mahnmal erinnert an die tausenden Häftlinge, die dort arbeiteten und starben. Hans-Günter-Sohl hingegen hatte eine "besondere Rolle" beim Einsatz von Zwangsarbeitern bei den Vereinigten Stahlwerken. Er war "unmittelbar für den Zwangsarbeitereinsatz bei einem der größten deutschen Rüstungskonzerne verantwortlich", so das Gutachten. Ihn gerade hier mit einem Straßennamen zu ehren, "halten wir grundsätzlich für sehr unglücklich und unpassend", heißt es in dem Gutachten.

"Wir treffen damit aber keine Entscheidung über die Umbenennung", sagt der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Bastian Fleermann unserer Redaktion, die müsse die Politik aufgrund der Faktenlage treffen. "Wir haben uns sehr viel Zeit mit dem Gutachten gelassen und sehen es als Grundlage für die politische Diskussion an", fügt Fleermann hinzu. "Ich bin sehr gespannt auf die Debatte", sagt der Historiker. Sohl war nach dem Krieg Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG. Unter seiner Führung wurde der Konzern Anfang der siebziger Jahre kurzzeitig zum größten Stahlkonzern der Welt. Bundespräsident Gustav Heinemann verlieh dem Manager 1973 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik. Er starb 1989 in Düsseldorf, zwei Jahre später wurde die Straße am ehemaligen Thyssen-Trade-Center nach ihm benannt.

Auch damals gab es eine Beurteilung, allerdings konnten viele Akten zu seiner Person erst jetzt eingesehen werden. Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Zwangsarbeiterlagern in Düsseldorf begann erst Ende der neunziger Jahre.

Für Teile der CDU im Stadtbezirk 2 ziehen diese Argumente allerdings nicht. Annelies Böcker etwa spricht sich für eine Beibehaltung des Namens aus. Die Initiative einer Umbenennung, die von der SPD und den Grünen ausgeht, nennt sie " geschichtslos". Hier sei der gleiche Mechanismus wie bei der geplanten Umbenennung des Mannesmann-Hochhauses und der Namensgebung des Flughafens am Werk, sagte die CDU-Politikerin. Vor ein paar Monaten war bereits ein Streit um den Namen "Frank-Zappa-Straße" entbrannt. Sie soll in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen.

Quelle: RP
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